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„Wir können es uns nicht leisten, aber wir müssen“: Altenheim schafft Wohnungen für Pflegekräfte

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Von: Sabine Hermsdorf-Hiss

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„Wir können es uns eigentlich nicht leisten, aber noch weniger, es nicht zu tun“, sagt Altenheimleiter Wilfried Bogner, hier zusammen mit Rudolf Balzer vom Immobilienmanagement der Diakonie und Architekt Franziskus Martin.
„Wir können es uns eigentlich nicht leisten, aber noch weniger, es nicht zu tun“, sagt Altenheimleiter Wilfried Bogner, hier zusammen mit Rudolf Balzer vom Immobilienmanagement der Diakonie und Architekt Franziskus Martin. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Gute Pflegekräfte zu finden und dann auch noch zu halten, ist schwer. Ein Grund dafür ist der knappe und teure Wohnraum gerade in der Region München. Die Diakonie will dagegen etwas tun und lässt jetzt auf dem Gelände des Evangelischen Alten- und Pflegeheims Ebenhausen ein Mitarbeiterwohnheim bauen.

Ebenhausen - Schon im September sollen die Bauarbeiten beginnen. Die Pläne wurden nun Anwohnern und Mitarbeitern vorgestellt. Die Kosten für das neue Gebäude bewegen sich voraussichtlich im zweistelligen Millionenbereich. „Wir können es uns eigentlich nicht leisten“, zitiert Einrichtungsleiter Wilfried Bogner aus der Beratung des Vorstandes. „Aber noch weniger, es nicht zu tun.“ 23 Auszubildende werden ab September in dem Heim arbeiten, sehr viele davon kommen aus dem Ausland. „Sie stehen mit zwei Koffern da“, sagt Bogner. Etwa 1000 Euro verdient ein Altenpflege-Auszubildender im ersten Lehrjahr. „Sich davon gerade in Schäftlarn eine Wohnung leisten zu können – unmöglich.“ Durch das Angebot, günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, erhoffen sich die Verantwortlichen auch den angespannten Wohnungsmarkt vor Ort etwas zu entzerren.

32 Wohneinheiten

Der Neubau soll sich in das Ensemble einfügen und verträglich für die Nachbarschaft sein, soll kostengünstig aber auch eine gute Qualität und einen möglichst guten energetischen Standard aufweisen. „Es entsteht ein Baukörper von zehn mal 43 Meter mit einer Firsthöhe von 14 Metern“, erklärt deren Franziskus Martin vom zuständigen Architekturbüro Hartmann aus München. „Das Gebäude ragt also nicht über den Baumbestand.“ Geplant sind 32 Wohneinheiten, vom Appartement (38 Quadratmeter) bis zu Zwei- (55 Quadratmeter) und Drei-Zimmer (74 Quadratmeter)-Wohnungen. Alle verfügen über einen Balkon und sind von zwei Seiten über Fenster belichtet. „Sollte sich mit den Jahren der Bedarf ändern, kann man die Wohnungen durch Versetzen der Innenwände vergrößern oder verkleinern“, so der Architekt.

Im Modell schaut das künftige Mitarbeiterwohnheim so aus. 32 Wohnungen sind in dem Neubau geplant, der bis Dezember 2023 fertiggestellt sein soll.
Im Modell schaut das künftige Mitarbeiterwohnheim so aus. 32 Wohnungen sind in dem Neubau geplant, der bis Dezember 2023 fertiggestellt sein soll. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Das Haus soll in Mischbauweise entstehen. Die tragenden Teile sind aus Beton, Fassade und Dach aus Holz. „Und natürlich ist auch eine Solaranlage geplant.“ Die Tiefgarage umfasst 36 Autostellplätze. Im September werden die Erdarbeiten beginnen. Der Rohbau soll bis zum Mai 2023 stehen, die Zimmerer- und Fassadenarbeiten im August beendet sein. „Dann folgt der Ausbau. Die Fertigstellung ist zum 22. Dezember 2023 geplant.

Anwohner sorgen sich um Baustellenverkehr

Einige Anwohner machten sich Sorgen um den Baustellenverkehr. „Ja, es wird Zeiten geben, wo hier mehr los ist, wenn beispielsweise die Erdarbeiten beginnen oder die Betonage der Decke erfolgt“, sagt Rudolf Balzer, zuständig für das Immobilienmanagement der Diakonie. „Aber das werden die Ausnahmen sein“, versicherte er. Im Vorfeld habe man Alternativen zu dem engen Gerhard-Hauptmann-Weg geprüft. „Doch egal welches Provisorium wir angedacht hatten – es ist zu aufwendig. So bräuchten wir beispielsweise einen Kran, der die Baumaterialien über die Bäume hebt.“ Die beauftragten Firmen seien bereits sensibilisiert worden, hier besonders Obacht zu geben. „Und“, verspricht Balzer, „wir werden Ihnen als Nachbarn einen festen Ansprechpartner geben, sollte es Schwierigkeiten geben.“

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