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Helfen, weil man vielleicht selbst mal Hilfe braucht: Das treibt die beiden Stammzellspender Martin Uerkvitz (r.) aus Geretsried und Ludwig Irmer aus Schäftlarn an.

Stammzellenspender aus Schäftlarn

Leben retten – eine Herzensangelegenheit

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Martin Uerkvitz und Ludwig Irmer werden zwei ihnen völlig unbekannten Menschen Stammzellen spenden. Obwohl die beiden dafür einiges auf sich nehmen, zählt für die Männer nur ein Gedanke: „Dass wir so einem Menschen die Chance geben können, zu überleben.

Schäftlarn – Geahnt haben es weder Martin Uerkvitz (37) aus Geretsried noch Ludwig Irmer (30) aus Schäftlarn, was ihnen da Anfang des Jahres per Post ins Haus flatterte. Der Absender: die Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB). Der Inhalt des Schreibens: Beide Männer kommen für jeweils einen Patienten als potenzielle Stammzellenspender in Frage.

Uerkvitz hatte sich 2003 im Rahmen einer Blutspende registrieren lassen. „2006 wurde ich schon einmal angefragt, war dann aber doch nicht der optimal passende Spender.“ Irmer ließ sich im Februar 2013 bei der Typisierungsaktion für die an akuter Leukämie erkrankte Sabine Müller aus Ascholding registrieren. Letztendlich war unter den neu erfassten 1572 potenziellen Stammzellenspender für die Ascholdingerin kein geeigneter dabei. „Aber vielleicht für jemand anderen“, sagte sie damals. Sabine Müller verlor den Kampf gegen die heimtückische Krankheit, doch ihr selbstloser Wunsch ging dreifach in Erfüllung: Acht Monate nach der Typisierungsaktion fanden sich zwei passende Spender für Patienten, Ludwig Irmer ist der Dritte.

Ein Rückzieher kommt für die beiden Männer nicht in Frage. Irmer, der in der Qualitätssicherung bei Roche in Penzberg arbeitet, ist Mitglied beim Technischen Hilfswerk (THW) in Geretsried, Uerkvitz arbeitet als Elektotechniker bei Bauer Kompressoren in Geretsried und engagiert sich beim Roten Kreuz. „Die Entscheidung, jemand anderem zu helfen, ist doch schon bei der Blutentnahme gefallen. Dazu sollte man auch stehen“, betont Uerkvitz und spricht Irmer aus der Seele. Dass sie die Empfänger der Knochenmarkspende nicht kennen – oder vielleicht erst in ein paar Jahren kennen lernen – stört sie nicht. „Ich hätte nur das komische Gefühl, dass er oder sie sich dann zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet fühlt“, sagt der Geretsrieder nachdenklich. „Ich sehe es eher als Geben und Nehmen; in der Hoffnung, dass für mich auch jemand da ist, wenn ich ihn brauche.“ Irmer sieht es ganz pragmatisch: „Ob ich dem Empfänger kenne oder nicht, ist nicht ausschlaggebend. Er braucht es einfach. Schluss.“

In Vorbereitung auf die Transplantation wird das Knochenmark den Patienten mittels Bestrahlung oder Chemotherapie zerstört. „Von da an gibt es für ihn kein Zurück mehr“, weiß Irmer. Beide Männer durchliefen genaue Voruntersuchungen. „Es war übrigens das erste Mal, dass mir ein Doktor zu meinen 100 Kilo gratuliert hat“, sagt Ludwig Irmer und lacht. „Bei einem höheren Körpergewicht können mehr Stammzellen gewonnen werden.“

Bekommen haben Irmer und Uerkvitz mittlerweile jeweils einen Koffer voller Spritzen. „Über vier Tage hinweg wird durch ein spezielles Medikament die Stammzellenproduktion angeregt“, erklärt Uerkvitz. Er muss sich täglich zwei, Irmer drei Spritzen setzen. Begleiterscheinung sind Gelenk- und Knochenschmerzen, ähnlich wie bei einer starken Grippe. Irmer: „Was ist das im Gegensatz zu dem, das der Empfänger durchlebt?“

Die Stammzellenentnahme, die bei Uerkvitz für den 5. März und bei Irmer einen Tag später vorgesehen ist, findet über die Armvene statt. „Es hält sich in weiten Teilen immer noch der Irrglaube, die Stammzellen würden aus dem Rückenmark entnommen“, sagt Uerkvitz. „Das ist schlichtweg falsch.“ Über einen Zugang wird das Blut entnommen, die Stammzellen herausgewaschen und über einem zweiten Zugang wieder zurückgeführt. Das dauert vier bis fünf Stunden. Zwischenanalysen zeigen, ob genügend Stammzellen gewonnen werden können. War die Stammzellenspende erfolgreich, haben die Spender sozusagen einen genetischen Zwilling.

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