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Hobby Bio-Bauer: Bernhard Baudler bewirtschaftet eine Parzelle des Ackers, auf der die Mitglieder der „Selbsternte Schäftlarn“ Pflanzen und Gemüse selbst anbauen.

Landtagskandidaten im Landkreis München im Porträt

Bernhard Baudler (Linke) war zu rot für die Grünen

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Bernhard Baudler (58) mag es basisdemokratisch, ökologisch und bezeichnet sich als Pazifist. Als ihm die Grünen zu angepasst wurden, wechselte er zur Linken.

Hohenschäftlarn – Bernhard Baudler stellt sein Radl an einen Holzschuppen. Er nimmt auf einer Holzbank Platz und blickt auf die Gartenpracht vor ihm. Da wachsen auf einem Hügel bei Schäftlarn Blumen, Kräuter und Gemüse, üppig und vielfältig.

Die „Selbsternte-Schäftlarn“ ist ein Projekt von rund 60 Hobby-Bio-Gärtnern. Einer von ihnen ist Bernhard Baudler. Ökologisch, sozial und basisdemokratisch jätet er auf seiner Parzelle des Gemeinschaftsprojekts und erntet Ringelblumen, Karotten und Beeren.

Der Acker gehört einem CSU-Gemeinderat, erzählt der Schäftlarner, und die Gärten könnte einer Umgehungsstraße zum Opfer fallen. Schon ist man mitten drin in der Politik: Bernhard Baudler ist Direktkandidat der Linken, die im Herbst 2018 erstmals ins Maximilianeum einziehen wollen. Der 58-Jährige kandidiert im Stimmkreis München Land-Süd.

„Desaströser“ ÖPNV-Betrieb

Baudler ist kein Stammtisch-Typ und kein Radikal-Linker. Der Sekretär der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, der viele Jahre Lehrer für Geschichte und Sozialkunde war, spricht mit ruhiger Stimme und überlegten Worten, wenn er dem konservativen Kurs der CSU linke Ansichten entgegensetzt. Angefangen beim Thema Verkehr: „In der Innenstadt muss man den Autoverkehr massiv zurückdrängen. Der ÖPNV soll kostenlos sein.“ Er fordert eine S-Bahn-Südspange und eine höhere Attraktivität der S7. „Der Betrieb ist desaströs.“ Davon weiß er ein Lied zu singen. Seine Lebenspartnerin und er nutzen den ÖPNV so gut wie täglich. Ein eigenes Auto besitzen sie nicht.

In der Flüchtlingspolitik fordert Baudler eine „humane Aufenthaltsgestaltung und Bildung von Anfang an“. Die „Seehofersche Zentralunterkunft ab 1500 Personen“ lehnt er ab. Für die Schulen fordert der frühere FOS/BOS-Lehrer Verstärkung: „Vor allem an den Grund- und Mittelschulen fehlen Lehrer.“ Wie viele Lehrer in Bayern wirklich fehlen, das wisse niemand, „weil das Kultusministerium zwar die Neueinstellungen veröffentlicht, die Bedarfszahlen aber verschweigt“. Baudler fordert, dass Mittelschullehrer dasselbe Einstiegsgehalt bekommen wie ihre Kollegen am Gymnasium.

Einzug in den Landtag? „Überraschungen passieren“

Auf der Oberbayern-Liste steht Baudler ziemlich weit vorne. Immerhin auf Platz sechs. Ob er sich Hoffnung macht auf einen Sitz im Maximilianeum? „Überraschungen passieren“, sagt der 58-Jährige selbstbewusst. Das hätten im Herbst, bei den Bundestagswahlen, Andreas Wagner (45) und Eva Schreiber (60) vorgemacht. Der Geretsrieder stand auf Platz sechs, die Kandidatin aus dem Landkreis München auf Platz sieben. Jetzt mischen beide in Berlin mit.

Viele Jahre war der gebürtige Vilsbiburger eher grün als rot. Über die Grenzen des Wachstums hat sein Vater – ebenfalls Lehrer – mit den sechs Kindern am Mittagstisch diskutiert, erzählt Baudler. Bernhard, der Älteste, trat mit 19 Jahren kurz vor dem Abitur am Mühldorfer Gymnasium mit ein paar Freunden in den Bund Naturschutz ein, wurde Mitglied der Grünen und saß in Rottal-Inn drei Jahre im Kreistag. „Ich war immer politisch“, sagt der Pazifist und Umweltschützer. Die Grünen verließ er später, als sie ihm zu angepasst wurden. In Rosenheim, wo er 16 Jahre unterrichtete, war er Mitbegründer einer Attac-Gruppe.

Linke zeigt „klare Kante“

„Ökologisch, sozial, gewaltfrei und basisdemokratisch – das charakterisiert eher die Linke“, fand er, als er für die Gewerkschaft in München arbeitete und Kontakt zu der jungen Partei fand. 2016 trat er ein, „weil die Linke klare Kante zeigt“. Als Gewerkschafter setzt er sich für bessere Arbeitsbedingungen von Lehrern, Erziehern und Sozialpädagogen ein und verfolgt im Landtag die Sitzungen des Bildungsausschusses.

Die Kandidatur war für ihn ein logischer Schritt. Nach dem 14. Oktober könnte er selbst Abgeordneter sein. „Die Chance, die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken, ist diesmal durchaus im Bereich des Möglichen.“ Schließlich gebe es ja eine rote Tradition in Bayern. „Vor 100 Jahren waren es die Revolutionäre um Kurt Eisner, die dem Freistaat Bayern den Weg ebneten“, sagt Baudler. „Da wird es Zeit, dass die Linken endlich in den Landtag einziehen.“

Zu den Porträts

Bis zur Landtagswahl am 14. Oktober stellen wir alle Kandidaten aus dem Landkreis München vor. Die Reihenfolge der Veröffentlichung erfolgt zufällig und ist kein Ausdruck einer bestimmten Priorisierung oder Gewichtung.

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