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Vor Ort schauen sich alle Beteiligten  die Garage an.

Niederlage für Nachbarn nach sechs Jahren

Gericht entscheidet: Zu hohe Garage darf bleiben

Schäftlarn – Nach sechs Jahren Kampf haben die Seibolds verloren: Das Verwaltungsgericht hat die Klage gegen die zu hohe Garage des Nachbarn abgeschmettert. Obwohl sie tatsächlich zu hoch ist.

„Der Gesetzgeber mutet den Nachbarn gerade bei Nebengebäuden und Garagen ganz schön viel zu, das weiß ich“, sagte Walter Schuster, Leiter der Bauabteilung im Landratsamt München. Dennoch: Obwohl die Garage an der Aufkirchner Straße 25 in Schäftlarn eindeutig 30 bis 40 Zentimeter zu hoch ist, darf sie stehen bleiben. Das entschied Richterin Cornelia Dürig-Friedl nach dem Ortstermin. Nachbar Heinrich Seibold hatte den Abriss oder zumindest eine Höhenreduzierung gefordert. 

Seibold wohnt mit seiner Ehefrau Edith in einem alten Holzhaus aus dem Jahr 1934. Der Blick übers Isartal in Richtung Alpen ist atemberaubend. „Vor sechs Jahren kaufte ein Bauträger das Nachbargrundstück, das Richtung Süden abschüssig ist. Weil der auf dem großen Grundstück nicht nur ein Haus, sondern zwei bauen wollte, musste er den oberen Teil des Grundstücks um fast einen halben Meter aufschütten, damit das hintere Haus über das vordere drüber schauen kann“, berichtet Seibold über die Bauarbeiten im Jahr 2009, die er mit Fotos belegen kann. 

Dabei wurde direkt an seine Grundstücksgrenze eine große Doppelgarage gebaut, die laut Bayerischer Bauordnung nur maximal drei Meter hoch sein darf. „Diese Garage hat aber eine Durchschnittshöhe von mindestens 3,32 Meter und eine Firsthöhe von über 4,50 Meter. Das stört mich, zumal ich demnächst meinen Carport vor dieser Garage wegreiße, und dann steht da so ein Riesen-Haus alleine da“, schimpft Seibold. 

Er begann den Kampf gegen das „illegal errichtete Gebäude“, wie es sein Rechtsanwalt Peer Kollecker nannte, bereits vor sechs Jahren. Doch Briefe an den Bauträger, die Nachbarin – „zu der wir ein ausgezeichnetes Verhältnis haben, sie kann ja nichts dafür“, betont Seibold–, an die Gemeinde Schäftlarn und ans Landratsamt blieben erfolglos. „Da war über sechs Jahre null Reaktion.“ 

Erst als Seibold einen Rechtsanwalt einschaltete und den Abriss forderte, reagierte die Gegenseite. Nun wurde über die Klage gegen das Landratsamt bei einem Ortstermin des Verwaltungsgerichts München entschieden. 

Unstrittig ist, dass die Garage zu hoch ist. Das zeigte die Feuchtigkeitssperre der Mauer zwischen den Grundstücken deutlich. „Also das, was da heute steht, ist zu hoch und daher nicht genehmigt“, sagte die Richterin.

„Doch wenn ich mir das Grundstück Seibold ansehe, dann sind da auch einige Anbauten, die nicht der heutigen Bauordnung entsprechen.“ Sie fand es „komisch, vom Nachbarn einen Abriss zu fordern wegen eines Verstoßes, wenn ich mich selbst nicht an Vorgaben halte.“ Seibold entgegnete, dass fast sein komplettes Haus vor 1940 erstellt wurde, „da galt die heutige Bauordnung noch nicht, und alles andere wurde immer genehmigt“. Rechtsanwalt Kollecker verwies darauf, dass der Bayerische Verwaltungsgerichtshof zwei unterschiedliche Messmethoden für die Höhe zulasse: „Die eine Methode würde unsere Meinung stützen und die Situation sogar noch verschärfen, die andere würde das Ergebnis etwas abschwächen. Als Kompromiss haben wir schon 2012 ein flacheres Walmdach vorgeschlagen.






Bert Brosch
Dem widersprach Schäftlarns Bürgermeister Matthias Ruhdorfer: „Wir haben hier einheitliche Satteldächer, ein Walmdach würde gegen unsere Bauordnung verstoßen.“ Schuster vom Landratsamt ergänzte, dass die von seiner Behörde eingesetzte Messmethode die gängige sei. „Zudem darf nach unserer Auffassung die zu hohe Giebelfläche, auch wenn sie Richtung Nachbar zeigt, nicht bei der Höhenmessung berücksichtigt werden – und dann passt die Höhe.“ So sei nunmal das Recht.
Dieser Auffassung schloss sich Richterin Dürig-Friedl an: „Der bayerische Gesetzgeber gesteht den Nebengebäuden sehr viele Möglichkeiten zu. Darum verstoßen sie auch nicht gegen gute Nachbarschaft, wenn sie wie hier eindeutig zu hoch sind.“ Rechtsanwalt Kollecker und die sichtlich enttäuschten Eheleute Seibold konnten nicht fassen, „dass man jetzt etwas genehmigt, was illegal gebaut wurde“.


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