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Neue Analyse: Das Publikum in der Ebenhauser Buchhandlung sind neugierig darauf zu hören, wie Widerstandskämpfer ticken.

Weiße Rose

Es braucht mehr als ein Schlüsselerlebnis

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Die Ebenhauser Historikerin Miriam Gebhardt geht in ihrem aktuellen Buch der Frage nach, wie man zum Widerstandskämpfer wird. Als Beispiel zieht sie die Mitglieder der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ heran.

Ebenhausen– Wie wird man zum Widerstandskämpfer? Wird man als solcher geboren? Lernt man es? Mit dieser Frage hat sich die Historikerin Miriam Gebhardt aus Ebenhausen anhand der Mitglieder der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ im Dritten Reich beschäftigt. In der Buchhandlung Isartal stellte sie nun einen Teil ihrer Erkenntnisse vor.

Miriam Gebhardt beschäftigt sich mit der Weißen Rose.

„Die meisten Studien beschäftigen sich mit den Tätern, den Mördern, die auf Befehl handeln“, betont die Autorin des Buches „Die Weiße Rose: Wie aus ganz normalen Deutschen Widerstandskämpfer wurden“. „Doch wie sieht es mit den Voraussetzungen aus, die einen Menschen zum Widerstandskämpfer machen? Man wacht doch nicht in der früh auf und sagt, so, das mache ich jetzt.“ Die Psychologie macht bisher Bildung, Glaube und konkrete Schlüsselerlebnisse verantwortlich.

Doch diese Erklärung war Gebhardt zu oberflächlich. Sie nahm sich die Biografien der Mitglieder des inneren Kreises der Weißen Rose – Sophie und Hans Scholl, Alexander Schmorell, Willi Graf Christoph Probst – vor und entdeckte zumindest auf den ersten Blick ähnliche Voraussetzungen. Alle wurden in einer demokratischen Zeit geboren, interessierten sich für Medizin, Naturwissenschaften, Philosophie, Musik. „Als die Nazis an die Macht kamen, erlebten sie dann, wie man ständig fremd bestimmt wird“, so Gebhardt. „Jugendorganisationen, Arbeitsdienste, Kriegshilfsdienste.“

Sophie Scholl interessierte sich für Medizin, Naturwissenschaften, Philosophie und Musik.

Auch der familiäre Hintergrund ähnelt sich stark. „Alle hatten engagierte Eltern, die ihre Kinder frühzeitig auf allen Gebieten förderten. Sie hatten die Möglichkeit, Konfliktstrategien zu erlernen.“ Doch ist das wirklich der Grund, der sie zu Widerstandskämpfern gemacht hat? Gebhardt, die mit einer Dissertation über „Das Familiengedächtnis: Erinnerungs-Strategien im deutsch-jüdischen Bürgertum 1890-1932“ promoviert hatte, stieg tiefer in die Familiengeschichten ein und erlebte eine Überraschung. „Es gab extreme Vaterkonflikte, Verlustängste. Die Situation war alles andere als harmonisch.“ 

Robert Scholl, der Vater von Hans und Sophie übte in Ingersheim an der Jagst und in Forchenberg das Amt des Bürgermeisters aus. „Er war ein sozialer Aufsteiger, der zwar große fachliche Qualifikationen vorweisen konnte, aber Defizite im persönlichen Bereich hatte. Als er nicht wiedergewählt wurde, ist die Familie im Sturzflug wieder unten angekommen.“ Der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (NSDAP) stand Scholl ablehnend gegenüber. „Vielleicht war das der Grund, warum sich Hans Scholl freiwillig zur Hitlerjugend meldete und hier einen rasanten Aufstieg vollführte.“ Auch Sophie war anfangs eine begeisterte Anhängerin der neuen Machthaber. „Sie ließ sich sogar in BDM-Uniform konfirmieren.“ 

Christoph Probst lernte durch seinen Vater Hermann, der in zweiter Ehe mit der Jüdin Elise Jaffée verheiratet war, die kulturelle und religiöse Freiheit kennen. „Doch als Christoph Probst 17 Jahre alt war, brachte sich der Vater um und plötzlich musste sich der jungen Mann um alles kümmern.“ Auch bei Willi Graf entdeckte die Historikerin tiefe Konflikte. „Dessen Vater wollte, dass er der HJ beitritt, und Willi hat das Gegenteil gemacht. Er schloss sich zuerst einer katholischen Jugendorganisation an, später dem „Grauen Orden“, einem Verband, der sich aus bündnischen Jugendverbänden gebildet hatte.“ 

Alexander Schmorell wiederum wurde in Russland geboren. „Und hier stand seine Konfliktsituation: Auf der einen Seite die Neigung, Russland zu idealisieren, auf der anderen Seite wurde der Russe in Deutschland als Untermensch betrachtet.“ Schmorell versuchte die Identitätskrise zu überwinden, indem er als Dolmetscher zwischen beiden Seiten versuchte zu vermitteln. „Soziale Faktoren allein sind keine Erklärung“, sagt Gebhardt. „Man muss genau hinschauen. Es war ein großer, breit gefächerter Lernprozess.“

Das Buch

Miriam Gebhardt: „Die Weiße Rose: Wie aus ganz normalen Deutschen Widerstandskämpfer wurden“ ist als gebundene Ausgabe für 19,99 Euro, als E-Book für 15,99 Euro erhältlich.

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