Eine neue Heimat für Flüchtlinge: das ehemalige Koppermann-Gebäude in Schäftlarn. Foto: sh

„Gefühlte Nachbarn“ gegen Asylbewerber

Schäftlarn - Im ehemaligen Koppermann-Gebäude in Schäftlarn sollen 25 Asylbewerber eine neue Heimat finden. Das missfällt einigen Anwohnern.

Die Benediktinerabtei Schäftlarn hatte als Eigentümerin des Gebäudes an der Münchner Straße 3 den Antrag gestellt, eine Nutzung als Wohngebäude zuzulassen, um hier Flüchtlinge unterkommen zu lassen. Doch schon ein Blick auf die vielen Zuhörer ließ ahnen, dass dieser Tagesordnungspunkt große Emotionen hervorrief. In dem seit Jahren leer stehenden Anwesen war das Büro der Firma Koppermann inklusive einer Wohneinheit untergebracht. Davor wurde das am Hang stehende Gebäude als Kinderheim genutzt. „Nun will das Landratsamt das Haus von der Abtei als Unterkunft für rund 25 Asylanten anmieten“, erklärte Bürgermeister Matthias Ruhdorfer (CSU). „Rechtlich spricht nichts dagegen.“

Bevor die Flüchtlinge einziehen können, müssen noch ein oder zwei kleinere Umbauten vorgenommen werden. Unterm Strich rechnet Ruhdorfer aber damit, dass „in zwei bis vier Monaten die ersten Asylbewerber hier wohnen können“.

„Wir können also noch rechtzeitig verkaufen, bevor die kommen?“ rief eine Anwohnerin dazwischen. Ihre Bemerkung rief verständnisloses Kopfschütteln im gesamten Gremium hervor. „In der Regel sind das Menschen, die ein schweres Schicksal hinter sich haben“, warb Ruhdorfer um Verständnis. „Wir sollten ihnen helfen, sich hier zu integrieren, aber auch versuchen, die Sorgen der Nachbarn abzubauen.“

Doch auch das konnte die Anwohnerin nicht beruhigen: „Uns 25 Personen einfach vor die Nase zu setzten, das ist schon ein dicker Happen.“ Jetzt konnte sich Christian Lankes (Grüne) nicht mehr zurückhalten. „Hallo? Gehts noch?“ fragte der Politiker sichtlich verärgert. „Was fallen denn hier für Worte?“

Die Anwohner aber bemängelten die Informationspolitik der Behörden. „Die direkten Nachbarn haben alle die Unterlagen bekommen. Baurechtlich gesehen, sind Sie aber keine direkten Anwohner“, konterte Ruhdorfer. Dennoch versprach der Rathauschef, sich mit dem Landratsamt in Verbindung zu setzen, um auch den „gefühlten Nachbarn“ Unterlagen zukommen zu lassen. Zudem wird es am Dienstag, 1. April, eine Informationsveranstaltung zum Thema „Asylbewerber in Schäftlarn“ geben.

Sinn der Veranstaltung soll laut Ruhdorfer unter anderem sein: „Weitere Vorbehalte abzubauen und eine akzeptable Situation für alle zu schaffen.“ Ohne weitere Diskussion entschieden sich die Gemeinderäte einstimmig, die Nutzungsänderung zuzulassen. Einzige Auflage ist nur, einen dritten Stellplatz zu schaffen.

Sabine Hermsdorf

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