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Christian Rühmer zu Besuch in „seiner“ Schule.

Christian Rühmer mit Wurzeln in Schäftlarn steckt viel Geld in ein bolivianisches Sozialprojekt

Der gute Mensch aus New York

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Vor 18 Jahren hatte Christian Rühmer drei Monate Zeit und  eine Summe Geld übrig. Er wollte ein Sozialprojekt auf die Beine stellen. Heuer hat seine Bildungs- und Gesundheitsinitiative „Proyecto Horizonte“ Ushpa-Ushpa in Bolivien 15. Geburtstag gefeiert.

Schäftlarn/Bolivien– Ushpa-Ushpa – das heißt Asche-Asche. In dem Ort leben rund 20 000 Menschen, er liegt südöstlich der Stadt Cochabamba. In den Bergen, auf rund 2500 Metern Höhe. Die Ärmsten der Armen, die vom Land hierherkommen in der Hoffnung auf ein besseres Leben, kleben sich hier einfachste Hütten aus Wellblech und Pappe in die Hänge. Hier hat Christian Rühmer zuerst einen Kindergarten errichtet, dann eine Schule dazu gebaut, schließlich ein Gesundheitszentrum gegründet. All diese Einrichtungen tragen sich inzwischen selbst, beziehungsweise werden vom Staat finanziert. Was Rühmer nebenher noch immer selbst und mit Hilfe von Spendern betreibt, ist eine Betreuung auch außerhalb des Unterrichts für Kinder mit besonderem Förderbedarf.

Christian Rühmer, 49, ist einer der beiden Söhne des Schäftlarner Altbürgermeisters Erich Rühmer. Er erzählt seine Geschichte ziemlich schnell, ohne jede Eitelkeit. Inzwischen lebt er nicht mehr in Deutschland, sondern in New York, mit seiner Familie. Er sagt: Einfach mal bei Facebook den „Like“-Button zu drücken, um das Gefühl zu bekommen, ein wenig beizutragen zu einer gerechteren Welt: Das habe ihm noch nie gereicht. Aber wenn er an sein Projekt denkt, dann gebe ihm das ein „hohes Maß an Befriedigung“.

In der Gegend von Bolivien, die er sich ausgesucht hat für sein Engagement, leben vorwiegend Mineros, Minenarbeiter. Die sind gewöhnt, sagt Rühmer lachend, „jedes Problem mit Dynamit zu lösen“, was heißt: dass es auch in den Familien durchaus öfters kracht. Je besser er dort anfing, sich auszukennen, desto mehr habe er auch gesehen, wo es überall hakt. Wo überall Hilfe gebraucht wird.

Den Kindergarten haben sie im November 2004 gebaut. Sehr hilfreich dabei war, dass zu der Zeit schon eine erste Hilfsorganisation in Ushpa-Ushpa betrieben worden ist. Die kirchliche Einrichtung St. Vincent de Paul gab dort regelmäßig umsonst Frühstück aus an Bedürftige. Der Kindergarten konnte daran baulich, aber quasi auch inhaltlich anschließen. Zwei Jahre später stand dann auch schon die Schule. Auch sie hatte bald einen „extrem guten Ruf“. Rühmer war eben wichtig, nicht nur die benötigten Gebäude hinzustellen, sondern er war bemüht, wirklich gutes Personal zu finden. Heute werden in „seiner“ Schule 1200 Kinder in zwei Schichten unterrichtet, jedes Jahr machen 40 bis 60 von ihnen Abitur, und wer studieren will und engagiert ist, kann über „Proyecto Horizonte“ auch ein Stipendium bekommen.

Gesundheitsstation kam dazu

Schritt drei war dann eben die Gesundheitsstation, in der dauerhaft zwei Ärzte arbeiten. „Wir haben das alles“, sagt Christian Rühmer, „zu Fuß entwickelt“. Was heißt, dass immer eins zum anderen kam, das Ganze organisch gewachsen ist, den Bedürfnissen der Leute entsprechend. „Wir haben viel gelernt und uns angepasst.“ Ziel ist am Ende ja die Hilfe zur Selbsthilfe. Die Einrichtungen sollen von den Einheimischen verwaltet werden, nicht von den Gründern aus dem Westen. So sind dann auch die weiteren Initiativen zu sehen, die mit der Zeit dazugekommen sind: der Mütterclub und das Sportprogramm. Was jedoch nicht angenommen worden ist von den Bolivianern, war ein Abendgymnasium auch für die Erwachsenen. „Die Leute haben einfach nicht eingesehen, warum auch sie noch was lernen sollten? Die Lebenserwartung dort liegt ja auch nur bei 40 bis 50 Jahren.“

In Ushpa-Ushpa ist es heute lebenswerter

Christian Rühmer sagt, inzwischen sei das Leben in Ushpa-Ushpa „lebenswerter“ geworden. Zwar gibt es dort noch immer keine Wasserversorgung, mehrmals täglich fährt der Wasserlaster die kleine Siedlung in den Bergen an. Aber: Die Menschen in der Gemeinde sind nicht mehr ganz so arm, und einige von ihnen haben gelernt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Was sich leider schnell auch an den Immobilienpreisen bemerkbar machte. Für ein Grundstück, das 2004 noch für 3000 Dollar zu haben war, zahlt man inzwischen 60 000. Weitere Arme haben sich noch weiter oben in den Hängen angesiedelt. Und Christian Rühmer ärgert sich, dass er nicht gleich 2004 ein paar Grundstücke gekauft hat. „Ich hatte einfach keine Ahnung, welche Dimensionen unser Projekt mal annimmt.“

Zusatzbetreuung für Förderkinder

75 Mitarbeiter haben Kindergarten, Schule, Gesundheitsversorgung inzwischen. Privat finanziert werden muss nur noch die Zusatz-Betreuung für die Förderkinder, die bei Bedarf auch psychologische Hilfe bekommen. 3000 Buben und Mädchen haben von diesem Programm schon profitiert, 3000 bis 4000 Dollar kostet es im Monat.

2013 hat Christian Rühmer bei seiner Bank gekündigt. Er hat sich selbstständig gemacht als Risikomanager für Banken weltweit, außerdem hat er eine Firma im Softwarebereich gegründet. Ist ständig unterwegs, letztes Jahr, erzählt er, war er umgerechnet 34 Tage am Stück in der Luft. Ein Auto hat er nicht. Er hätte sich mittlerweile einige leisten können. Aber er hat die 1,6 Millionen Dollar, die er übrig hatte, lieber in Bolivien investiert.

Wer Proyecto Horizonte unterstützen will, kann spenden an den Verein zur Förderung des Kindergartens in Ushpa-Ushpa, Raiffeisenbank Isartal, IBAN DE 5570 1695 4300 0000 7595.

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