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Die Firma Schönberger hat ihren Sitz in Schäftlarn. 

Interview mit Schönberger-Geschäftsführer

Millionen-Nachzahlung wegen Google-Werbung: „Das ist absolut irrwitzig“

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Die neue Auslegung des Steuerrechts würde unter anderem die Schäftlarner Rollladen-Firma Schönberger hart treffen, die bei Google Anzeigen schaltet. Sie erhielt nach der Betriebsprüfung vom Finanzamt Post, dass sie 15 Prozent Quellensteuer bezahlen müsse für Werbeanzeigen, die sie bei Google geschaltet hat. Im Interview erklärt Schönberger-Geschäftsführer Michael Mayer, was das für Firmen bedeutet. 

Wir stark würden Sie die neue Auslegung des Gesetzes treffen?

Für uns wäre die Besteuerung eine Belastung. Es wird uns nicht lebensbedrohlich treffen. Die momentane Schätzung liegt bei 4,5 Millionen Euro Nachzahlung. Wir appellieren an die Vernunft der Politik, die diese Neuinterpretation der Quellensteuer schlichtweg verwerfen sollte.

Wie kann man sich wehren?

Wir haben mit unserer Steuerkanzlei versucht, die Auffassung der Betriebsprüfung München rechtlich zu enthebeln und ihr die technische Funktion von Google Ads im Detail erklärt. Wir sehen keine rechtliche Grundlage und keinen Interpretationsspielraum hinsichtlich der Quellenbesteuerung und der Funktionsweise von Google.

Wie sehen Sie es persönlich, von Google Quellensteuer einzufordern. Wäre das für Sie in Ordnung?

Nein, absolut irrwitzig. Sie müssen sich vorstellen. Die Steuer wird ja nicht bei Google erhoben, sondern letztlich bei den inländischen Unternehmen. Das würde für die gesamte Branche einen immensen Wettbewerbsnachteil bedeuten, weil jedes ausländische Unternehmen im Online-Bereich grenzüberschreitend verkaufen kann. Ich möchte gar nicht auf die Europäer eingehen, sondern nehmen wir einmal die Chinesen, die ohnehin den Markt überfluten. So überfluten, dass sie noch nicht einmal Umsatzsteuer abführen. Wenn Sie heute eine Artikel kaufen, der von einem chinesischen Unternehmen angeboten wird und dann eine Rechnung bekommen, dann werden Sie feststellen: Sie ist netto ausgewiesen. Das heißt, es gehen Milliarden am Fiskus vorbei. Rein in Form von Umsatzsteuer. Genau diese chinesischen Unternehmen würden nochmals von einer Steuer profitieren, die den inländischen Unternehmen einen Wettbewerbsnachteil verschafft.

Google müsste dafür gerade stehen.

Geschäftsführer Michael Mayer

Es ist Irrsinn, zu glauben, wir könnten uns das Geld in irgendeiner Form von Google zurückholen. Allein per Vertrag, den wir mit Google haben, muss der Kunde für alle eventuell anfallenden Steuern und Gebühren im Inland selbst aufkommen. Der Global Player wird uns definitiv keine Beträge zurückerstatten. Selbst wenn er dazu in der Lage wäre, sich aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens die Quellensteuer beim Fiskus wieder zurückzuholen. Denn in diesem Fall müsste Google ungeheuer viele Unternehmenszahlen an den deutschen Fiskus weiterleiten. Das werden die niemals tun.

Sie haben den Überblick, denn Ihre Firma ist weltweit tätig.

Das stimmt, aber unser Kerngeschäft spielt sich hier in Deutschland ab. Hier sitzt unsere Hauptverwaltung. Ich kann mein Geschäftsmodell nicht transferieren, hier schließen und in Polen oder sonst wo in Europa eine Firma aufmachen. In diesem Fall hätte ich sofort ein Problem mit dem Finanzamt. Wir sind gezwungen, von hier aus weiter zu operieren. Das bedeutet, hier werden die Rechnungen geschrieben. Wir könnten den 15 Prozent höheren Werbekosten nicht entgehen.

Es kann aber doch nicht Ziel der Regierung sein, Unternehmen auf Dauer zu benachteiligen.

Das sollte man meinen. Wir sind gerade erst vom Bayerischen Wirtschaftsministerium mit der_Auszeichnung „Bayerns Best 50“ geehrt worden. Dabei erwähnte der Staatsminister, den Wirtschaftsstandort fördern und schützen zu wollen. Genau das würde er damit aber nicht tun. Es würde die bayerische Digitalindustrie massiv treffen. Nicht nur Internetunternehmen sind betroffen, sondern jeder, der bei Google Anzeigen schaltet.

Ist ihr Investitionspotenzial jetzt bereits gebunden?

Nein, das nicht. Wir sind uns ziemlich sicher, dass die Steuer nicht kommen kann. Bis dato haben wir auch noch keinen Bescheid erhalten. Falls sie zum Tragen kommt, werden wir die Investitionen zurückhalten, es überleben und kompensieren. Inzwischen sind wir natürlich vorsichtig bei Ausgaben, aber wir treten nicht auf die Bremse.

Es gab noch vor ein paar Jahren Planungen zum Bau von Verwaltungsgebäuden für bis zu 170 Mitarbeiter. Wie weit ist das gediehen?

Das wird jetzt tatsächlich hinten angestellt. Mit solchen großen Investitionen halten wir uns zurück. Der Neubau würde sieben bis acht Millionen Euro kosten.

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