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Sophie von Lenthe (l.) mit Mitarbeiterin Vera Henn vor der geschlossenen Buchhandlung Isartal in Schäftlarn. 

Läden zu, aber trotzdem einiges zu tun

Buchhandlungen in der Corona-Krise: Lesestoff gefragt wie zur Weihnachtszeit

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Seit  Mittwoch haben die Buchhandlungen im Landkreis geschlossen – trotzdem sind sie jetzt besonders gefordert.

Auch wenn die Läden zu sind - alle Buchhändler im Süden und Norden von München nehmen weiterhin gern Bestellungen entgegen. Und liefern teils die Lektüre dann persönlich per Fahrradkurier aus.

„Wir erleben eine wahnsinnige Solidarität“, freute sich gestern Sophie von Lenthe von der Buchhandlung Isartal am Telefon, sie fügte an: „Da kommen Dir die Tränen.“ In den letzten Tagen seien bei ihr und den Kolleginnen „unglaublich viele Bestellungen“ eingegangen – die jetzt aber eben den Kunden nicht mehr einfach über die Ladentheke gereicht werden können. Sondern die alle ausgeliefert werden müssen. „Wir haben doppelt soviel Arbeit.“

Wo man sich im Moment in der Branche auch umhört – man erfährt überall ähnliches: Die Buchhändler berichten davon, dass, ehe sie ein „Geschlossen“-Schild an ihre Tür hängen mussten, es in den Läden nochmal zugegangen sei wie sonst nur vor Weihnachten. „Die Leute haben sich vorsorglich noch mit Lektüre eingedeckt, es wurde vor allem auch für Kinder viel gekauft. Da gingen am besten dicke Schmöker“, erzählt Ingrid Hartmann von der Buchhandlung Kempter. Auch deren Filialen in Ottobrunn, Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Deisenhofen sind zum einen freilich online erreichbar, was bestellt wird, geht schnellstmöglich in die Post. Zum anderen sind zusätzlich jeweils bis 12 Uhr auch die Telefone in den Zweigstellen besetzt. „Soweit möglich, beraten wir noch.“

Verzögerte Lieferungen

Das wiederum ist auch bei der Buchhandlung Isartal der Fall – und zwar sogar jeweils rund um die Uhr, bis 18 Uhr. „Ich weiß nicht“, meint Sophie von Lenthe, „wie lang wir das durchhalten können“. Sorgen macht ihr vor allem, dass die Großhändler durchblicken haben lassen, dass sie die Kleinen der Branche auf Dauer unter Umständen nicht mehr über Nacht beliefern werden. „Es kann sein, dass sich die Lieferungen bei uns irgendwann verzögern“, meint sie, sie fügt an: „Aber wir geben uns Mühe.“

Auf drei Kanälen werden die Kunden in Pullach und Schäftlarn momentan bedient. Manche bekommen den bestellen Lesestoff per Post, andere, die online ordern und über Paypal zahlen, werden wiederum von einem Versandservice beschickt. Und wer im Ort wohnt, wird netterweise per Radlkurier beliefert, da klingelt dann die Buchhandlung Isartal an der Wohnungs- oder Haustür. „Auf unserer Homepage wird alles genau erklärt.“

Kurzarbeit unumgänglich

Derweil fürchten aber die Betroffenen freilich alle auch schlicht um ihre Existenz. Bei der Buchhandlung Isartal arbeiten acht, neun festangestellte Buchhändlerinnen, von Lenthe beantragt für sie demnächst Kurzarbeit. Trotzdem ist nicht klar, wie sie aus der Krise hervorgehen wird, sie sagt: „Ich war immer stolz drauf, dass wir schuldenfrei sind.“ Völlig eingebrochen ist momentan auch das Geschäft mit dem netten Schnickschnack für zuhause, dem sie in beiden Läden gar nicht so kleine Nischen eingeräumt hat. „Ich werde von den Sachen jetzt manches in die Schaufenster stellen, Ostern kommt ja, Corona hin oder her“, meint sie.

Letztlich kann sie ihre Kunden nur noch drauf hinweisen, dass der stationäre Buchhandel im Moment, was die Flexibilität angeht, die Möglichkeit, auf die Wünsche der Kunden einzugehen, dem Riesen Amazon weit überlegen ist. Denn der marktführende Online-Versandhandel setzt derzeit ganz andere Prioritäten – Bücher werden nicht bevorzugt verschickt. Was heißt: Wer bei Amazon bestellt, muss unter Umständen eine Weile warten. „Wir können schneller und individueller reagieren“, meint Sophie von Lenthe.

Lesetipps von den Buchexperten

Lesetrends in der Krise kann sie übrigens noch keine ausmachen. Schulbücher für Kinder würden gerade ebenso gut gehen wie reichhaltiges Lesefutter. Sie selbst empfiehlt den Kunden zum kurzfristigen Verschwinden aus dem Alltag „Die Bagage“ von Monika Helfer. Erzählt wird darin die Geschichte einer Frau, die in prekären Verhältnissen am Rand eines Dorfes in Südtirol lebt – und an die sich, als ihr Mann eingezogen wird im Ersten Weltkrieg, jetzt plötzlich die anderen Männer aus dem Ort heranzumachen versuchen.

Derweil legt Ingrid Hartmann ihren Lesern „Sweet Sorrow“ ans Herz von David Nicholls, der auch den Bestseller „Zwei an einem Tag“ geschrieben hat. Thema ist hier die erste große Liebe, an die sich ein älterer Mann wehmütig erinnert. „Das Buch ist amüsant und herzerwärmend, es liest sich süffig“, so das Urteil der Expertin.

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