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Feuerwehrler Michael Geisenhofer kann immer noch nicht glauben, was da passiert ist.

Unfassbare Aktion

BMW-Fahrer hält Feuerwehrmann im Einsatz auf - dann verfolgt und beleidigt er ihn

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In Hohenschäftlarn wurde ein Feuerwehrmann von einem BMW-Fahrer nicht nur auf dem Weg zum Einsatz aufgehalten, sondern auch noch übelst beleidigt - und dann verfolgt.

Es gibt Zufälle, die keine sind: Daniel Buck, Erster Kommandant der Feuerwehr Hohenschäftlarn, beschließt am vergangenen Freitag, etwas früher aus der Arbeit nach Hause zu gehen. Wie so viele hat ihn die Grippe gepackt. Auf dem Rückweg will er seiner Mutter, die gleich in der Nachbarschaft wohnt, noch ein paar Einkäufe vorbei bringen. Normal müsste die 79-Jährige Zuhause sein. Buck klingelt. Keine Antwort. Er geht ums Haus, lässt das Telefon läuten. Nichts. Dann der Schock: Durch das Küchenfenster sieht er seine Mutter blutüberströmt auf dem Boden liegen. „Ich habe umgehend Notarzt und Feuerwehr verständigt.“

Feuerwehrmann in Hohenschäftlarn auf Weg zu Einsatz beleidigt

Einer, bei denen ein paar Minuten nach dem Notruf kurz vor Mittag der Piepser geht, ist Michael Geisenhofer. Der 45-Jährige leistet seit seinem Umzug nach Hohenschäftlarn vor zehn Jahren ehrenamtliche Arbeit, zuerst bei den First Respondern, dann bei der Freiwilligen Feuerwehr Hohenschäftlarn. Das Auto steht in der Einfahrt. Zeit, den Dachaufsteller „Feuerwehr im Einsatz“ anzubringen, ist nicht mehr. „Ich hätte ihn erst aus der Garage holen müssen, doch das hätte zuviel Zeit gekostet.“ Geisenhofer fährt los - kommt aber nicht weit. „Aus einer Einfahrt fuhr ein 3er-BMW rückwärts auf die Straße“, erzählt er. „Ich habe kurz gehupt.“ Doch das passte dem anderen Verkehrsteilnehmer nicht. „Er hat wild gestikuliert und ist einfach mitten auf der Straße stehen geblieben.“ Der Feuerwehrler hupt noch einmal. Das wiederum verleitet den Kontrahenten dazu, auszusteigen. „Ich habe ihm zugerufen, dass ich Feuerwehrmann bin und einen Einsatz habe.“ Das lässt der BMW-Fahrer nicht gelten. Ein Wort gibt das andere. „Ich habe ihm nochmals gesagt, dass er hier Rettungskräfte behindert.“ Und: „Schleich Dich!“ Das macht der etwa 50-Jährige dann auch – und zwar wortwörtlich. Seelenruhig geht er zu seinem Auto, steigt ein und fährt im Schritttempo auf die Kreuzung zur B11 zu. Endlich kann Geisenhofer überholen.

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BMW-Fahrer beschimpft Feuerwehrmann auf Weg zum Einsatz: „Hat mich übelst beschimpft“

So schnell er es verantworten kann, fährt er die Starnberger Straße hoch, biegt in die Schorner Strasse Richtung Feuerwehrhaus ab. „Zufällig sah ich in den Rückspiegel – der BMW war hinter mir.“ Der Feuerwehrler parkt, rennt zum Umziehen ins Gerätehaus. „Der BMW-Fahrer stand draußen und hat mich übelst beschimpft.“ Er hört auch nicht auf, als sich ein Kamerad Geisenhofers einmischt und noch einmal auf den Feuerwehreinsatz aufmerksam macht. Ein Wort gibt das andere. „Endlich ist er mit den Worten ,Ich zeig dich an, ich werde mich beim Bürgermeister beschweren’ abgezogen.“

Geisenhofer und seine Kollegen fahren zu der alten Dame. Buck ist es mittlerweile gelungen, in die Wohnung einzudringen und den Rettungskräften die Türe zu öffnen. „Meine Mutter ist gestürzt und dabei mit dem Kopf auf das Fensterbrett aufgeschlagen“, sagt er. Nachdem sie durch den Notarzt versorgt und abtransportiert wurde, gesellt er sich kurz zu seinen Kameraden – und ist entsetzt, als er hört, was Geisenhofer passiert ist. „Ich kann ja verstehen, dass der BMW-Fahrer nach dem ersten Hupen verständnislos war“, sagt dieser. „Aber als er dann erfahren hat, dass ich schnellstmöglichst zum Einsatz muss, warum hat er dann so reagiert?“ Der Schäftlarner schüttelt verständnislos den Kopf. „Es hätte auch eine lebensgefährliche Verletzung sein können, wo jede Minute zählt.“

Ehrenamtliche werden immer öfter bedroht und beschimpft

Geisenhofer erinnert an das Vorkommnis in Garching und all die anderen Fälle in letzter Zeit, wo die Ehrenamtlichen bedroht und beleidigt worden sind, nur weil Verkehrsteilnehmer ärgerlich über eine Straßensperre waren. „Vielleicht sollte man sich einmal überlegen, was dort vorne passiert. Steht das eigene Vorwärtskommen wirklich über der Rettung eines Menschen? Ich glaube nicht.“

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