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Schulleiter Wolfgang Sagmeister hat nach dem Klassen-Chat-Vorfall gleich die Polizei verständigt.

Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung

Kripo befragt 50 Klosterschüler: Hitlerbilder und Schlimmeres landet in WhatsApp-Klassen-Chat

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Bis zu 50 Schüler sollen aktuell von der Kripo befragt werden. Der Verdacht ist schlimm. Menschenverachtende Inhalte landeten in einem WhatsApp-Klassen-Chat.

  • Die Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung gegen zwei Schüler des Klostergymnasiums Schäftlarn. 
  • Die beiden 14-Jährigen sollen per Whatsapp sexuell Anstößige und volksverhetzende Inhalte mit Mitschülern geteilt haben.
  • Bis zu 50 Schüler werden aktuell befragt.

Schäftlarn – Anfang Februar landete der vom Bayerischen Kultusministerium neu herausgegebene Handlungsleitfaden für Lehrkräfte, wie sie sich bei der Verbreitung extremistischer Inhalte in Klassen- und Gruppenchats zu verhalten haben, auf dem Schreibtisch von Wolfgang Sagmeister. 

Dass der Direktor des Klostergymnasiums Schäftlarn sich so schnell genötigt sehen würde, die Anweisungen zu befolgen, hatte er sich zu diesem Zeitpunkt sicher nicht gedacht.

Hakenkreuze und Pornos wurden auf Rückfahrt von Skilager verbreitet

Doch seit Mitte des Monats ist alles anders. Seit Achtklässler, wie Sagmeister auf Nachfrage bestätigt, auf der Rückfahrt des Skilagers in Südtirol via Klassen-WhatsApp-Chat „rassistische und menschenverachtende Bilder sowie nationalsozialistische Symbole“ geteilt haben. 

Ein Lehrer bekam während der Busfahrt mit, was da per Whatsapp-Gruppe so geteilt wurde, und verständigte die Schulleitung. „Wir haben dann die Polizei eingeschaltet“, erzählt Sagmeister. 

Jetzt ermittelt die Kriminalpolizei – wegen Volksverhetzung, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Verbreitung pornografischer Schriften.

Kripo ermittelt in Klostergymnasium Schäftlarn: 14-Jähriger mittlerweile suspendiert

Konkret sollen, wie ein Polizeisprecher bestätigt, zwei 14-jährige Mitschüler in dem Chat Hitlerbilder, Hakenkreuze, antisemitische Comics und Pornovideos verbreitet haben. Für einen der Schüler hatte das bereits Konsequenzen. Er ist, wie der Schulleiter mitteilt, suspendiert worden.

Dabei sind die Ermittlungen noch lange nicht abgeschlossen. Die Polizei ist gerade dabei jeden einzelnen der etwa 40 bis 50 Schüler, die die verbotenen Inhalte auf ihre Handys erhielten, zu vernehmen. Im Zuge der außergewöhnlich umfangreichen Ermittlungen muss dabei auch geklärt werden, ob die beiden Verursacher bei der Tat strafmündig gewesen sind, heißt es.

WhatsApp-Hetze im Landkreis München: Schule reagiert mit Elternbrief

Schulleiter Sagmeister hat sich aufgrund des Vorfalls mittlerweile auch an die Eltern gewandt. „Menschenverachtung werden wir an unserer Schule in keiner Form dulden“, betont der Direktor in dem Elternbrief und verweist auf die vielen freundschaftlichen Beziehungen, die das Gymnasium der Benediktiner seit Jahren zu mehreren Schulen in aller Welt unterhalte. Aktuell würden Lehrkräfte in den einzelnen Klassen das Thema mit Unterstützung einer Jugendbeamtin pädagogisch aufarbeiten.

„Die Würde des Menschen ist Kern des christlichen Menschenbildes, das die Grundlage unserer Schule darstellt, heißt es in den Ausführungen Sagmeisters weiter. Der Schulleiter schließt mit der Bitte, „dass wir als Schule und Elternhaus gerade bei diesem zentralen Thema auch weiterhin eine starke Erziehungspartnerschaft bilden“.

Sagmeister erhofft sich von den weiteren Ermittlungen der Polizei nun vor allem Aufklärung darüber, ob es sich bei dem Verbreiten der betreffenden Inhalte nur um einen „gedankenlosen“ Umgang von Schülern mit dem Smartphone gehandelt hat, oder ob es tatsächlich Schüler gibt, die auch eine rechte beziehungsweise rassistische Gesinnung haben. Dass es sich um ein spezielles Problem an seinem Gymnasium glaubt er nicht. Schließlich sei es kein Zufall, dass das Kultusministerium besagte Richtlinien erst vor wenigen Wochen herausgegeben hat.

Kripo ermittelt gegen Schüler an Gymnasien bei München: Weitere Vorfälle in Grafing und Dachau

Und tatsächlich dringen in jüngster Zeit immer mehr solcher Vorfälle an die Öffentlichkeit. So gab es zuletzt Aufregung am Gymnasium Grafing (Kreis Ebersberg), weil im Herbst vergangenen Jahres dort Schüler über einen Klassen-Chat wohl Hakenkreuze und Gaskammer-Sprüche verbreitet hatten. Auch am Ignaz-Taschner-Gymnasium in Dachau gibt es derzeit einen derartigen Vorfall. Auch hier haben Schüler per Whatsapp Bilder mit rassistischer und judenfeindlicher Hetze verschickt.

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