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Geben nicht auf: Manfred Holm (l.) und Hans Grund von der Initiative gegen Schienenlärm thematisieren in der Bürgerfrage-Viertelstunde nochmal den Zuglärm.

Sauerlacher enttäuscht

Zuglärm: Gemeinde lehnt Gutachten ab

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Sauerlach –Die Anwohner sind enttäuscht: Die Gemeinde hat ein schalltechnisches Gutachten abgelehnt. Ein Rückschlag im Kampf gegen den Zuglärm, der vielen den Schlaf raubt.

Keine Konfrontation mit der Bahn, BOB und Meridian, wollen die Mitglieder der „Initiative gegen Schienenlärm“ (IgSL). Sie wollen nur eines: Endlich mal wieder des Nachts durchschlafen, ohne von einem durch den Ort rasenden Zug geweckt zu werden. 340 Sauerlacher unterschrieben das mit ihrem Namen. 

Das Thema ist ein Dauerbrenner, seit Jahren bekannt. Der Sauerlacher Bahnhof liegt in der Ortsmitte, da ist Ärger nicht weit. Aber: „Seit dem Start der Bayerischen Oberlandbahn und des Meridian hat sich die Anzahl der schnell durchfahrenden Regionalzüge verdoppelt, die nächtlichen Züge zwischen 22 und 6 Uhr haben sich gar verzehnfacht“, sagt Hans Grund, Mitbegründer der Initiative, die eine Projektgruppe der lokalen Agenda ist. 340 Betroffene fordern jetzt per Unterschrift eine Nachtruhe. „Die Bürger haben uns, und damit auch der Gemeinde, den Auftrag gegeben, Minderung zu schaffen“, betonte Manfred Holm von der IgSL. 

Gemeinsam mit Agendarat Grund war er in die Gemeinderatsitzung gekommen, um das Thema im Rahmen der Bürgerfrageviertelstunde nochmals auf den Tisch zu bringen. Anfang Juli hatte die Initiative beantragt, ein schalltechnisches Gutachten durch Experten erstellen zu lassen. „Wir versprechen uns einerseits eine Überprüfung der von der Bahn ermittelten Lärmpegel, andererseits einen Nachweis der echten Lärmbelästigung durch geeichte Messungen an definierten Punkten“, erläuterte Holm den Räten. 

Die Kosten für ein derartiges Gutachten, das die Gemeinde als politische Unterstützung in Auftrag geben sollte, beziffert die Initiative mit bis zu 10 000 Euro. Doch der Bau- und Umweltausschuss lehnte das Anliegen mit 9:1-Stimmen ab. 

Es habe bei der Bahn keine Möglichkeit gegeben, rechtlich einzugreifen, erklärt Bürgermeisterin Barbara Bogner diesen Schritt. Daher gebe es auch keine Grundlage für die Verwendung von öffentlichen Geldern. 

Etwa 15 Unterstützer waren mit Holm und Grund in den Gemeinderat gekommen, um Einspruch zu erheben. Ob sie denn überhaupt schon einmal mit der Bahn Kontakt aufgenommen hätten, wollte Bogner wissen. „Vielleicht sagen die einer Drosselung des Tempos auch ohne Gutachten zu.“ 

Das verneinte Holm: „Falls das Gutachten-Ergebnis eine unzulässige Lärmbelästigung für die Anwohner ergibt, wird es als erste Aktion Gespräche mit den Betreibern von BOB und Meridian geben.“ Sollte das Gutachten keine eklatanten Werte ergeben, wäre das ein Ergebnis, um die Anstrengungen einzustellen. 

Doch Holm betonte, dass die Aktion keineswegs als aussichtslos zu betrachten sei. „Es gibt vergleichbare Initiativen wie etwa in Deisenhofen, die erfolgreich für die Minderung des Zug- und Schienenlärms eingetreten sind“. Der Interkommunalen Lärmschutz-Initiative (ILI) dort gelang es in Kooperation mit der S-Bahn München, mit einem Maßnahmenpaket unnötigen Lärm bei abgestellten Zügen zu mindern. Aber solch ein Erfolg bedürfe der Unterstützung durch politischen Druck. Daher könne Sauerlach mit der Genehmigung des Gutachtens einen wichtigen Schritt zur Minderung des Schienenlärms für seine Bürger leisten. „Dass Züge mit bis zu 160 km/h durch den Ort rasen, auch nachts, müssen wir nicht hinnehmen“, betonte Holm. Es ginge um realistische Kompromisse mit den Betreibern, etwa um Geschwindigkeitsbegrenzungen in der Nacht.

 Durch das Veto des Bauausschusses ist ein Gutachten der Gemeinde nun formal vom Tisch. Daran ändert auch die Gesprächsbereitschaft nichts, die die Bürgermeisterin der IgSL zusichert.

Kathrin Kohnke

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