Lia Schneider-Stöckl
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Lia Schneider-Stöckl zeichnet in ihrer historischen Überarbeitung des Heimatromans „Die Bauernfürstin“ nach.

Lia Schneider-Stöckl ergänzt einen Schäftlarner Heimatroman

„Die Bauernfürstin“ - ein Heimatroman macht Geschichte lebendig

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Den Heimatroman „Die Bauernfürstin“ des Ebenhauseners Hanns Hunkele hat Lia Schneider-Stöckl mit historischen Orten und Fotos sowie geschichtlichen Erklärungen versehen.

Schäftlarn – Es geht um Intrigen, Neid, jede Menge verbrecherisches Treiben – und natürlich um die Liebe: Der Roman „Die Bauernfürstin“ von Hanns Hunkele. „Die Geschichte spielt nicht irgendwo – sie spielt hier bei uns“, schreibt Ickings Bürgermeisterin Verena Reithmann in ihrem Grußwort. Zell, Irschenhausen, Hohenschäftlarn, Baierbrunn, Ebenhausen sind die Hauptschauplätze.

Lia Schneider-Stöckl und die 2018 verstorbene Annemarie Hartwig haben den Weg der einzelnen Figuren an den verschiedenen Örtlichkeiten nachgezeichnet und mit geschichtlichen Erklärungen und Fotos versehen. Auf den Roman von Hanns Hunkele kam Schneider-Stöckl im Rahmen ihrer Recherchen zu ihrem ersten Buch „Ebenhausen im Isartal“.

Historische Ansichten der Heimat bietet das Buch.

Der Autor selbst wurde 1892 in Ebenhausen geboren. Er zeichnete sich als Schauspieler (Jäger von Fall, Der Edelweißkönig), Regisseur und als einer der ersten Rundfunkpioniere, unter anderem beim Bayerischen Rundfunk, aus. Neben Artikeln, die er für Tageszeitungen und Zeitschriften verfasste, schrieb er Romane wie „Die Jungfrau am G’wänd“ oder „Grenzgänger Florian“. Das Buch „Die Bauernfürstin“, erstmals Anfang der 1930er Jahren erschienen, widmete er seiner Heimat im Isartal. Straßen, Kirchen, Wirtshäuser finden sich hier wieder, ebenso historische Begebenheiten wie der Brand in Zell. „Hofnamen hat er in abgewandelter Form wieder gegeben“, sagt Schneider-Stöckl. „So ist der Geisler im Roman der Kramer Tauber, oder der Wehner eben der Wiener.“

Die Geschichte spielt um 1900.

Die Geschichte, die 1900 spielt, dreht sich um die junge Anna Fürst. „Alle Personen sind frei erfunden.“ Als uneheliches Kind einer armen Bäuerin ist sie oft genug Ziel von Ablehnung und Spott. „Die Bauernfürstin“ nennen sie die anderen aufgrund ihres Stolzes. Doch dann wendet sich das Blatt. Das Buch ist so aufgebaut, dass sich Roman und historische Anmerkungen abwechseln.

Brauchtum und Bräuche sind ebenso Thema wie die Geschichten der verschiedenen Wirtschaften oder der Gendarmeriestation Hohenschäftlarn. „Tatsächlich hatte die Gemeinde Schäftlarn bis Mitte der 1950er Jahre eine eigene Landpolizei“, weiß Schneider-Stöckl. Die „Königliche Gendarmerie Kompanie Oberbayern“ war um 1900 auch für die umliegenden Gemeinden zuständig. „Als Transportmittel diente ein Fahrrad, die Polizeistation nebst Wohnungen und dem Arrestkammerl waren im Unterdorf 17.“

Mit „gräflicher Wäsche“ konnten die Frauen in der Region etwas dazu verdienen.

Orte und Lebensumstände werden wieder lebendig.

Neben den Örtlichkeiten geht die Autorin auch auf die Lebensumstände ein – wie beispielsweise die Sache mit der „gräflichen Wäsche“. Das Fischer- und das Röschenauer Schlössl waren damals im Besitz der Grafen von Rambaldi. Im Winter zogen sie mit ihren Hausständen meist nach München, den Sommer über blieben sie in Ebenhausen. Für die Alltagsarbeiten reichten die eigenen Bediensteten, bei der großen Wäsche konnten sich die Frauen aus dem Dorf etwas hinzu verdienen. „Das Wasser musste vom Brunnen – damals im heutigen Bereich der Grundschule – in Eimern geholt und zum Kochen gebracht werden. Dann wurde die mit Kernseife gebürstete Wäsche eingelegt und mit großen Holzstangen im Zuber gewendet“, beschreibt die Ebenhauserin die kraftraubende Arbeit. Nach dem Auswringen und Trocknen wurde die Wäsche dann mit Bügeleisen, die mit glühenden Kohlenstückchen gefüllt waren, geplättet.

„Für uns, die wir heute hier leben“, betont Schäftlarns Bürgermeister Christian Fürst, „ist es ein interessantes Zeugnis der Vergangenheit. Darum möchte ich Ihnen allen, um die damalige Zeit und die unbekannten Lebensumstände kennen zu lernen, das Buch als Lektüre ans Herz legen.“

„Die Bauernfürstin“ - das Buch

von Hanns Hunkele mit historischen Anmerkungen von Lia Schneider-Stöckl und Annemarie Hartwig ist unter anderem bei der Buchhandlung Isartal (Ebenhausen), den Geschäften Michel, Geisler (beide Hohenschäftlarn), Klosterladen (Kloster Schäftlarn), Dorfladl Baierbrunn und dem Hollerhaus (Irschenhausen) für 19,90 Euro zu erwerben.

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