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400 PS stark sind die Vibro-Trucks, die mithilfe von Rüttelplatten in der Mitte des Fahrzeugs Schallwellen in die Tiefe schicken.

Messungen mit Vibro-Trucks

Erschütternde Suche nach Thermalwasser

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Zusammen mit den Stadtwerken München und der Erdwärme Grünwald will die Innovative Energie für Pullach (IEP) südlich von Pullach und Grünwald auf die Suche nach Thermalwasser gehen. Dafür werden Vibro-Trucks eingesetzt. Mit welcher Intensität die Erde bebt, das hat viele Bewohner im Vorfeld verunsichert. Jetzt konnten sie sich selbst ein Bild machen.

SchäftlarnDer 400 PS-Motor startet mit einem tiefen Brummen. Langsam senkt sich die Rüttelplatte und presst sich auf den Boden. Und dann ist es soweit: Die Erde bebt. Die Zuschauer filmen und fotografieren. Nach einer Minute ist der Spuk vorbei, der Motor des 29 Tonnen schweren Koloss erstirbt. „Und das war es auch schon“, verkündet Helmut Mangold, Geschäftsführer der Innovativen Energie für Pullach (IEP) den knapp zwei Dutzend Zuschauern. „Dann fährt er 20 Meter weiter und setzt erneut auf. Ähnlich wie eine Wanderbaustelle.“

Ein rund 100 Quadratkilometer großes Gebiet südlich von Pullach und Grünwald soll ab Freitag, 9. Februar, auf diese Weise untersucht werden. „Mit der seismischen Erkundung hoffen wir, relevante Thermalwasservorkommen zu entdecken.“ Das über 120 Grad heiße Wasser soll für die Energiegewinnung genutzt werden.

Und so funktioniert es: Die Vibro-Trucks schicken Schallwellen in Frequenzen zwischen zehn Hertz und 100 Hertz in Tiefen von 1000 bis 4000 Metern. Die Gesteinsschichten reflektieren diese und werden anschließend von Geophonen wieder aufgefangen. Später erfolgt die Auswertung der Daten am Computer. „Und schon haben wir ein dreidimensionales Bild.“

Mangold ist von dem Vorhaben überzeugt: „Erdwärme ist sehr effizient. Mit ein bisschen Strom kann ich sehr viel Wärme erzeugen.“

Am Steuer der zehn Meter langen Spezialfahrzeuge werden Mitarbeiter der Firma Compagnie Générale de Géophysique (CGG) aus Paris sitzen. In ein paar Tagen, wenn die 1000 Geophone an vorher festgelegten Stellen angebracht worden sind, geht’s los. Vier Fahrzeuge werden etwa zweieinhalb Wochen die Erde durchrütteln. „Wir brauchen eine gewisse Anzahl an Messpunkten, um auch eine Aussagekraft zu erhalten“, so Mangold. In diesem Fall 13 000 Anregungspunkte, deren Daten von 9000 Empfangspunkten registriert werden.

Angewandt wird erstmals im Raum München ein neues, Verfahren, das zudem „schneller und günstiger ist“, sagt Mangold: Das Simultan news Random Sweep. „Vier Fahrzeuge fahren zeitgleich los und beginnen an verschiedenen Stellen“, erklärt Simon Aldinger von CGG. „Die Gesamtmessungen liefern uns dann die Ergebnisse. Früher fuhren die Trucks im Konvoi, immer drei bis vier Fahrzeuge hintereinander. Zudem arbeiten wir jetzt kabellos.“ Gerüttelt wird mit verschiedener Intensität. „An Wäldern und auf Wiesen mit voller Kraft, in der Nähe von Häusern reduziert.“ Zugleich werden immer wieder parallel dazu Erschütterungsmessungen durchgeführt. „Gerade bei sensiblen Gebäuden ist das unumgänglich. Notfalls lässt man diesen Punkt eben aus.“

Der 38-jährige Ingenieur aus dem Elsass bringt jede Menge Erfahrung mit. „Ich war in den vergangenen Jahren in Vietnam, in Italien und in Angola.“ Und jetzt eben in im Raum München. Aldinger lacht. „Also fast schon Zuhause.“ Wer sich mit so großen Trucks auskennt, denkt auch in anderen Dimensionen. Die Zuschauer ihrerseits genießen nach der Demo Krapfen und Getränke, zu der die IEP eingeladen hat. „Jetzt“, sagt eine Dame und beißt genussvoll in das Gebäck, „kann uns nichts mehr erschüttern.“

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