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Jesus in der Flasche: Miniaturschnitzer Johann Jellbauer bei seiner fieseligen und kunstvollen Arbeit.

Tausende Besucher bei Argeter Dorfweihnacht

Glitzertraum auf dem Land

  • VonAndrea Kästle
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Viele Kerzen, in den Fenstern der Häuser, an den Ständen. Hier und dort wurde Musik gespielt, vor der Feuerwehr: ein Christbaum, Lichterketten sowieso überall. Die Argeter Dorfweihnacht zog auch im achten Jahr ihres Bestehens Tausende Schau- und Kauflustige an.

Sauerlach – Die Kulisse für das wohl größte und besonders schöne Vorweihnachts-Spektakel im Landkreis könnte malerischer nicht sein. Denn Arget, einer von zwölf Ortsteilen der Gemeinde Sauerlach, ist allerbestens erhalten, die Häuser in der Oberhamer Straße, vom Schmuck bis hinter zur Feuerwehr sind sämtlich alte Höfe. In manche der Bauernhäuser sind längst Geschäfte eingezogen, die jetzt freilich auch offen hatten am Wochenende.

Etwa „Zeitgeist“, ein Laden für Wohnaccessoires, der sich im Advent jeweils in einen einzigen Glitzertraum verwandelt. In Anbetracht der unzähligen Glaskugeln und der Deko auf Tischdecken flackerte Panik auf in den Gesichtern mancher Eltern. Sie schärften ihren Kindern beim Betreten ein: „Nur mit den Augen schauen!“

Derweil ist die Dorfweihnacht, erfunden und organisiert von Hannelore Fesl, weil man vielen der Handwerker, die dort ausstellen, auch „live“ bei der Arbeit zusehen kann. Während für die Verköstigung der Argeter und Arget-Besucher wiederum die Sauerlacher Vereine sorgen.

Ein Drechsler und ein Schuhmacher, eine Kalligraphin und Buchbinderin, eine Goldschmiedin, eine Töpferin, ein Kerzengießer, einige Frauen, die Selbstgeschneidertes anboten, ein Federkielsticker, der streng darauf aufpasste, dass man seine Sachen nicht anfasst: Sie alle demonstrierten denen, die sich dafür interessierten, wie ihr Handwerk entsteht.

In einem der diversen Schuppen, schön im Warmem, wo außerdem das Sauerlacher „Akustik Duo Südsaitn“ aufspielte mit Harfe und Handpan, präsentierte der Schuhmacher Florian Koppitz aus Grafing die Sonderanfertigungen, für die er und sein Vater teils auch Fischleder verarbeiten. „Früher haben wir vorwiegend Schuhe repariert“, berichtete er, irgendwann habe ihn das nicht mehr zufriedengestellt. Drei Tage bis eine Woche braucht er für ein Paar handgemachte Schuhe, Kostenpunkt: ab 1000 Euro aufwärts.

Gegenüber erklärte unterdessen der Schneider und Weber Gernot Grundmann an seinem Mini-Webstuhl, wie es funktioniert, dass sich inmitten des Gewirrs der gespannten Fäden ein „Webfach“ bildet, durch das dann die Wolle „geschossen“ wird. Seine Wolldecken, von denen er in der Werkstatt in Gaißach jeweils 16 auf einmal am großen Webstuhl fertigt, kommen auf 215 Euro das Stück. Seit die Sportartikelhersteller angefangen haben, zunehmend Merino-Wolle zu verarbeiten, meinte er, seien die Marktpreise um 30 Prozent gestiegen. „Das kann ich gar nicht auf die Kunden umlegen.“

Vielleicht am meisten gestaunt in diesem Stadl wurde aber am Stand des Miniaturschnitzers Johann Jellbauer. Der Mini-Kruzifixe, gefertigt aus Tanne und Lindenholz, in Flaschen zusammenbaut. Ob das „nicht furchtbar fieselig“ sei, wollte eine Besucherin wissen. „Sicher“, meinte er entspannt. Der Jesus in der Flasche habe, berichtete er, im Bayerischen Wald, wo er herkommt, und in Österreich eine lange Tradition. Für Jellbauer ist es ein Hobby, bei dem er sich freilich den Stundenlohn nicht ausrechnen darf. Bis zu zwei Tagen sitzt er daran, die winzigen Holzteile durch die engen Flaschenhälse zu bekommen und im Flaschenbauch dann an der richtigen Stelle festzukleben. Dafür sind die Dinger– 110 Euro verlangt er für eine Flasche – ziemlich günstig.

Und während man sich hier noch darüber informieren ließ, dass ein Zirbelholzkissen einen besser schlafen lässt, während man dort einem Schmied beim Schmieden zusehen konnte, wurde es langsam dunkel. Kinder umringten das Schafgehege, die Besucher wärmten sich an den diversen Feuerstellen. Es roch nach Waffeln und Gewürzen. Es war kalt. Später spielten die Argeter Alphornbläser entlang der Oberhamer Straße.

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