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Umsatzeinbußen fürchtet Karin Schmid, Betreiberin des Landhotels Klostermaier.

Bauarbeiten dauern ein halbes Jahr

B11 gesperrt: Händler haben Ängste

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Schäftlarn – Um ihre Existenz und ihr Einkommen fürchten Gastronomen und Händler entlang der B11. Die wird sechs Monate gesperrt. 

„Für uns wird das drastische Folgen haben.“ Die Rede ist von der sechsmonatigen Sperrung der B11 durch Hohenschäftlarn. Von 17. Mai bis 11. November dieses Jahres ist diese Hauptverkehrsader blockiert. 

Karin Schmid, Betreiberin des 2008 eröffneten Landhotel Klostermaier in Icking, hat bereits die ersten Stornierungen von Gästen erhalten. Der Grund: Die schlechte Erreichbarkeit während der Bauphase. Um von Baierbrunn, Buchenhain oder Pullach nach Icking zu gelangen, müssen Fahrer einen etwa 25 Kilometer langen Umweg in Kauf nehmen. 

Normalerweise ist die Strecke zwischen Hohenschäftlarn und Baierbrunn rund vier Kilometer lang. „Zur Oktoberfestzeit beispielsweise hatte ein Baierbrunner Unternehmen für drei Nächte 30 Zimmer gebucht“, berichtet Schmid. Bei 32 Zimmern, die das Hotel bietet, ein herber Einschnitt, wenn solche Buchungen wegfallen. „Bislang waren die Gäste früh angereist, haben anschließend zuerst die Firma, dann das Oktoberfest besucht. Und jetzt?“ fragt sich die Gastronomin. „Ich kann doch nicht sagen, ,Bitte lassen Sie Ihr Auto in Schäftlarn stehen und fahren Sie mit der Bahn nach Icking.“ 

Die Baierbrunner Firma ist nicht die Einzige, die ihre Reservierung zurückgezogen hat. Die Stornierungen könnten auch Auswirkungen auf die rund 40 Mitarbeiter des Landhotels haben. „Wir arbeiten sieben Tage die Woche in drei Schichten – im Housekeeping über die Küche bis hin zur Rezeption“, erläutert o die 50-Jährige. „Doch was ist, wenn die Gäste wegbleiben? Sind wir dann gezwungen, jemanden auszustellen?“ Gerade am Wochenende kommen viele Gäste zum Brunch. Sie frühstücken in aller Ruhe, gehen dann an der Isar spazieren und fahren zurück Richtung München. „Was ist, wenn auch die noch wegfallen? Für uns ist die Situation drastisch.“

Nicht ganz so schwarz sieht Vito Troyli vom Hotel Schlee mit dem Restaurant „Il Brigante“ mitten in Hohenschäftlarn die Situation. „Ja, auch bei uns gab es bei den Übernachtungen ein paar Stornierungen“, gesteht der Geschäftsführer. „Härter hat es uns im Restaurant getroffen. Hier wurden einige Geburtstage und vor allem Kommunionen abgesagt.“ 

Dennoch will der Gastronom sich nicht beschweren: „Es ist absolut nötig, dass die Straße gemacht wird. Und nachher ist alles viel schöner als vorher.“ Ob die sechsmonatige Sperrung seine Existenz bedrohen wird, kann er nicht voraussagen. „Man muss abwarten.“ 

Durchhalten ist auch die Devise von Monika Murr, die seit zwölf Jahren die Bäckerei Ratschiller direkt an der Münchener Straße betreibt. „Mein Problem ist, dass wir von der Laufkundschaft leben. Ohne die: nicht auszudenken. Ich hoffe einfach, dass wir irgendwie durchkommen werden.“ 

Immer wieder werden Stimmen laut, die darüber nachdenken, dass es doch eine Möglichkeit geben muss, die B11 nur im Wechsel halbseitig zu sperren. Und immer wieder der Vorwurf: Die Gemeinde hat vielleicht diesbezüglich zu wenig getan. 

„Die Entscheidung über die Art und Weise der Sanierung der B11 hat das staatliche Straßenbauamt Freising getroffen“, betont der Geschäftsführende Beamte, Stefan Wallner, auf Anfrage. „Die Gemeinde hatte dabei kein Mitbestimmungsrecht.“ Zudem: Bei einer wechselseitigen Sperrung hätte sich die Bauzeit auf zwei Jahre verlängert. „Ich glaube nicht, dass das im Sinne der Bürger gewesen wäre."

Sabine Hermsdorf

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