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Rund 300 Schäftlarner kamen ist TSV-Heim, um zu erfahren, was auf die Gemeinde mit der Unterbringung der Flüchtlinge zukommen wird.

Infoveranstaltung

130 Flüchtlinge ziehen in das ehemalige Knott-Gebäude

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Schäftlarn -  Voraussichtlich im August sollen 130 Flüchtlinge das ehemalige Knott-Gebäude an der Münchner Straße/Benediktstraße beziehen. Rund 300 Schäftlarner folgten der Einladung der Gemeinde zu einem Informationsaustausch im TSV-Heim.

„Geplant ist, eine Bleibe für Familien zu schaffen“, betont Katrin Wischnitzki vom Landratsamt München, das das bis dato leerstehende ehemalige Bürogebäude für eine Dauer von zehn Jahren anmieten möchte. Das Souterrain soll als Gemeinschaftsraum beispielsweise für Deutschunterricht genutzt, die Familien selbst in Wohneinheiten mit Gemeinschaftsküchen untergebracht werden. Der Haupteingang wird von der Benediktstraße an die Münchner Straße verlegt.

Wer und wieviele Flüchtlinge nach Schäftlarn und in den Landkreis noch kommen werden, das kann keiner sagen. Das Landratsamt steht vor der Herausforderung, die täglich ankommenden Asylbewerber unterzubringen. „87 Personen stehen bei uns pro Woche vor der Tür“, berichtet die Stellvertretende Landrätin und Pullacher Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund. „Bis Ende 2016 rechnen wir mit 9000 Personen.“ Laut dem Königssteiner Schlüssel, der die Verteilung regelt, entfallen auf Schäftlarn 151 Asylsuchende. „Mit den bereits hier lebenden und dem Knott-Gebäude wäre das Soll erfüllt“, sagte Tausendfreund.

Im Gebäude werden „rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche zwei Objektbetreuer vor Ort sein. Außerdem wird es eine Sozialbetreuung geben. „Wir hoffen auch auf die Helferkreise, um eine schnellstmögliche Integration zu erreichen“, sagte Katrin Wischnitzki. Wo viele Menschen zusammenleben, sind Konflikte vorprogrammiert, daraus macht Reinhard Gebhardt vom Helferkreis in Icking kein Hehl. „Besonders bei der Turnhallenunterbringung ist das nicht zu vermeiden.“ 70 Personen verschiedener Nationalitäten leben hier auf engstem Raum, nur durch ein paar Stellwände voneinander getrennt. In Icking sind ununterbrochen vier Sicherheitskräfte anwesend, sorgen für Ordnung und stehen den Asylsuchenden bei Alltagsfragen („Ich sage nur Sitztoilette oder Mülltrennung“) zur Seite. „Und geht es gar nicht anders“, bestätigt Wischnitzki, „werden die Problemverursacher woanders hin verlegt.“ Miteinander reden und klare Vorgaben seien das Wichtigste, betonen Gebhardt und Ingrid Rühmer vom Schäftlarner Helferkreis. Nur so würden sich Probleme vermeiden lassen.

Ingrid Rühmer betreut zusammen mit 25 weiteren Helfern acht Familien, die auf das Haus in der Münchner Straße und Einrichtungen der beiden Kirchen verteilt sind. „Wir bezeichnen unsere Flüchtlinge als Gäste und Gäste haben auch Gäste- Pflichten.“ Doch die Ankömmlinge sind mehr als lernwillig, interessieren sich für die Gemeinde, stellen Fragen zum Zusammenleben mit den Einheimischen. „In Rollenspielen üben wir, wie man beispielsweise andere anspricht.“

Auch die Kinder der Asylsuchenden sind schulpflichtig. „Das betrifft in Schäftlarn die Grundschule und bei uns die Mittelschule“, berichtet Susanna Tausendfreund. In ihrer Gemeinde Pullach ist bereits eine Übergangsklasse eingerichtet worden, eine zweite ist in Planung. „Engpässe gibt es nur bei den Räumen, da muss die Gemeinde handeln. Es ist eine Herausforderung, aber nicht unüberwindbar. Doch gerade Schulen sind der Schlüssel zur Integration.“ Tausendfreund bittet um Verständnis: „Versuchen Sie die 130 nicht als Zahl zu sehen – dahinter stehen Menschen, und als solche sollten wir ihnen begegnen.“

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