Im Wohnzimmer von Franz Samuel brennt nicht irgendein Feuer, sondern das olympische. Auch nach seinem Tod wird es wachgehalten.
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Im Wohnzimmer von Franz Samuel brennt nicht irgendein Feuer, sondern das olympische. Auch nach seinem Tod wird es wachgehalten.

Vor knapp 50 Jahren stibitzte der Schäftlarner Franz Samuel das ewige Flämmchen

Der Hüter des Olympischen Feuers ist tot

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    VonSabine Hermsdorf-Hiss
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Fast eine halbes Jahrhundert lang hat Franz Samuel das olympische Feuer in seinem Wohnzimmer gehütet. Jetzt ist er im Alter von 89 Jahren gestorben. Das Feuer brennt fort.

Schäftlarn – Das Olympische Feuer brennt seit fast 50 Jahren in Franz Samuels Haus in Hohenschäftlarn. Seit 1972 galt er als dessen Hüter. Die Flammen in einer Kristallvase muss nun seine Familie am Lodern halten. Franz Samuel verstarb Ende Juni im Alter von 89 Jahren – sein Todestag wäre gleichzeitig sein 58. Hochzeitstag gewesen.

Der große Moment während es Fackellaufs

Samuels großer Moment schlug während des Fackellaufs. Die Fackelläufer zogen auf ihrem Weg gen München durch Ebenhausen. Samuel schaffte es, sich einen Funken des olympischen Feuers während des Fackelwechsels zu „stibitzen“. Als der Gesangsverein ein Lied vorträgt und Samuel sich und die Fackel unbeobachtet fühlt, hält er einen Holzspan in das Feuer und zündet damit eine Lampe an, die er mitgebracht hatte. „Schon hatte ich das Olympische Feuer“, erinnerte er sich in den verschiedensten Presseberichten. Geboren wurde Samuel 1932 in Kottiken im Sudetenland. Wie sein älterer Bruder musste er Zwangsarbeit und Vertreibung erleben. „1947 kam die Familie nach Hohenschäftlarn“, berichtet seine Frau Inge Samuel. Er bekam eine Anstellung bei der AEG, half die zerstörte Firma wieder aufzubauen. „Er, der unterernährte Jugendliche, musste sogar Schutt räumen.“ Doch Samuel blieb der Firma bis zum Ruhestand treu, zuletzt als Industriekaufmann.

Glaube an Gott war beherrschend

Was den Schäftlarner sein ganzes Leben lang auszeichnete: Sein Glaube an Gott. „Er engagierte sich trotz Strafandrohung noch in seiner alten Heimat als Ministrant, statt an den Veranstaltungen der örtlichen Hitlerjugend teilzunehmen“, berichtet seine Witwe weiter. Beeindruckt durch das Wirken Pater Rupert Mayers, der in der Zeit des Nationalsozialismus dem katholischen Widerstand angehörte, trat er 1956 der Marianischen Männerkongregation am Bürgersaal zu München (MMK) bei. Hier bekleidete er zahlreiche Ämter. So versah er 50 Jahre lang das repräsentative Amt des Kirchenschweizers, wurde Sekretär und Vorstandsmitglied der MMK. Auch in Hohenschäftlarn brachte sich Samuel im Kirchendienst ein. Zuerst half er immer wieder als Mesner aus, übernahm dieses Amt dann ab seinem Ruhestand bis zu seinem Lebensende vollständig. Dieses Engagement blieb nicht verborgen. Ihm wurde die Pater-Rupert-Mayer-Medaille des Katholikenrates der Region München verliehen, er wurde Ehrensodale und Ehrenkonsultor der MMK.

Große Gastfreundschaft

Sein großer Einsatz und seine herzliche Gastfreundschaft brachten dem Rosenliebhaber Freunde auf der ganzen Welt ein, darunter zahlreiche Priester. „So wurde seiner sowohl am Sterbetag, als auch an seiner Beerdigung in vielen Messen nah und fern gedacht.“ Zudem machten ihm seine Frau und die beiden erwachsenen Kinder noch ein Geschenk aus Samuels alter Heimat. „Wir haben ihm, wie seinem drei Monate zuvor verstorbenen Bruder, eine Handvoll Kottikener Heimaterde mit in den Sarg gegeben.“ Und natürlich wird die Familie die Erinnerung an ihren Vater und Ehemann in Ehren halten - so wie die Flamme in der Kristallvase im Flur.

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