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Fassungslos ist Imkerin Birgit Blöchl über die Zerstörungswut an ihren Bienenstöcken. 

Bienenstöcke umgeworfen

Vandalen töten Bienenvölker

Sauerlach - Die Sauerlacher Hobby-Imkerin Birgit Blöchl ist fassungslos. Vier ihrer Bienenstöcke auf einer Lichtung in Walchstadt wurden mutwillig zerstört, der Standort verwüstet. Ein Bienenvolk wurde komplett ausgelöscht, ein weiteres beinah.

Die 42-Jährige zeigte den Vandalismus an. „Wer macht bloß so etwas, hier mitten auf dem Land“, sagt sie und schüttelt traurig den Kopf. Fühlte sich jemand von den Bienen gestört? Kein Fußweg führt aber am Standort vorbei. Die Stöcke stehen am Rande eines Feldes in Walchstadt, nahe Otterloh - etwa in Höhe der Otterloher Straße 101. Von der Straße selbst sind sie nicht einmal zu sehen. Birgit Blöchl und ihr Vater Rudi, dem die Bienen ebenfalls gehören, vermuten Vorsatz. „Aufgrund einer Reifenspur sowie Abdrücken in Maulwurfshügeln direkt davor vermuten wir, dass derjenige sogar mit dem Auto kam“. 

Am 14. November, einem Samstag, erhielt Blöchl den Anruf. „Meine Cousine, der der Acker gehört, sah die Beschädigungen als Erste und benachrichtigt mich sofort“, erzählt Blöchl. Gemeinsam mit dem Vater fuhr sie hin. Da war es schon zu spät. Alle vier Kästen waren umgeworfen, die Deckel teilweise geöffnet. „Weil sie vermutlich ein oder zwei kalte Nächte offen waren, haben wir ein komplettes Volk verloren“. Bei einem so genannten Ableger, einem Jungvolk fürs nächste Jahr, werde sich erst noch zeigen müssen, ob es durch den Winter komme. „Bienen reagieren auf Störungen sehr empfindlich“, so Blöchl.

 Bis zu 15 000 Exemplare könnten einem Volk etwa im Winter angehören. Dann bildeten sie wegen der Kälte eine Wintertraube mit der Königin in der Mitte. „Im Zentrum bleibt es konstant warm, etwa 20 Grad“, erläutert die 42-Jährige. Wird es den Bienen am Rand dann zu kühl, wechselten sie mit denen aus dem Inneren. Ein faszinierender sozialer Kreislauf. Da das Jungvolk der Hobby-Gärtnerin durch den Vandalismus reduziert wurde, ist die Wintertraube jetzt unter Umständen zu klein und die Bienen erfrieren. Styroporplatten sollen jetzt an den halbwegs reparierten Stöcken helfen, die Temperatur zu stabilisieren. 

Alle zwei bis drei Tage schauen die Blöchls regelmäßig nach den Völkern. Erst vor vier Jahren haben die beiden Naturfreunde einen Imker-Kursus in Oberhaching absolviert. Beide sind Mitglied des 1877 gegründeten Münchner Bezirksbienenzuchtvereins (MBBZV), einem der größten Bienenzuchtvereine Bayerns mit Zentrum in Deisenhofen. Etwa 90 000 Imker mit etwa einer Millionen Völkern gibt es bundesweit. Etwa 160 Euro kostet ein Bienenwirtschaftsvolk. Größer als der materielle Schaden ist freilich der Frevel an der Natur. „Wo wir alle doch so dringend Bienen brauchen“, sagt Blöchl. Weltweit seien die fleißigen Insekten durch Umwelteinflüsse, Viren- und Milbenbefall gefährdet. „Wer bestäubt die Pflanzen, wenn es sie nicht mehr gibt?“. Nach Angaben Blöchls ernteten die Imker des MBBZV im vergangenen Jahr zwischen 30 bis 40 Kilo Honig pro Volk. „Ein Bienchen schafft etwa einen Teelöffel in ihrem Leben“. 

Die Familie Blöchl hofft auf Aufklärung, hofft darauf, dass es vielleicht doch Zeugen gibt, die zwischen dem 11. und 14. November etwas bemerkt haben. Jede polizeiliche Dienststelle nimmt die Hinweise entgegen.

Kathrin Kohnke

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