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Gut eine halbe Stunde mehr Zeit müssen Betroffene für die Umleitung einplanen. Kürzer wäre der Weg durch den Wald. Doch der ist nur mit Sondergenehmigung befahrbar.

Straßensanierung

Schleichweg verboten: Neufahrner sind sauer

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Eigentlich ist es das große Problem von Schäftlarn, dass die Gemeinde im Verkehr ersäuft. Jetzt ist es auf der Starnberger Straße sehr viel ruhiger geworden. Denn die Staatsstraße wird saniert und ist deshalb bis 5. Oktober nicht befahrbar. Doch auch das macht die Neufahrner nicht froh.

Schäftlarn– Denn man kommt momentan auf direktem Weg nicht von Neufahrn nach Schäftlarn, wer von Ortsteil zu Ortsteil will, muss einen Bogen schlagen, über Berg und Aufkirchen. Das kostet einen eine gute halbe Stunde.

Entsprechend genervt sind viele Betroffene in der Gemeinde, die die Strecke regelmäßig fahren müssen. Wobei es zur Stimmung nicht eben beiträgt, dass es ja an sich einen Schleichweg durch den Wald gäbe, der Neufahrn und Zell verbindet – den aber nicht alle, die das gerne würden, nutzen dürfen. Man braucht dafür eine Sondergenehmigung, die Ärzte, Geschäftstreibende, Mitarbeiter im Altersheim in Ebenhausen oder Hebammen auch bekommen haben. Rund 200 dieser Passierscheine hat die Verwaltung ausgestellt, berichtet Zweite Bürgermeisterin Maria Reitinger (UWG). „Aber wir konnten natürlich nicht jeden berücksichtigen, es wäre einfach zu viel geworden.“

Genau die Tatsache, leer ausgegangen zu sein gegenüber anderen, erbittert viele, die derzeit mehr Zeit im Auto verbringen als sie das gewohnt sind. Ein älterer Neufahrner etwa, der seinen Arzt in Ebenhausen hat, schimpft: „Die kleinen Leute wurden benachteiligt.“ Vergangene Woche hätte er einen Arzttermin gehabt, er sagte ihn am Ende ab, er wollte nicht eine Stunde dafür unterwegs sein. Dann erzählt er noch von einer Frau in der Nachbarschaft, die von ihrer Tochter gepflegt wird. Die Tochter wohne in Irschenhausen, auch sie habe keinen Passierschein erhalten. Und muss jetzt mehrmals in der Woche unfreiwillig den Schlenker über Aufkirchen machen.

„Die Trasse durch den Wald ist einfach so schmal, da ist es schon grenzwertig, wenn sich dort zwei Autos begegnen“, sagt dazu Andreas Aigner, Leiter der zuständigen Polizeiinspektion in Grünwald. Und momentan nimmt ja auch der 904er Bus, der Schäftlarn mit Starnberg verbindet, die Ausweichroute. Die Gemeinde, sagt er, habe die Ausnahmegenehmigungen „mit Augenmaß“ vergeben, mehr Verkehr vertrage die Strecke eben nicht. Seine Kollegen haben dort schon Autofahrer kontrolliert und werden das auch weiterhin „sporadisch“ tun. Schwarzfahrer, die erwischt werden, zahlen 20 Euro.

Derweil hat die Gemeinde auch Geschwindigkeitskontrollen in Auftrag gegeben bei der kommunalen Verkehrsüberwachung, mehr als 30 Stundenkilometer sind auf der Straße nicht erlaubt.

Und während das Rathaus wiederum einem Neufahrner Gartenbesitzer wenigstens für die Samstage eine Fahrerlaubnis ausgestellt hat, damit er zur Kompostieranlage in Schäftlarn kommt, gibt es auch Betriebe und Einrichtungen, die mit der Straßensperrung völlig ins Abseits geraten sind. Das Blumenfeld etwa an der Staatsstraße ist momentan nur mit dem Radl erreichbar. Und der TSV ist für Neufahrner und Starnberger auch in weitere Ferne gerückt als gewohnt. Tennisplätze werden weniger gebucht. Wirtin Eva Marcusi sagt, auch in der Gaststätte blieben momentan mehr Tische frei als üblich. Was sie zudem nervt, ist, dass immer wieder Lkw-Fahrer versuchen, über die Feldwege zur Autobahn zu kommen – was unmöglich ist. „Die drehen dann alle bei uns um. Letztens hat einer fast einen halben Baum mitgenommen.“

Maria Reitinger findet, man kann in der Zeit, in der die Straße gesperrt ist, doch einfach aufs Fahrrad umsteigen. Auch sie wohnt in Neufahrn. Ins Rathaus ist sie die meisten Tage durch den Wald geradelt.

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