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Ingrid und Wolfgang Franz bei ihrer Hochzeit 1968.

Ökumenische Trauung

Liebe kennt keine Konfession

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Vor 50 Jahren heirateten Ingrid und Wolfgang Franz. Und sie waren eines der wenigen Paare, die auf einer ökumenischen Trauung bestanden, da beide verschiedenen Konfessionen angehören. Ein Thema, dass auch heute für viele Paare aktuell ist.

Schäftlarn – Eigentlich wollte Ingrid Franz gar nichts von ihrem Wolfgang wissen. „Er war mir zu jung“, sagt die 77-Jährige über ihren drei Jahre jüngeren Ehemann. Glücklicherweise hatte sie es sich damals aber noch anders überlegt: Nun feiern beide Goldene Hochzeit. Zudem sollte die Eheschließung mit dem jungen Kölner auch in anderer Hinsicht großen Einfluss auf ihr Leben nehmen. Kennengelernt hat sich das Paar im Fasching. „Sein Bruder hatte zuerst ein Auge auf mich geworfen“, erzählt Ingrid Franz. Doch ins Gespräch kam die hübsche junge Frau mit Wolfgang. Beide verstanden sich sofort.

Aber: „Obwohl er mir gefiel – er war mir zu jung. Ich stand bereits im Berufsleben und er hat gerade Abitur gemacht.“ Doch der 18-jährige Wolfgang blieb hartnäckig. „Er besuchte mich einfach an meiner Arbeitsstelle als Buchhändlerin.“ Der Rest ist Geschichte: Ingrid und Wolfgang Franz verlobten sich 1964, vier Jahre später wurde geheiratet. Doch genau diese Heirat bestimmte beider Leben noch auf andere Weise: Ingrid Franz ist katholisch, Wolfgang Franz evangelisch erzogen worden. „Mich hat das nicht gestört“, sagt sie. „Aber warum sollte man zusammen nicht an einer Eucharistiefeier teilnehmen dürfen?“ Zu der Zeit kein leichtes Unterfangen.

Setzen sich gemeinsam für die Ökumene ein: Wolfgang und Ingrid Franz aus Schäftlarn. 

Beide machten sich kundig, ob man sich nicht in einen ökumenischen Gottesdienst trauen lassen könne. Sogar bis in den Vatikan ging ihre Anfrage. Und der hatte nichts dagegen: Ingrid und Wolfgang Franz durften sich mit jeweils einem Vertreter beider Glaubensrichtungen in St. Maria Thalkirchen trauen lassen.

Um ihre Erfahrungen anderen Paaren zur Verfügung zu stellen, gründeten sie noch im gleichen Jahr den „Ökumenischen Familienkreis München“, erarbeiteten Schriften zur Kindererziehung, Taufe und Trauung. „Immer mehr Paare mit unterschiedlichen Konfessionen suchten bei uns Rat“, sagt Wolfgang Franz. Dieses Engagement blieb der Kirche nicht verborgen: Ingrid Franz wurde als erste Laienvertreterin von Julius August Kardinal Döpfner in die ,Ökumenische Kommission der Diözese München und Freising’ berufen. Weitere Ämter folgten. Und mit jedem vergrößerten sich die Aufgaben: „Denn warum sollten sich auch die anderen Religionen untereinander nicht verstehen?“, fragt die heute zweifache Großmutter. Und so wurde sie 1986 katholisches Vorstandsmitglied bei der „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit“.

„Die größte Angst ist die vor dem Unbekannten“, sagt die 77-Jährige. „Also muss man in Gesprächen aufklären und für gegenseitiges Verständnis sorgen.“ Für all diese Verdienste wurde ihr 2004 von Kardinal Friedrich Wetter die Korbiniansplakette verliehen, die als höchste Auszeichnung des Erzbistums München-Freising gilt, 2015 folgte das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Auch ihre Goldene Hochzeit feierten sie im Zeichen der Ökumene. „Wir haben unseren Bund“, erzählt Wolfgang Franz, „in einem gemeinsamen Gottesdienst von Pfarrerin Elke Stamm und Pfarrer Peter Johannes Vogelsang erneut in St. Maria Thalkirchen segnen lassen.“ Dass unter den Gästen Freunde und Wegbegleiter verschiedenster Konfessionen saßen, braucht nicht extra erwähnt zu werden.

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