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Schleppen statt schieben: Bettina Buck quält sich mit ihrem Rad die Treppen runter.

Unbekannte montieren unerlaubte Radschiene erneut

Rinnenstreich am Bahnhof Ebenhausen

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Kurioses Spielchen am Bahnhof Ebenhausen: Unbekannte montieren eine Schiene für Radler an den Treppen, die Bahn entfernt sie. Plötzlich ist die Rinne wieder da. Fortsetzung? Ungewiss.

Ebenhausen – So schnell geben die Verfechter eines barrierefreien Bahnhofs Ebenhausen nicht auf. Die handwerklich geschickten Monteure, die – verständlicherweise – anonym bleiben möchten, sind zäh und beweisen Ausdauer. Und sie bescheren der Deutschen Bahn viel Arbeit. Sehr zur Freude vieler Reisender, die am Bahnhof Ebenhausen in den Zug steigen. Denn die Unbekannten haben dafür gesorgt, dass Radfahrer und Reisende, die Kinderwagen dabei haben, die Treppen hoch zum Bahnsteig deutlich leichter bewältigen können – nun schon zum zweiten Mal.

Der Zeitpunkt eines barrierefreien Ausbaus am Bahnhof steht nach wie vor noch in den Sternen. Darum hatten die beiden Freunde im Juni 2016 eine Art Rinne unter dem Handlauf auf den Stufen montiert – und dafür 500 Euro aus eigener Tasche investiert. Doch die Bahn entfernte diese nach rund fünf Monaten wieder. Denn „sie stellt nach den Richtlinien der Bahn eine Stolpergefahr dar“, begründete ein Sprecher damals den Schritt.

Die Metallschienen deponierten die Bahnmitarbeiter an der Rückseite eines Gebäudes gegenüber des Bahnsteiges. Dort lagen sie dann erst einmal. Der Lagerort blieb auch den beiden Schienenmonteuren nicht verborgen. Diese hatten zwar nach dem Abbau durch die Bahn betont, „nicht noch einmal so viel Geld und Mühe in ein Projekt zu stecken, das nach kurzer Zeit wieder zunichtegemacht wird“.

Aber Mitte April verschwand die Rinne plötzlich von der Rückseite des Gebäudes. Denn die Monteure machten sich doch noch einmal erneut ans Werk – und brachten sie kurzerhand wieder an den Treppen zum Bahnsteig an. Und wieder rückte die Bahn an und baute sie Anfang Mai ein zweites Mal ab. Der Bahnsprecher weist auf Nachfrage des Münchner Merkurs erneut auf die Verkehrssicherungspflicht hin. „Die Rinne stellte einfach eine Unfallgefahr dar.“ Zulässig wären nur „fest auf Treppenniveau eingebaute Schieberinnen unter den Handläufen“.

Als Beispiel nennt er das Modell am Bahnhof in Donauwörth. Dort ist die Spur fest am Rand einbetoniert. „Grundsätzlich stellt sich bei solchen Schieberinnen auch die Frage, wem sie nutzen“, gibt der Pressesprecher zu bedenken. „Die Rinne in Donauwörth ist für die Zielgruppe Radler installiert worden. Aber sie ist für Rollstuhlfahrer oder Nutzer von Rollatoren völlig ungeeignet und hilft Fahrgästen mit Rollkoffern oder Kinderwagen nur sehr bedingt.“

Ob, wann und wie der Bahnhof in Ebenhausen für alle betroffenen Reisenden barrierefrei wird, ist ungewiss. Um mühsame Treppen zu vermeiden, müssen Menschen mit Gehbehinderung, mit Gehhilfen, Rollstuhl oder Kinderwagen die barrierefreien Haltestellen in Icking oder Hohenschäftlarn nutzen. Deutlich weitere Wege inklusive. Die beiden Rinnen-Monteure setzen auf Dialog: „Wir hoffen und wünschen uns im Interesse aller, dass hier eine Lösung gefunden wird.“ Und dann gerne auch „eine, die sowohl den Ebenhausern etwas bringt als auch von der Bahn akzeptiert wird“.

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