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Verkehrsbelastung

B 11-Sperrung zerrt an den Nerven

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Schäftlarn - Mittlerweile seit rund sechs Wochen ist die Ortsdurchfahrt Hohenschäftlarn wegen Sanierungs- und Umbauarbeiten gesperrt – eine Situation, die so noch bis zum November bestehen bleiben wird. Ärger gibt’s mit uneinsichtigen Autofahrern.

Langsam senkt sich die Baggerschaufel und schiebt den Untergrund zur Seite. „Wir sind gerade dabei, abschnittsweise den Untergrund auszutauschen“, erklärt Bauplaner Klaus Traudisch. Der Grund dafür ist eine Teerbelastung. „Also wird das Material abgetragen, zum Lagerplatz gebracht, beprobt und dann wird entschieden, wo es entsorgt wird.“ 

Für Außenstehende gleicht das schon fast einer Sisyphosarbeit: Ausbaggern, verfüllen, verdichten, das nächste Stück ausbaggern, verfüllen und wieder verdichten. Traudisch muss lachen. „Würden wir es offen lassen, könnten die Anlieger ihre Häuser nicht erreichen und auch eine Durchfahrt zu den Geschäften wäre unmöglich.“ Der Bauplaner deutet auf eine neongelbe Markierung auf den Boden. Zusammen mit seiner Frau Sybille und Heinrich Wölfl, Facharbeiter bei der Strabag, ist er soeben dabei, das nächste Arbeitsfeld abzustecken. „Mit Eisenstangen im Boden wird markiert, innerhalb welchen Bereichs und bis zu welcher Tiefe der Boden ausgetauscht wird. Wenn das geschehen ist, wird noch mal abgesteckt – nur dann wegen des Randsteins.“ Großes Lob zollen Wölfl und Traudisch den Anwohnern. „Die sind einfach super.“ Weniger super findet das Duo Autofahrer, die sich durch nichts aufhalten lassen, und teilweise mit Geschwindigkeiten „dass es einem graust“ durch die Baustelle rasen – Beschimpfungen inklusive. Ein paar Mal hat die Polizei auf Bitten der Arbeiter schon einschreiten müssen, zu groß war die Uneinsichtigkeit der Fahrzeuglenker. 

Eine Uneinsichtigkeit, die auch Christine Kneißl erbost. Die Betriebswirtin ist Anwohnerin der Bundesstraße. „Es ist unglaublich, welche Schleichwege die Autofahrer ausprobieren, über die Baustelle, quer durch den Wald – jeder Trampelpfad wird ausprobiert, ob da nicht doch was geht.“ Kneißl zeigt Verständnis für die Bauarbeiter, die sich nur noch zu helfen wussten, indem sie eine Weiterfahrt mittels Kieshaufen unterbanden. „Was sollen sie den machen? Irgendwie müssen sie ja fertig werden. Dass hier eine Vollsperrung ist, war doch von vorneherein bekannt.“ Was die Schäftlarnerin auch nicht verstehen kann, sind die Reaktionen aus Baierbrunn (wir berichteten). „Wenn sie sich mal mit unserer Gemeinde zusammen an einen Tisch gesetzt hätten, gäbe es vielleicht schon eine Umgehungsstraße. Aber nein, Schäftlarn muss das jetzt alleine schultern, um eine Verkehrsentlastung zu bekommen.“ 

Verkehrsprobleme der anderen Art hatten anfangs die Mitarbeiter der Seniorentagesstätte und dem ambulanten Pflegedienst „Herbstbaum“. Tagsüber halten sich im Schnitt 14 Senioren in den Räumen der Einrichtung an der Münchner Straße 53 auf, Senioren, die geholt und gebracht werden müssen. „Zum Glück haben wir von der Gemeinde die Erlaubnis bekommen, den Weg durch den Wald zu nutzen“, lobt Alwin Sainovic. Nichtsdestotrotz müssen aber auch rund 50 Pflegepatienten betreut werden. „Vielen muss Insulin gespritzt werden“, erklärt Manuela Hintermann. „Und die Adressen unserer zu Pflegenden beschränken sich nicht nur auf Schäftlarn, sondern sind auch in Baierbrunn und Solln.“ Ebenfalls ist Eile geboten, wenn etwa wegen Unterzucker ein Patient aus der Nachbargemeinde die Notruftaste drückt. Doch die beiden können der Baustelle auch ihre guten Seiten abgewinnen. Die Besucher der Tagesstätte interessieren sich nämlich sehr für die Tätigkeiten vor ihrer Tür. Hintermann: „Ganz besonders unsere Senioren stehen gerne mal draußen und schauen, was gerade passiert.“ Die 35-Jährige lacht. „Männerspielplatz eben.“ 

Nicht zum Lachen zumute ist Maria Aigner aus der Bäckerei Ratschiller. „Uns fehlt einfach die Kundschaft.“ Mittlerweile sind die täglichen Öffnungszeiten und die Angebotsmenge reduziert worden. Auch die Gäste, die sich gerne auf einen Kaffee hier aufgehalten haben, sind mehr als nur überschaubar. Aigner würde sich wünschen, dass zumindest am Wochenende, wenn auf der Baustelle nichts getan wird, diese für den Verkehr geöffnet würde. Aber: „Wir halten durch. Soviel ist sicher.“ Apropos Bauarbeitszeiten: Diese beginnen wochentags um 6.30 Uhr und enden um 20 Uhr. Dennoch denken viele, dass ab Donnerstagabend nichts mehr getan wird. „Das stimmt aber nicht“, widerspricht Traudisch diesem Gerücht. „Freitags wird Baumaterial abgeholt und gebracht, damit es am Montag sofort und ohne Verzögerung weitergehen kann.“

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