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Der letzte Besuch: Auf dem Rückweg von seiner Behandlung in Verona besucht Nazar die Familie Reitinger. Mit Gastgeber Jospeh war er Fußballspielen.

Leukämiekranker Bub aus Pidkamin hat den Kampf verloren 

Schäftlarn trauert um Nazar (15)

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Zwei Jahre hat Nazar Molinskij gegen den Krebs gekämpft. Immer an seiner Seite: Viele Schäftlarner, die mit Spenden seine Therapie finanzierten. Doch er hat den Kampf verloren. Frank Dopfer reiste quer durch Europa, um Abschied zu nehmen. Ein Ort erinnert sich.

Schäftlarn – Lange überlegen musste Frank Dopfer nicht. Für ihn war es selbstverständlich, mit Viktoria Sidorova zu Nazars Beerdigung in dessen ukrainische Heimat Pidkamin zu reisen. 16 Stunden Hinfahrt, 21 zurück. Kein Problem. „Dieser Junge ist uns einfach ans Herz gewachsen“, sagt Dopfer. „Da mussten wir hin, keine Frage.“

Dopfers Stimme zittert, wenn er an die Reise, an die Beerdigung, vor allem aber an Nazar denkt. Seit zwei Jahren bewegt das Schicksal des ukrainischen Buben Dopfer, seine ehrenamtlichen Mitstreiter von der „Osteuropahilfe“ und ganz Schäftlarn. Sie alle unterstützen Nazar, finanziell und emotional, in seinem Kampf gegen den Blutkrebs.

Körperliche Verfassung verhindert zweite Knochenmarktransplantation

Auf die Diagnose im Sommer 2015 folgten Chemotherapien und eine Knochenmarktransplantation, die die Spenden aus Schäftlarn erst möglich machten. Tapfer stemmte sich Nazar gegen den übermächtigen Gegner. Zwischenzeitlich kam berechtigte Hoffnung auf. Im Oktober 2016 aber folgte der nächste, letztlich entscheidende Rückschlag.

Nazars Körper hatte dem unermüdlichen Kampf Tribut gezollt. Seine körperliche Verfassung machte eine zweite Knochenmarkspende unmöglich. Seither befand er sich in palliativer Behandlung in einer Klinik im ukrainischen Lemberg. Dort starb Nazar am 1. Juli um 15 Uhr, seine Lunge versagte. Nach Auskunft der Ärzte hatte er jedoch keinerlei Schmerzen.

Nazar, ein „netter, aufgeschlossener Bub“

Für Nazars Familie und seine Freunde ist es das traurige Ende einer Reise, geprägt von Hoffnung und Rückschlägen, die ihren Anfang in Schäftlarn nahm. Genauer gesagt im Haus der Familie Reitinger.

Vier Burschen, darunter der damals 13 Jahre alte Nazar, kamen im Juli 2015 bei Maria und Joseph Reitinger unter. Zum ersten Mal war damals eine Gruppe ukrainischer Schüler im Rahmen der Osteuropahilfe, in der sich eine Projektgruppe aus der Gemeinde engagiert, zu Besuch. Maria Reitinger, Schäftlarns Zweite Bürgermeisterin, erinnert sich an Nazar als einen „netten, aufgeschlossen Buben“, mit einer großen Leidenschaft für Fußball. „Aber er hat damals schon immer ernst geschaut, als hätte er es geahnt“, sagt Reitinger heute. Nach der Rückkehr in die Ukraine folgte die niederschmetternde Diagnose: myeloische Leukämie.

Vor einem Jahr kam Nazar nochmals zu Besuch; auf dem Rückweg von seiner ersten Knochenmarktransplantation in Verona. „Da hat er dann nochmal Fußball gespielt mit meinem Mann und den Enkeln. Und gelacht hat er“, erinnert sich Maria Reitinger. „So müssen wir ihn in Erinnerung behalten.“

Schon im Mai war klar: Nazar wird nicht mehr gesund

Frank Dopfer reiste zur Beerdigung in die Ukraine.

Doch in Erinnerung bleiben auch die Bilder aus weniger glücklichen Zeiten. Etwa vom letzten Besuch in Pidkamin. Schon damals zeichnete sich ab: Nazar wird nicht mehr gesund. Jedem war klar, dass der Abschied näher rückt. „Keiner konnte sagen, wir lange er noch lebt“, sagt Dopfer. Als ihn Anfang Juli die Nachricht von Nazars Tod erreichte, zögerte er nicht. Mit dem Auto ging es von Schäftlarn aus in den 1450 Kilometer entfernten Heimatort des Buben.

„Ich glaube, für die Mutter und Tochter war es ein großer Trost, dass wir da waren“, sagt Dopfer. Ivanka und Roksana Molinskij, Nazars Mama und Schwester, lebten zwei Jahre lang mit der qualvollen Ungewissheit, wie lange sie Nazar noch bei sich haben. „Wir haben ja mitbekommen, was an menschlichem Leid in dieser Situation steckte“, sagt Dopfer. Nazars Tod, ein Stück weit also auch Erlösung? Ja, meint Dopfer. „Der Riesendruck ist jetzt weg.“

„Er wird uns in Schäftlarn in guter Erinnerung bleiben“

Über 1500 Trauergäste nahmen Abschied von Nazar, dem „Lichtkind“, wie ihn Dopfer in seiner Trauerrede nannte, „weil er immer so fröhlich und umgänglich war“. Genauso will sich Dopfer erinnern an den jungen Ukrainer, dessen Schicksal einen ganzen Ort, fernab von seiner Heimat, bewegt hat. „Nazar wird uns in Schäftlarn in guter Erinnerung bleiben“, sagt Dopfer. „Eine Erinnerung, die nie verblassen wird.“

Beerdigt wurde Nazar – Fußballnarr, Lichtkind und allen voran Kämpfer – am 3. Juli auf dem Friedhof von Pidkamin. Zusammen mit seinem Lieblingsfußball.


Spenden-Rückgabe

Das Geld für die zweite Knochenmarktransplantation war vorhanden, leider machte Nazars körperliche Verfassung eine Behandlung unmöglich. Daher bietet die „Schäftlarner Projektgruppe Pidkamin“ allen Spendern an, dass sie ihr Geld zurückerhalten können. „Das gebietet die Fairness“, sagt Frank Dopfer. Wer sein Geld erstattet haben möchte, setzt sich mit Dopfer persönlich in Verbindung: 0 81 78/36 90; info@dopfer-isar.de. Da die Osteuropahilfe in der Ukraine weitere Hilfsprojekte unterstützt, werden die Spenden, die nicht zurückerbeten werden, für diese Projekte eingesetzt.

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