Schnelle Leitungen: In Sauerlach wird es bis zur Verlegung noch etwas dauern.
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Schnelle Leitungen: In Sauerlach wird es bis zur Verlegung noch etwas dauern.

Ratlosigkeit im Gemeinderat beim Thema Breitbandversorgung – Bedarf höher als gedacht

Viele Fragen rund ums schnelle Internet für Sauerlach

„Eingegrenzt transparent“ und „eine Gleichung mit vielen Unbekannten“ nennt Gemeinderätin Ursula Gresser (FDP) das derzeitige Verfahren zur Breitbandversorgung. Mit dieser Einschätzung steht Gresser im Sauerlacher Gemeinderat wohl nicht allein.

Das Thema ist nicht neu: Bereits vor einem Jahr hatte der Gemeinderat beschlossen, die Breitbandversorgung in den neun Ortsteilen (Arget, Lochhofen, Grafing, Am Brand, Gumpertsham, Altkirchen, Klein Eichenhausen, Großeichenhausen und Gumpertshausen) auf Vordermann zu bringen. Hierfür beauftragte man die Firma IK-T Manstorfer und Hecht, die „Unterstützungsleistung zur Förderverfahrensfindung für den Glasfaserbau in den Ortsteilen zu erbringen und eine Ausschreibung für den Ausbau auszuarbeiten“, wie es in der Beschlussvorlage der jüngsten Gemeinderatssitzung heißt. Im Klartext: Das Regensburger Unternehmen sollte prüfen, wie hoch der Bedarf ist und helfen, einen geeigneten Telekommunikationsanbieter für den Betrieb des erforderlichen Breitbandnetzes zu finden. „Markterkundungsverfahren“ heißt so ein Prozedere, welches im Sauerlacher Fall gleichwohl wenig Erbauliches zutage förderte: Denn der Bedarf an schnellem Internet ist weit höher als bislang geglaubt, eine umgehende Ausschreibung ist somit erst mal nicht möglich – zumindest nicht ideal, was die Finanzierung des Netzes angeht.

2,5 Millionen Euro aus der eigenen Kasse

Gut 2,5 Mio. Euro würde Sauerlach für den Breitbandausbau aus der eigenen Schatulle bezahlen. Vom Land Bayern gibt es maximal sechs Millionen Euro an Förderung dazu. Und je mehr Ausbaubedarf besteht, desto höher ist der Zuschuss. Bedeutet aber auch: Würde die Gemeinde die bisher geltende, aber überholte Datenlage für eine Ausschreibung an einen Telekommunikationsanbieter heranziehen, könnte es sein, dass ihr finanzieller Eigenanteil unterm Strich höher ausfällt, weil vom Freistaat weniger Fördermittel überwiesen werden.

Derlei will man unbedingt vermeiden, weshalb Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV) für ein neues Markterkundungsverfahren plädiert – was weitere Fragen aufwirft. Etwa wie viel dieses kostet. Wohl einige 1000 Euro , hieß es auf der Gemeinderatssitzung – möglicherweise. Denn bei der IK-T will man sich dazu, auch auf gezielte Nachfrage hin, nicht konkret äußern. Der mit dem Projekt betraute Ingenieur Christian Hochhuber verweist lediglich darauf, dass nach seinen Stundensätzen abgerechnet würde. Wie hoch die sind, will er nicht sagen. Seine Ausführungen auf der Gemeinderatssitzung blieben zudem „wenig konkret und nebulös“, ärgert sich Ursula Gresser. „Entweder er hatte selber keine Ahnung oder er wollte nichts sagen.“

Wie lange das Markterkundungsverfahren dauert, ist noch unklar. Eine schriftliche Anfrage bei der Sauerlacher Bauamtsleitung blieb bislang unbeantwortet.

Mehr als 700 schwache Anschlüsse

Und die Kosten pro Anschluss? Zwischen 7000 und 17 000 Euro, diese Zahlen standen im virtuellen Raum – so ungefähr. Das hängt wohl auch davon ab, was der künftige Telekommunikationsanbieter bereit ist zu zahlen, wie Gemeinderat Axel Horn (Bündnis 90/Die Grünen) vermutet. Fest steht lediglich, dass über 700 Anschlüsse, so der neueste Befund von IK-T Manstorfer, derzeit mit nicht mal 30 Megabit pro Sekunde vor sich hindümpeln. Davor sei man von nur 200 schwachen Anschlüssen ausgegangen, sagt IK-T-Mann Hochhuber. Ein Grund für die enorme Abweichung konnte nicht genannt werden.

Vermutungen, keine klaren Zahlen und vage Aussagen – „wir zahlen hier womöglich für ein Netz, von dem wir nicht mal wissen, wem es am Ende gehört, was es kostet und wann wir es haben werden“, wundert sich Ursula Gresser. Und empfiehlt: „Möglicherweise brauchen wir einen zweiten Gutachter.“ VOLKER CAMEHN

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