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Miete während Corona dreimal erhöht: Bäckerei und Metzgerei hören auf – „Werden weinen, wenn wir rausgehen“

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Von: Andrea Kästle

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Sie haben das Miteinander in ihrem Laden geschätzt: Ramona Kastenmüller und Daniela und Ingo Ruber.
Sie haben das Miteinander in ihrem Laden geschätzt: Ramona Kastenmüller und Daniela und Ingo Ruber. © Andrea Kästle

Seit 13 Jahren gibt es den ungewöhnlichen Laden an der Professor-Benjamin-Allee in Ebenhausen. Eine Kombi aus Metzgerei, Bäckerei und Café. Aber jetzt müssen die Betreiber raus aus ihrem Geschäft, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können.

Ebenhausen - Aber jetzt nicht mehr lang. An Weihnachten gehen beide Mieter raus aus der Immobilie, die dem Kloster Schäftlarn gehört – und fangen in neuen Räumen im Ort neu an, allerdings getrennt voneinander.

Kloster als Eigentümer erhöht Miete stetig – auch während Corona

Grund dafür, dass sich sowohl Metzger Ingo Ruber als auch Romana Kastenmüller, Inhaberin der Bäckerei, Ausweichquartiere gesucht haben, sind schon zum einen die regelmäßigen Mieterhöhungen, seit das Kloster den Laden vererbt bekommen hat von Hermann Schmidt, einem Gläubigen, der nach Österreich gezogen war.

Allein während Corona sei dreimal die Miete nach oben gegangen, sagt Ramona Kastenmüller, man habe das gar nicht verstanden. Denn woanders fragten Vermieter bei ihren Mietern nach, ob es ihnen helfen würde, wenn man ihnen ein wenig von den laufenden Kosten erspare. Ruber drückt sich noch ein wenig deutlicher aus: „Das ist doch auch eine Frage des Gewissens.“

Metzger Ruber: Überlegungen für ein zweites Standbein

Doch die gestiegenen Kosten waren nicht der einzige Grund. Ingo Ruber hatte Anfang 2022 begonnen, darüber nachzudenken, ob es nicht was für ihn wäre, die Gastronomie im Sport- und Bürgerzentrum Baierbrunn zu übernehmen, die die Gemeinde dort wiederbeleben will. Die Verhandlungen aber zogen sich, erzählt er. Irgendwann war klar, dass das Ganze nichts werden würde, aber zu dem Zeitpunkt hatte er sich innerlich auch schon abgenabelt aus der Geschäftsgemeinschaft mit Kastenmüller. Und für sie wiederum, Ramona Kastenmüller, war klar, dass sie die Miete allein nie würde stemmen können.

Ungewöhnliche Konstellation in Ebenhausen: Miteinander, von dem jeder profitiert hat

Beim Gespräch mit dem Münchner Merkur sitzen alle an den gerade leeren Tischen im Café, an der Wand ein Christbaum, bunt und glänzend geschmückt, auf den Tischen ebenfalls Weihnachtsdeko. Gegenüber ein Kartenständer, eine Auslage mit Kuverts in allen Größen, die Bäckerei hat auch noch einen Postschalter integriert. Alles zusammen sei bestens gelaufen, sagen die zwei jetzt, man habe natürlich davon profitiert, dass jeder seine Stammkunden hatte, die dann auch mal ins Sortiment des Kollegen reinschauten. Heißt: Leute, die nur schnell ein wenig Schinken fürs Abendessen holen wollten, nahmen dann vielleicht auch gleich ein Brot mit. Und umgekehrt.

Ramona Kastenmüller klopft Ingo Ruber im weißen Kittel, der immer wieder aufspringt, um ans Telefon zu gehen, auf die Schulter. „Wir werden beide weinen, wenn wir hier rausgehen“, sagt sie, und: „Es ist nicht leicht, auseinanderzugehen.“ Es sei alles „hervorragend gelaufen“, meint er. Die Bäckerei war schon zwei Jahre in den 200 Quadratmeter großen Räumen, ehe er die Wurst- und Brotzeittheke aufbaute. Die Kunden hätten den Synergieeffekt, den das Miteinander im Laden hat, auch sehr zu schätzen gewusst. „Die meisten haben uns das bestätigt“, sagt Kastenmüller.

Gespräche bringen nur kurzzeitig Besserung

2700 Euro warm hat sie im Monat gezahlt, als sie hier eingezogen ist vor inzwischen 15 Jahren. Mittlerweile liegt die Warmmiete bei 3200 Euro. Natürlich habe man mal mit der Klosterverwaltung gesprochen. Dann seien ihr drei Monate Nebenkosten erst mal erlassen worden, die musste sie später nachzahlen. Während Corona hatten beide Geschäfte durchgehend offen, nur das Café musste dichtmachen.

Ebenhausen: Neuanfang an neuen Standorten

Bis zum 24. Dezember wird auf jeden Fall die Bäckerei offenhaben, Metzger Ruber will ab Mitte Dezember das Angebot hier auslaufen lassen. Er macht am Montag nach Heiligdreikönig wieder auf – und zwar im ehemaligen Bioladen von Ebenhausen neben der Apotheke.

Derweil wird die Bäckerei keine Schließtage haben wegen des Umzugs, „wir müssen die Post ohne Unterbrechung weiterführen“, erklärt Kastenmüller. Ihre neue Adresse ist der alte Fischladen in der Geschäftszeile an der Wolfratshauser Straße schräg gegenüber. Dort stehen ihr 120 Quadratmeter zur Verfügung, die Miete ist mit 1400 Euro bezahlbar.

Brot wird sie aber nicht mehr verkaufen, das lohne sich auf die Dauer nicht. Es wird Gebäck, Kuchen, Torten vom Höflinger geben, der Post-Service bleibt auch erhalten. Ansonsten wollen beide in ihren neuen Räumen auch wieder einen kleinen Cafébetrieb etablieren. Ob sie sich dann keine Konkurrenz machen? Sie schauen sich an, sie lächeln, sie sagen: „Auf keinen Fall.“

Klosterverwaltung will keine Stellung nehmen

Die Kloster-Verwaltung war zu einer Stellungnahme nicht bereit, man habe, meinte Stefan Rührgartner am Telefon, Leiter der Klosterverwaltung, schlechte Erfahrungen mit der Presse gemacht.

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