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Beliebte Strecke bei Motorradfahrern: der Klosterberg.

Motorräder und Sportwagen rasen durch Hohenschäftlarn

Rennstrecke Klosterberg: Anwohner rebellieren

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Hohenschäftlarn – Den Anwohnern reicht's. Sie fordern, dass der Klosterberg endlich als Rennstrecke entschärft wird. Zur Not mit einer Sperrung für Motorräder.

Ein orangefarbener Porsche 911 fährt die Klosterstraße hoch, wendet in der Einmündung zur Waltrichstraße, bleibt mit laufendem Motor stehen. Fahrerwechsel. Die Maschine heult auf, zurück geht es Richtung Klosterberg.

„Und so geht es die ganze Zeit. Besonders am Abend ist das der Wahnsinn hier“, sagt Albrecht Reifenberger (51), der zusammen mit einem guten Dutzend weiterer Anwohner den Vorgang beobachtet hat. „Die Klosterstraße und der Klosterberg sind nach wie vor Teststrecken.“ 

Eigentlich herrscht auf dem Klosterberg aber seit Anfang 2014 Tempo 40. „Also wird zuerst einmal brav gefahren, um zu sehen, ob die Polizei irgendwo steht. Wenn nicht, geht’s los.“ 

Ein Motorradfahrer absolvierte die Strecke zwölfmal am Stück. Hoch, wenden, wieder runter. „Von wegen: Unnötige Fahrten innerhalb der Ortschaft sind zu vermeiden“, meint Reifenberger. „Viele haben gleich eine GoPro-Kamera am Helm“, schildert Evi Nieland ihre Beobachtungen. „Das Ergebnis kann man dann auf You Tube sehen.“ 

Versuche, mit den Motorradfahren zu reden, scheiterten. „Man wird angepöbelt nach dem Motto: Dann hol’ halt die Polizei’“, berichtet Nieland. Auch der Mittelfinger kommt zum Einsatz. „Irgendwann gibt man dann auf.“ 

Auch die Klosterstraße innerorts, vom Ortseingang bis zur Kreuzung B11, wird als Rennstrecke missbraucht. Im Garten sitzen ist wegen der aufheulenden Motoren kaum noch möglich. „Man kann nur noch abgehackt miteinander reden,“ beschreibt Anna Ertl die Situation. 

Den Anwohnern reicht’s. Sie haben sich Gedanken über Lösungen gemacht. 

Option 1: Eine Änderung der Vorfahrt an der Kreuzung Staatsstraße 2571/Klosterstraße (St 2071). „Die Verkehrsregelungen sollen an Einmündungen so sein, dass das richtige Verhalten für die Verkehrsteilnehmer möglichst einfach ist“, sagt Andrea Klein, Pressesprecherin des Landratsamts München, „Sowohl Ausbauzustand, Verlauf und die Verkehrsinsel legen eine Vorfahrtsberechtigung der St 2571 nahe.“ Eine Änderung stehe im Widerspruch zu den baulichen Gegebenheiten vor Ort. Auch eine Rechts-vor-Links-Regelung sei nicht machbar. „Man kann diese außerhalb außerhalb geschlossener Ortschaften nur dann anwenden, wenn auf der betroffenen Straße eine geringe Verkehrsbelastung herrscht“, erläutert Klein. Laut einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2010 nutzen 2600 Fahrzeuge pro Tag diese Strecke. Und „das kann man nicht gering nennen“. 

Option 2: Einführung von Tempo 30 auf der Klosterstraße innerorts oder eine Sperrung des Abschnitts für Motorradfahrer zumindest am Wochenende. „Geschwindigkeitsbeschränkungen kommen nur dann in Frage, wenn auf dieser Strecke besonders häufig geschwindigkeitsbedingte Unfälle aufgetreten sind“, erläutert Klein. „Da liegt uns bis dato nichts vor.“ Ähnlich verhält es sich mit einer Sperrung: „Das ist nur möglich, wenn eine besondere Gefahrenlage gegeben ist, die sich nicht durch andere, weniger in den Verkehr eingreifende Mittel entschärfen lässt.“ Zudem bilden Staatsstraßen zusammen mit Bundesfernstraßen ein Verkehrsnetz, um den Durchgangsverkehr zu bedienen. Sie dürfen von jedermann genutzt werden. 

Option 3: Die Klosterstraße zur Anliegerstraße umwidmen und den Verkehr über die St 2571 umleiten. Auch dabei hat die Widmung als Staatsstraße Vorrang, „sodass eine gänzliche Sperrung nicht möglich ist“, betont die Landratsamt-Sprecherin. Es gelten im Prinzip die gleichen Regeln wie für Sperrungen, die nur eine Verkehrsart betreffen.

Sabine Hermsdorf

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