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Regina Böck (54) aus Schäftlarn arbeitet seit einigen Jahren als Trauerrednerin

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Von: Sabine Hermsdorf-Hiss

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Findet den richtigen Ton für eine Trauerrede: Regina Böck versucht, sich auf die Menschen und ihre Erlebnisse einzulassen.
Findet den richtigen Ton für eine Trauerrede: Regina Böck versucht, sich auf die Menschen und ihre Erlebnisse einzulassen. © sh

Wie man freie Traurrednerin wird und was man beachten muss, das verrät Regina Böck (54) aus Schäftlarn. Einfühlungsvermögen gehört auf jeden Fall dazu.

Schäftlarn – Der Tod – unausweichlich, endgültig. „Und dennoch, er gehört zum Leben.“ Für Regina Böck ist das nicht einfach so ein Satz, den man eben mal so daher sagt. Die 54-jährige gelernte chemisch-technische Assistentin arbeitet seit einigen Jahren als freie Trauerrednerin.

Den Ausschlag dazu gab der Tod ihres Vaters. Später unterhielt sich Böck mit ihrer Mutter und deren letzte Wünsche. „Ich fragte sie, wen sie bei ihrer Beerdigung einmal wolle.“ Die Antwort war klar: „Das kannst du doch machen.“ Böck begann, sich mit diesem Thema zu befassen. „Es ist schließlich kein Lehrberuf.“ Sie belegte Kurse und Seminare, lernte. „Ich will einen Abschied persönlich gestalten, will mich auf den Menschen einlassen.“ Dazu gehöre aber auch, ihr einen gewissen Einblick in das Denken und Handeln des Verstorbenen zu gestatten, um eine wirklich passende Rede ausarbeiten zu können. Daher ist in dem Gespräch mit den Hinterbliebenen eines wichtig: „Zuhören“.

Soll ein Gedicht vorgetragen werden?

Was war dem Menschen wichtig? Gibt es Elemente, wie beispielsweise ein Lieblingslied oder ein Gedicht, das in die Trauerfeier mit eingearbeitet werden soll? „Einmal starb ein Herr, der durch und durch ein echtes ,Münchner Kindl’ war – also habe ich meine Rede auf Bayerisch gehalten.“ Oder, wenn es gilt, einen Ehepartner zu verabschieden, der entweder keiner oder einer völlig anderen Glaubensgemeinschaft angehört hatte. „Hier versuche ich, einen Kompromiss zu finden. Schließlich haben es die beiden in ihrem gemeinsamen Leben auch geschafft, ihre Richtungen zu leben und dennoch beieinander zu sein.“

Muss nicht immer eine Rede voller Trauer sein

Einmal bat sie ein Witwer um eine Grabrede. „Aber es sollte keine Trauerrede sein. Er empfand große Dankbarkeit für das gute Leben, das sie zusammen verbringen durften. Und das wollte er in den Fokus stellen.“ Also arbeitete Böck eine Ansprache in dieser Richtung aus – und sah während der Trauerfeier nicht Tränen, sondern die strahlenden Augen des Mannes, der voll schöner Erinnerungen war.

Die Orte für die Trauerfeier müssen auch nicht immer auf einem klassischen Friedhof stattfinden. Oftmals geht der Trend zu Natur oder Seebestattungen. „Ich selbst würde gerne einmal eine Trauerfeier auf einem Berg an einem Gipfelkreuz gestalten.“

Christlicher Hintergrund

Während der langen Coronazeit waren zum Teil Bestattungen nur im kleinsten Kreise möglich. „Aber warum sollte man das nicht mit einer Erinnerungsfeier nachholen?“, fragt sie. Man könne zum Grab oder an einen Lieblingsplatz gehen und sich hier gemeinsam erinnern. Jeder sollte nach Regina Böcks Meinung einen Abschied voller Würde und Respekt erhalten. „Das ist auch meinem christlichen Hintergrund geschuldet“, betont sie. Böck selbst ist katholisch und Mitglied des Kirchengemeinderats. „Ich sehe es als Nächstenliebe an, das zu schenken.“ Vor dem Tod selbst („Er vollendet das Leben“) fürchtet sich die 54-Jährige nicht. „Nur vor dem frühen Tod.“ Sie lächelt. „Ich habe noch nicht alles erledigt.“

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