Umstrittener Schlauch: Die Wasserschutzzone zieht sich vom Brunnen-Standort an der nördlichen Spitze der blau markierten Schutzzone weit nach Süden bis nach Arget. Das geplante Schutzgebiet ist etwa 230 Hektar groß und betrifft vor allem Grundstücke von Privatleuten sowie Flächen der Gemeinde Sauerlach. Karte: Münchner Merkur
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Umstrittener Schlauch: Die Wasserschutzzone zieht sich vom Brunnen-Standort an der nördlichen Spitze der blau markierten Schutzzone weit nach Süden bis nach Arget. Das geplante Schutzgebiet ist etwa 230 Hektar groß und betrifft vor allem Grundstücke von Privatleuten sowie Flächen der Gemeinde Sauerlach.

Wasserschutzgebiet soll bis nach Arget reichen – Gemeinde will juristischen Beistand suchen

Sauerlacher empört über Brunnthaler Brunnen-Pläne

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Zwischen den Nachbargemeinden Sauerlach und Brunnthal zeichnet sich ein Rechtsstreit ab. Auslöser sind die Bestrebungen Brunnthals, zur Sicherung der Trinkwasserversorgung einen Brunnen durch einen neuen an anderem Standort zu ersetzen.

Sauerlach/Brunnthal – Der neue Brunnen befindet sich an der Gemeindegrenze zu Sauerlach, nahe der Autobahnanschlussstelle Hofoldinger Forst. Das damit verbundene Wasserschutzgebiet würde fast ausschließlich auf Sauerlacher Flur liegen und sich nach Süden hin bis zum Ortsteil Arget erstrecken.

Die „vielfältigen, negativen Auswirkungen“ auf die Gemeinde will man im Sauerlacher Rathaus nicht hinnehmen. In der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses war die Empörung über den Vorstoß aus Brunnthal groß. „Ich finde das einen Skandal“, wetterte Gemeinderätin Ursula Gresser, Götz von Borries (UBV) sprach von einer Zumutung und nannte das Verhalten der Brunnthaler unprofessionell. „Wir sollten der Verwaltung die Mittel in die Hand geben, alle rechtlichen Mittel dagegen einzuleiten“, befand Michael Hohenleitner (CSU).

Das sieht auch der Beschlussvorschlag der Verwaltung vor, den der Gemeinderat in der kommenden Sitzung abnicken soll: Man will sich juristischen Beistand suchen, um gegen die Brunnen-Planung und gegen die Festsetzung des dazugehörigen Wasserschutzgebietes durch das Landratsamt München vorzugehen. Gleichzeitig will die Gemeinde Sauerlach die Planungen durch ein hydrologisches beziehungsweise hydrogeologisches Büro „kritisch überprüfen“ lassen.

Durch das geplante Wasserschutzgebiet auf Sauerlacher Flur befürchtet die Verwaltung Einschränkungen in der Bewirtschaftung sowie in der planvollen Entwicklung der betroffenen Flächen, die fast ausschließlich zu forstwirtschaftlichen Betrieben, Bürgern sowie der Gemeinde Sauerlach gehören, wie Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV) betonte. „Das geht nicht“, meinte die Rathauschefin. Sie forderte die Gemeinde Brunthal auf, das Wasserschutzgebiet auf ein Areal der Bayerischen Staatsforsten zu verlegen. „Dann soll sie sich mit denen auseinandersetzen.“

Im Sauerlacher Rathaus befürchtet man aber auch, dass der aufgezeigte Verlauf des künftigen Wasserschutzgebietes, der in der Regel der Fließrichtung des Grundwasserstroms entspricht, nicht die tatsächlichen Gegebenheiten widerspiegelt. „Das ist so hingemalt, wie man’s braucht“, lautete der Vorwurf im Ausschuss. Bogner befürchtet, sollte die Fließrichtung in Wirklichkeit durch die Sauerlacher Rodungsinsel verlaufen und nicht – wie jetzt dargestellt – daran vorbei, dass dann die Lage des Wasserschutzgebietes angepasst werden muss und damit eine planvolle Weiterentwicklung in diesem Gemeindebereich nicht mehr möglich ist.

Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU) kann die Aufregung der Sauerlacher nicht nachvollziehen. Schließlich gehe es ums Trinkwasser, „das kostbarste Gut“. Er erinnert daran, dass man den einen Brunnen extra aufgebe, um die Entwicklung des unweit des Brunnens bestehenden Sauerlacher Ortsteils nicht zu gefährden. Das Schutzgebiet für den neuen Brunnen liege nun nicht mehr in einem bebauten Areal, sondern im Wald. Und der könne von den Grundstückseigentümern weiterhin bewirtschaftet werden – das ließen auch die wasserschutzrechtlichen Auflagen zu. „Wer im Wald spritzt und düngt, hat sowieso irgendetwas falsch gemacht“, findet Kern. Außerdem versorge Brunnthal mit seinen Brunnen auch den Sauerlacher Ortsteil Walchstatt mit Trinkwasser. Den Aufschrei der Sauerlacher bezeichnet er als populistisch. Kern: „Ich finde das nicht nur unanständig, das ärgert mich auch.“

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