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Der Ausschnitt aus einem Überwachungsvideo zeigt, wie der junge Mann beinahe vom Zug überfahren wird.

S-Bahn-Unfall: "Das Risiko wird völlig unterschätzt"

Unterhaching - Das Mädchen, das am Freitag in Unterhaching beim Überqueren der Gleise von einer S-Bahn erfasst wurde, ist auf dem Weg der Besserung. Wie lassen sich solche Unglücke vermeiden? In Großbritannien greift man zu drastischen Mitteln.

Kaum zu glauben, aber wahr – es gibt sie, die Mutproben unter Jugendlichen: Wer als Letzter vor dem einfahrenden Zug vom Gleis springt, gewinnt. Berti Habelt von der Bahnpolizei München hat dies in seiner Laufbahn nicht nur einmal erlebt.

Viel häufiger als solche Extremfälle sei aber der „ganz normale“ Leichtsinn an Bahnsteigen und beim Überqueren von Gleisen – wie auch im Falle der Unterhachinger Schülerin, die nach aktuellen Informationen der Bundespolizei nicht 14, sondern 15 Jahre alt ist. „Egal ob man am Bahnsteig Walkman hört, Gameboy spielt oder den Weg über die Gleise abkürzt, das alles ist lebensgefährlich!“, warnt Habelt eindringlich. Auch Handys sieht er als potenzielle Gefahrenquelle: „Im aktuellen Fall war das Mädchen in ein Telefonat vertieft und wahrscheinlich vollkommen abgelenkt“, vermutet er.

Größte Gefahrenquelle ist laut Berti Habelt aber, dass die Risiken und Gefahren teilweise vollkommen unterschätzen würden: „Die meisten denken, dass sie es sehen oder hören, wenn sich ein Zug nähert.“ Stehe aber der Wind ungünstig oder sei man abgelenkt, bemerke man einen einfahrenden ICE unter Umständen erst, wenn es schon zu spät ist. Zudem werde der Bremsweg der Züge oft unterschätzt. Der liegt durchschnittlich bei einem Kilometer, so eine Sprecherin der S-Bahn, die ebenfalls an die Vernunft der Bürger appelliert: „Auch wenn man nur mal schnell über die Gleise abkürzt – man begibt sich in Lebensgefahr!“

Schock-Video: Zug reißt Mann Schuh vom Fuß

Sehen Sie das Video

Network Rail, ein staatliches Bahnunternehmen in Großbritannien, hat sich eine besonders schockierende Methode der Prävention überlegt: Es wurde eine Kampagne gestartet, die innerhalb weniger Tage über das Internet in der ganzen Welt verbreitet wurde. Auf einem Video ist ein junger Mann zu sehen, der locker über die Absperrungen am Bahngleis springt. Dann schlendert er über die Gleise. In diesem Moment rast ein Zug auf ihn zu. Er springt nach vorne - doch die Lok reißt ihm den Turnschuh vom Fuß. Der Mann überlebt. Doch um ein Haar hätte ihn seine Leichtsinnigkeit um sein Leben gebracht. Seine Begründung nach dem Vorfall: "Ich musste zur Arbeit."

Auch die Bundespolizei leistet Präventionsarbeit, damit solche Unfälle erst gar nicht passieren - an Schulen und in Kindergärten etwa: Bei kleineren Kindern mit einem extra dafür entwickelten Theaterstück, bei Jugendlichen durch ein Projekt, das freiwillige Schüler als Multiplikatoren für richtiges Verhalten im Gleisbereich trainiert. „Die Präventivarbeit zeigt eine gewisse Zeit Wirkung – dann müssen wir wieder von vorne beginnen“, bedauert der Polizeisprecher jedoch. Er appelliert deshalb auch an die Vorbildfunktion der Eltern. Über die Bahngleise gehen sollte für diese ein absolutes Tabu sein: „Leider sind auch viele Erwachsene leichtsinnig.“

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