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Als Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte wurde Colette Lorand berühmt. Jetzt feierte sie ihren 95. Geburtstag. 

Sopranistin feiert 95. Geburtstag

Ihre Stimme begeisterte die Queen

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In den 1950er Jahren wurde Colette Lorand unter anderem in der Rolle der Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte berühmt. Viele Jahrzehnte gastierte die Schweizer Sopranistin an den großen Opernhäusern in Europa, dem ägyptischen Kairo und Sao Paolo in Brasilien. Heute lebt sie mit ihrem Mann Manfred Doetterl-Lorand (84) zurückgezogen in Ebenhausen. Soeben hat sie ihren 95. Geburtstag gefeiert.

Ebenhausen – Schon Vor- und Nachname von Colette Lorand sind ein Kunstwerk. Ihre Mutter hatte die Idee für den Vornamen und nannte sie nach einer berühmten französischen Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts. Den passenden Künstler-Nachnamen fand die Gesangslehrerin in Zürich, die in ihrer Wohnung einen Flügel stehen hatte. Neben den aufgeschlagen Klaviernotenblättern lagen Zigaretten der Marke Laurant. „Ja, das passt doch.“

Bis sich die Künstlerin als Sopranistin auf der Bühne entfalten konnte, war es ein weiter Weg. Zwei Jahre alt, zog sie mit ihren Eltern nach Paris, wuchs zweisprachig auf, kam mit zehn Jahren nach Nizza und hat daran eine lebhafte Erinnerung: „An den Bäumen die Zitronen, die kleinen Eidechsen, die Mimosen in den Büschen, und unten das Meer. Was für eine schöne Zeit.“ Die ersten Kriegsjahre erlebte die Familie in Hannover und wurde „total ausbombardiert“. Als Schweizer konnte die Familie zurück zu den Wurzeln fliehen und auf diese Weise die schlimmsten Folgen des Krieges vermeiden. Hier fing Colette Lorand mit dem Studium an. Das erste Engagement erhielt sie in Basel.

Beim Durchblättern der Fotoalben mit wunderschönen alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind alle Stationen genau festgehalten. Eine besonders innige musikalische Freundschaft verband sie mit Georg Solti. Er holte sie nach Frankfurt. „Ein Dirigent, den ich sehr liebte. Er war ein Musiker, also nicht einer, der den Takt schlug, sondern einer mit dem ganzen Herzen.“ Und plötzlich entspringt ihr eine Melodie, die Marika Rökk dereinst zum Schlager gemacht hatte: „Ich brauche keine Millionen, mir fehlt kein Pfennig zum Glück. Ich brauche weiter nichts als nur Musik, Musik, Musik.“ Es ist ein Lebensgefühl, das wie aus der Zeit gefallen scheint. Aber es packt den Zuhörer, elektrifiziert ihn, und man bekommt eine Ahnung davon, was für eine starke Bühnenpräsenz die Sängerin in der große Zeit ihrer Karriere ausgestrahlt haben muss.

Damals, als in München nicht in der Staatsoper gesungen wurde, die völlig zerstört war, sondern im Prinzregententheater unter dem Dirigenten Hans Knappertsbusch. „Es war eine sehr lebendige Zeit, die Leute waren voller Wollen. Ob das Schauspieler, Sänger oder Tänzer waren, es waren einfach Künstler.“ Carl Orff, Aribert Reimann, Sari Barabas, sie alle kamen über Jahrzehnte nach Ebenhausen zu Colette Lorand, der künstlerische Austausch war intensiv. Auch Sänger Dietrich Fischer-Dieskau kam gerne von Starnberg hierher.

Die Empfänge im Ausland hatten es ebenfalls in sich. Nach einer Aufführung in England durften die Künstler die königliche Familie begrüßen. Ein Hofknicks gehörte dazu. Für Colette Lorand eine Selbstverständlichkeit, was die Queen anging, nicht aber im Falle von Prinz Philip. Dieser reagierte prompt und mit großartiger Weltläufigkeit. Er ging auf sie zu und sagte begeistert: „Zwei Königinnen.“

Amüsiert hört Colette Lorand, wie ihr Gatte die Anekdote vorträgt: „Mein Mann weiß viel mehr als ich selbst über mich.“ Der Gesang, die Kultur, das Leben, alles eins. Im geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer weist Manfred Doetterl-Lorand auf zwei Putten aus dem Wiener Burgtheater hin – aus der Zeit von Intendant Raoul Aslan. Eine weitere Engelsskulptur unweit des Flügels stammt aus dem Nachlass von Wilhelm Furtwängler.

„Einsam in trüben Tagen, das müsste man jetzt jeden Tag singen“, trällert die Diva in den grauen Nachmittag auf die Terrasse. „Einsam“, das will sie nun nicht sagen, aber „die trüben Tage, die haben wir ja laufend hier. Wir leben in einem trüben Land.“ Gleichzeitig weiß sie das wunderschöne Ebenhausen zu schätzen, nicht weit entfernt von der Kulturhauptstadt München, und auf der anderen Seite die schöne Bergkulisse. Hier, in München, fand auch ein nicht unwesentlicher Teil ihrer Karriere statt, neben den weiteren Zentren, Stuttgart, Berlin und Hamburg.

Ihren Abschied von der Bühne wollte Colette Lorand ursprünglich dort feiern, wo sie begonnen hatte, in Basel. Doch dann kam das Angebot, in dem „schönsten Opernhaus der Welt“, wie Lorands Mann findet. In Paris. Ihr Mann fasst zusammen: „Ach Colette, wo warst du nicht?“

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