Gut behütet sollen die Kinder am Gymnasium sein: Weil der Containerbau in Höhenkirchen-Siegertsbrunn aber schadstoffbelastet ist, müssen 700 Schüler ab September wohl in Ausweichquartieren unterrichtet werden. Foto: robert Brouczek (Archiv)

Schadstoffe: Suche nach neuen Klassenzimmern

Höhenkirchen - An der Sanierung des schadstoffbelasteten Containerbaus des Gymnasiums führt kein Weg vorbei - zumal nun auch noch bedenkliche Dämmwolle im Spiel ist.

Eltern und Kritiker haben es befürchtet: An der Sanierung des schadstoffbelasteten Containerbaus des Höhenkirchner Gymnasiums führt kein Weg vorbei - zumal nun auch noch bedenkliche Dämmwolle im Spiel ist. Der Zweckverband sucht fieberhaft nach Ausweichmöglichkeiten für rund 700 Schüler.

Nach Auswertung der Proben aus Boden und Wänden der Containerklassenzimmer am Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist klar: Das Gebäude ist derart belastet, dass die Schüler erst nach einer Sanierung dorthin zurück können. Weil unklar ist, ob die Arbeiten bis Schuljahresbeginn vollständig erfolgen können, erwägt der Zweckverband Staatliche Schulen im Südosten des Landkreises München verschiedene Ausweichmöglichkeiten für die rund 700 Schüler, die in Containern untergebracht sind.

Am wahrscheinlichsten scheint derzeit diese Interimslösung: Ab September wird das Hauptgebäude, das für rund 1000 Jugendliche ausgelegt ist, voll ausgelastet. Gleichzeitig soll der Neubautrakt des Gymnasiums Neubiberg vorzeitig in Betrieb genommen werden. Fachräume könnten die Schüler möglicherweise am Gymnasium Ottobrunn nutzen.

Ferner ist die Erich-Kästner-Grundschule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn als Notquartier im Gespräch. Welche Schüler weichen müssen, ist noch offen. Bis dato lernen in den Containerklassenzimmern primär die Fünft- bis Siebtklässler.

Der Gutachter Peter Aschendorf hatte die Proben aus Boden und Wänden genommen, nachdem er in den vergangenen Monaten bei Messungen der Raumluft in dem Nebengebäude erhöhte Werte von Formaldehyd und „flüchtigen organischen Verbindungen“, kurz TVOC, festgestellt hatte. Für mindestens eine der krebserregenden Chemikalien glaubt Aschendorf nun die Ursache gefunden zu haben.

Wie Zweckverbandsvorsitzender Thomas Loderer mitteilte, ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein Klebstoff im PVC-Boden der Container für die erhöhte TVOC-Konzentration verantwortlich. Bei der jüngsten Raumluftmessung Anfang des Monats lag sie in allen 13 Zimmern, für die die Ergebnisse derzeit vorliegen, über dem Richtwert von 300 Mikrogramm pro Kubikmeter. Bei der Suche nach dem Herd der Formaldehydbelastung, die zuletzt in sechs Räumen über dem Richtwert lag, tappt Gutachter Aschendorf weiter im Dunkeln. Der Verdacht, Feuchtigkeit hätte die Chemikalie aus den Pressspanwänden des Containers frei gesetzt, erhärtete sich nicht.

Im Zuge der Sanierung muss zunächst der alte PVC-Boden raus. Dann soll der Kleber so weit wie möglich entfernt und dessen Reste mit einer Spezialfolie abgedichtet werden. Die TVOC-Gefahr wäre damit wohl gebannt. An die Folie knüpft Loderer außerdem eine zweite Hoffnung: Für den Fall, dass das Formaldehyd aus den Pressspanplatten des Bodens austritt, bekäme der Zweckverband mit einem Schlag auch dieses Problem in den Griff.

Ein anderes Problem hingegen hat die Entnahme der Materialproben erst zutage gefördert. Denn die Mineralwolle zur Dämmung an Bodenaufbau und Flurwänden scheint ebenfalls bedenklich. Gemäß der gängigen Einstufung für künstliche Mineralfasern gilt sie als Stoff, „der als krebserregend für den Menschen angesehen werden sollte“. Seit dem Jahr 2000 darf die Mineralwolle in Deutschland offiziell nicht mehr verbaut werden. (mcf)

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