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Für die Landwirtschaft hat sich Milchbauer Martin Stadler aus Peiß entschieden.

Sinkende Preise für viele Produkte

Bauern: „Historisch schlechte Bedingungen“

Arget – Sinkender Milchpreis, fehlende Wertschätzung  für Fleisch, Brot und Co: Ihrem Ärger haben die Bauern Luft gemacht - und klar gestellt, dass es ums Überleben geht.

Über „historisch schlechte Bedingungen“ für Landwirte sprach Kreisobmann Anton Stürzer auf der Gebietsversammlung des Bayerischen Bauernverbands (BBV) in Arget. Eingeladen waren Vertreter der Ortsverbände Baierbrunn, Eichenhausen, Helfendorf, Neufahrn, Oberbiberg, Peiß, Sauerlach und Schäftlarn.  „Für unsere Ware kriegen wir nix – und das bei steigenden Betriebskosten“, klagte Stürzer über die Gesamtsituation der bayrischen Bauern. 

Das Paradoxon: „Die Verbraucher wollen hochwertige, sichere Lebensmittel, eine besondere Beachtung des Tierschutzes, und das alles im Einklang mit der Natur.“ Bezahlen wolle aber niemand dafür. 

Die Konsequenz sei, dass immer mehr Landwirte aufgeben müssten, gerade die kleineren Höfe treffe es hart. Bundesweit hat sich die Zahl der Betriebe von rund 1, 65 Millionen im Jahr 1950 auf 286 800 in 2014 reduziert. „Essen ist doch das Wichtigste, aber in Deutschland wird im europäischen Vergleich am wenigsten dafür ausgegeben“, kritisierte Stürzer. „Von einem Euro, den Verbraucher für Essen ausgeben, erhält die Landwirtschaft heute nur 23,3 Cent.“ Dies sei der Schnitt, der durch höhere Erlöse bei Milch- und Milcherzeugnissen sowie Eiern entstehe. Für Brotgetreideerzeugnisse und Kartoffeln sehe es noch schlechter aus. 

Fünf bis zehn Prozent der bayrischen Betriebe arbeiteten am Einkommensminimum, verdeutlichte der Kreisobmann. Von „brutal schlechten Betriebsergebnissen“ berichtete er. „Nur weil die ganze Familie eingespannt wird, können manche Betriebe überleben.“ Eine der Hauptursachen sieht Stürzer in dem enormen Preisdruck, dem die Bauern ausgesetzt sind.

„Wir hatten wider Erwarten drei Super-Ernten hintereinander, dies führte zu einem Überangebot.“ Das mache die Landwirte aber zum Spielball der Verarbeiter. Ein weiterer Grund: Lebensmittel würden an den Börsen noch immer als Rohstoffe gehandelt, und die seien derzeit spottbillig, wie die Preise von Heizöl und Diesel zeigen. Trotzdem werde im Laden nichts billiger. „Handel und Verarbeiter profitieren, die Landwirte nicht.“ Sie seien das letzte Glied in der Kette. 

„Jetzt ist knallhart die Politik gefragt“, forderte der Kreisobmann. Auch Hans Bauer, Vorsitzender der Bayern MeG und Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Altötting-Mühldorf, hatte für die etwa 40 Landwirte im Gasthof Schmuck keine gute Botschaft: Der Milchpreis befinde sich seit dem vergangenen halben Jahr im freien Fall. Bei 28 bis 31 Cent liegt er deutschlandweit. Das bis Mitte 2016 verlängerte Russland-Embargo verschärfe die Lage – wie auch die knallharte Preispolitik des Einzelhandels und der Discounter. Etwa 33 000 Milchbauern in Bayern sind betroffen. 

Kathrin Kohnke

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