Drei Buchen könnten an der Kreuzung zur B11 in Schäftlarn gepflanzt werden.
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Drei Buchen könnten an der Kreuzung zur B11 gepflanzt werden.

Rätsel um Linnaeus-Baum

Schäftlarn will Bäume pflanzen und alte Dorf-Tradition aufleben lassen

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Die Gemeinde Schäftlarn möchte sich dieses Jahr an der Umweltaktion „Tag des Baumes“ beteiligen und selbst zur Schaufel greifen. Bei der Diskussion um die Standortfrage kam auch die Erinnerung an eine alte Dorf-Tradition wieder auf.

Schäftlarn – Die Firma Erbersdobler hat sich verschiedene gemeindliche Flächen in Schäftlarn angeschaut, und Vorschläge gemacht, wo Bäume gepflanzt werden können. „So könnte an der Kreuzung zur B11 drei Buchen gepflanzt werden, vor dem Schreibwarengeschäft ein Kugelahorn oder an der Münchner Straße Kornelkirschen“, zählte die Verwaltung in der Sitzung des Umwelt- und Mobilitätsausschusses einen kleinen Teil der Möglichkeiten auf.

Fest zu Ehren des schwedischen Naturforschers Linné

Und dann ist da noch die Sache mit dem Linné-Baum, der bis 1862 Mittelpunkt zahlreicher Feste zu Ehren des schwedischen Naturforschers Carl von Linné (1707 bis 1778) war. Seinen Namen machte sich der Wissenschaftler, der vor seiner Erhebung in den Adelsstand als Carl Nilsson Linnaeus bekannt war, mit seinen Untersuchungen zur Systematik der Organismen. Carl Friedrich Phillipp von Martius, Naturforscher, Botaniker (1794 - 1868) und großer Bewunderer von Linné, rief das Linnaeus-Fest Ende Mai ins Leben. Linné zu Ehren wurde ein Baum gepflanzt – nur welcher? Eine Linde oder eine Eiche? Die Quellen sprechen von sowohl als auch. Der Standort jedenfalls steht fest: Vor dem Gasthof zur Post in Ebenhausen.

Mit einem Linnaeus-Baum alte Tradition aufleben lassen

Lia Schneider-Stöckl, Autorin des Buches „Ebenhausen im Isartal“, geht von einer Linde aus. Der gleichen Meinung ist Gemeindearchivar Josef Darchinger. „In alten Dorfmittelpunkten wurde gerne eine Dorflinde gepflanzt.“ Doch egal ob Linde oder Eiche, der Baum musste, nachdem er brüchig geworden war, um 1900 gefällt werden. Schneider-Stöckl: „Eine Ersatzpflanzung erfolgte, allerdings musste dieser Baum 1959 bei der Verlegung der B11 weichen.“ In dem Buch „Denker, Forscher und Entdecker – eine Geschichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in historischen Portraits“ wird das Fest mit den Worten Carl Friedrich Meissner, einem Apotheker (1792 - 1853), beschrieben: „Eine heitere Schar zog von München aus botanisierend an der Isar aufwärts nach Ebenhausen. wo in reizender, ländlicher Umgebung, im Angesicht des Hochgebirges unter oft zahlreicher Teilnahme anderweitiger Freunde ... bei der Linaeus-Eiche ein Mahl gehalten wurde, begleitet von Reden, sinnigen Trinksprüchen, poetischen Ergüssen und Scherz.“ Die Idee, wieder einen Linnaeus-Baum in der Gemeinde zu haben, begeisterte vor allem Gerd Zattler (Grüne). „Die Feste waren damals ein wirkliches Ereignis. Das könnte man wieder aufleben lassen.“  s

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