Bevor die Kettensäge angelegt wird, schaut die Gemeinde Schäftlarn nach der Niederlage vor Gericht künftig genauer hin.
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Bevor die Kettensäge angelegt wird, schaut die Gemeinde Schäftlarn nach der Niederlage vor Gericht künftig genauer hin.

Zoff wegen Ersatzpflanzung

Nach Rechtsstreit: Schäftlarn prüft Baumfällungen künftig strenger

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    VonSabine Hermsdorf-Hiss
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Eine Niederlage vor Gericht führt dazu, dass es Grundstücksbesitzer in Schäftlarn, die einen Baum fällen wollen, künftig schwerer haben dürften.

Schäftlarn – Auf den Weg zu einem Grundstück an der Ulrich-von-Hassell-Straße machte sich kürzlich das Verwaltungsgericht München. Der Grund waren Streitigkeiten zwischen dem Eigentümer und der Gemeinde Schäftlarn über Ersatzpflanzungen nach Baumfällungen. Schon im Sommer 2018 hatte ein Anrainer die Fällung einer Buche beantragt, weil sie so nah an der Straße stand, dass sie den Verkehr gefährdete und zudem das Wachstum eines weiteren Baumes beeinträchtigte. Die Gemeinde gab grünes Licht – ausdrücklich ohne eine Nachpflanzung anzuordnen.

Nach dem kalten Winter genehmigte die Gemeinde die Fällung einer zweiten Buche, da der Baum bereits mehrere Totäste aufwies und auch eine Zwieselbildung im oberen Teil festgestellt wurde – allerdings nunmehr mit der Auflage, zwei Ersatzpflanzungen vorzunehmen. Gefordert wurden heimische Laubbäume mit einem Mindestumfang von 16 Zentimetern bis 18 Zentimetern, gepflanzt werden sollten sie an der Grenze zur Ulrich-von- Hassel-Straße.

Der Ort der Nachpflanzung passt der Gemeinde nicht

Der Grundstückseigentümer ließ einen Spitzahorn und zwei Obstbäume setzen – aber im hinteren Bereich des unbebauten Grundstücks. Einen Schriftwechsel später landete die Sache vor dem Verwaltungsgericht München. Für die Vorsitzende Richterin Martina Scherl war die Sache schnell klar: Der Genehmigungsbescheid für die erste Buche sei rechtskräftig.

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Zum Thema Ersatzpflanzung und Standortbestimmung verwies die Richterin auf die Baumschutzverordnung der Gemeinde Schäftlarn. „Der Standort der Pflanzung kann nur dann näher bestimmt werden“, heißt es hier, „wenn er für eine gesunde Entwicklung der Ersatzpflanzung erforderlich oder für das Ortsbild von besonderer Bedeutung ist.“ Das sei aber hier nicht der Fall, der Grundstückseigentümer hat also seine Pflicht erfüllt. Die Richterin stellte, nachdem die Gemeinde den Bescheid zurück gezogen hatte, das Verfahren ein.

Gemeinde zieht Konsequenzen

Aus der Entscheidung zieht die Gemeinde Konsequenzen. „Zunächst werden wir bei Anträgen auf Baumfällung künftig eine bessere Dokumentation des Zustands, Umfangs und Höhe der zur Fällung beantragten Bäume vornehmen“, gibt Bauamtsleiter Stefan Jocher auf Nachfrage Auskunft. Dann falle erst eine Entscheidung. „Hierbei nehme ich an, dass es vermehrt zu Ablehnungen kommen wird“, so Jocher weiter, „die dann aber auch entsprechend zu begründen sind.“ Sollte eine Fällung genehmigt und Ersatzpflanzungen angeordnet werden, werden auch zu diesem Thema umfangreichere Prüfungen vorgenommen, um so Art und Umfang der geforderten Bäume mit ausreichenden Argumenten untermauern zu können. 

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