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An Baugerüste müssen sich Schüler und Besucher des Kloster Schäftlarns zumindest für die nächsten Jahre gewöhnen. Voraussichtlich 2022 sollen hier die Sanierungsarbeiten beginnen. Aktuell laufen Voruntersuchungen.

Denkmalgeschütztes Gebäude ist marode

Kloster Schäftlarn wird saniert - für 40 Millionen Euro

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Das denkmalgeschützte Kloster Schäftlarn muss in den nächsten Jahren aufwendig saniert werden. Kosten: rund 40 Millionen Euro. Um bei den Arbeiten keine bösen Überraschungen zu erleben, finden derzeit intensive Voruntersuchungen statt.

Schäftlarn– Der Stein des Anstoßes kam im wahrsten Sinne des Wortes von oben. Im August 2011 löste sich von der Decke ein Teil des Putzes - daraufhin wurden sämtliche Decken untersucht und, wenn nötig, abgesichert. „Schnell war klar, dass wir um eine Sanierung nicht herum kommen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass das Kloster über 300 Jahre alt ist“, sagt Verwaltungsleiter Stefan Rührgartner.

Erbaut wurde es innerhalb von fünf Jahren (1702 bis 1707) nach den Plänen von Giovanni Antonio Viscardi, einem italienisch-graubündner Baumeister des Barocks, der überwiegend in Bayern arbeitete. Zu seinen Werken zählt auch der Ausbau von Schloss Nymphenburg oder der Bürgersaal (auch Bürgersaalkirche genannt) in München.

Treppenhaus auf gestampftem Lehm

Hinter den Wänden verbirgt sich Interessantes: Verwaltungsleiter Stefan Rührgartner zeigt auf einen Deckenbalken aus dem Jahr 1703.

Doch bevor die Umzugskisten gepackt und die Bagger anrollen, wird die Substanz des Klosterbaus gründlich untersucht. Denn Überraschungen sind bei so einem alten Gemäuer an der Tagesordnung: Bei der Untersuchung der Fundamente stellte sich heraus, dass die äußeren „richtig mächtig sind: 2,80 Meter tief und 1,50 Meter breit“. Innen hingegen gibt es zum Teil nur punktuelle Fundamente – oder gar keine. So steht das Treppenhaus auf gestampftem Lehm. Nur: Um das Gebäude, beziehungsweise die Decken zu stabilisieren, sollen Eisenträger eingezogen werden. „Und die wiegen einige Tonnen. Da muss die Basis einfach stimmen.“ Ein weiterer Vorteil der Eisenträger: Sie sollen die Schwingungen minimieren, die mitverantwortlich für das Lösen des Putzes sind. Auch eine Trittschalldämmung wird eingeplant.

Auch Isarkiesel wurden verbaut

Im ganzen Gebäude werden derzeit in über 50 Sondieröffnungen die Bodenbalken auf Herz und Nieren geprüft. Rührgartner deutet auf die nun gut sichtbare Beschaffenheit der Wände. „Hier wurden nicht nur Ziegelsteine, sondern auch Isarkiesel verbaut.“ Und: „Es ist schon beeindruckend – die Arbeiter haben damals statt Kräne vielleicht nur Seilzüge gehabt, alles musste ohne maschinelle Unterstützung geleistet werden. Da steckt eine enorme Leistung dahinter.“

Sorge vor Fäulnis in den Balken

Die Bodenbalken auf Herz und Nieren prüft Stefan Dimmeler. Hier bohrt er gerade einen der 400 Fußpunkte an – die Auflagepunkte der Sparren.

Doch zurück zu den Holzbalken. „Welche sind durch Feuchtigkeit angegriffen worden, wo hat sich eventuell ein Schwamm eingenistet? Was muss ersetzt, wo etwas abgestützt werden?“ Fragen, mit denen sich auch die Mitarbeiter der Firma Dr. Schütz Ingenieure aus Kempten beschäftigen. Sie sind gerade dabei, im Dachstuhl jeden einzelnen der 400 Fußpunkte, das sind die Auflagepunkte der Sparren, zu untersuchen. „Mit einer etwa drei Millimeter dünnen Bohrnadel können wir bis zu 40 Zentimeter in das Holz gehen“, erklärt Stefan Dimmeler. Gleichbleibender Bohrwiderstand bedeutet ,Alles in Ordnung’, gleitet die Nadel plötzlich leicht durch das Holz, kann Fäulnis die Ursache dafür sein. Dann ist Handlungsbedarf angesagt. „Jeder Befund wird genau dokumentiert“, so Dimmeler. Bis zum 15. März werden die Mitarbeiter ihre Voruntersuchung abgeschlossen haben – oder vielmehr haben müssen. Denn: Das Kloster bietet nicht nur den Mönchen und 550 Schüler Platz, sondern beherbergt auch Dohlen, Mauersegler und Fledermäuse. „Letztere kommen Mitte März aus dem Winterquartier zurück. Dann geht hier oben nichts mehr“, betont Rührgartner.

Umfangreiche Modernisierungen

Doch nicht nur das Bestehende soll saniert werden, es sollen auch neue Elemente hinzukommen. Der Einbau eines Aufzugs ist geplant, um in Zukunft Barrierefreiheit gewährleisten zu können. „Wir haben zwar einen Lift, aber mit dem sind nicht alle Klassenzimmer zu erreichen.“ Apropos Klassenzimmer: Diese sollen zusammengefasst und modernisiert werden. „Derzeit sind sie überall im Haus verteilt – was für unsere Schüler auch längere Wege bedeutet.“ Die Klassen mit den jüngeren Schülern sollen in der Nähe des Lehrerzimmers platziert werden, die Oberstufe im Nebengebäude.

Und dann ist da noch der Brandschutz. „Wir haben hier wunderschöne, lange Gewölbegänge. Nur, wenn wir Brandschutzmauern einziehen, um Brandabschnitte bilden zu können, hätten wir keine langen, wunderschönen Gewölbegänge mehr. Das wäre eine optische Katastrophe“, sagt Rührgartner. Gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege und anderen zuständigen Behörden wurde eine Lösung in Form von Glastüren gefunden, zudem werden flächendeckend Rauchmelder installiert.

Mindestens acht Jahre Bauzeit

Gearbeitet werden soll in vier Abschnitten. „Wir beginnen mit dem Erweiterungsgebäude, dann folgen der Nord-, Ost und Südflügel.“ Rührgartner rechnet mit einer Bauzeit von zwei bis zweieinhalb Jahren pro Abschnitt. „Allerdings haben wir den Vorteil, dass wir für unsere Schüler genügend Ausweichmöglichkeiten haben. Sie müssen also nicht in Container ziehen.“ Die Kosten für die Generalsanierung werden geschätzt bei 40 Millionen liegen. „Da ist dann aber jede Stuckleiste mit einkalkuliert.“ Belastbare Zahlen kann Rührgartner erst nennen, wenn alle Untersuchungsergebnisse vorliegen. Das Kloster übernimmt einen Eigenanteil von rund 20 Prozent, der Rest soll über Spenden, Fördergelder und Zuschüsse finanziert werden. Wann der genaue Baubeginn ist, hängt laut Rührgartner auch vom Ergebnis der Ausschreibungen ab. „Das kann schon mal ein halbes Jahr dauern. Vor 2022 also nicht.“

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