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Es sind seltene Momente, in denen Erich Rühmer mal zur Ruhe kommt. Er ist immer auf dem Sprung und fast tägli ch für den Isartalverein im Einsatz. 

Auszeichnung für sein vielseitiges Engagement

Verdienstmedaille für Erich Rühmer

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Er war Bürgermeister von Schäftlarn, ist Jugendtrainer und das Gesicht des Isartalvereins: Erich Rühmer wurde nun für sein vielseitiges Engagement mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 

Schäftlarn – Wenn man Erich Rühmer (81), den Altbürgermeister von Schäftlarn, trifft, ist er eigentlich immer auf dem Sprung. Gern mit dem Radl, sonst auch mal per Auto. Erst letzte Woche hat er wieder sieben Termine nur für den Isartalverein absolviert. Jetzt wurde er für sein vielfältiges Engagement, auch dafür, dass er 28 Jahre lang das Rathaus der kleinen Gemeinde geführt hat, ausgezeichnet. Mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Schön sei die Preisverleihung gewesen, sagt er und lacht, Landrat Christoph Göbel habe wirklich alle seine Tätigkeiten aufgezählt. Nichtmal die Faschingsgesellschaft „Sporthalla“, die Rühmer, als er jung war, aus dem TSV heraus mitgegründet hat und die auch in der Olympiahalle und im Deutschen Theater aufgetreten ist, hat er vergessen. „Ich war begeistert.“

Die Umtriebigkeit vom Vater geerbt

Aufgewachsen ist Erich Rühmer in Holzen mit einer Schwester, als Sohn eines vielseitig begabten und ebenso aktiven Vaters. Der zum einen Fischzucht betrieb, er bewirtschaftete nicht nur diverse Weiher hier in der Umgebung, sondern er hatte eine große Zucht bei Ulm mit 15 Hektar. Aber das war es eben nicht nur. Karl Rühmer unterhielt außerdem einen Verlag, der ausschließlich Bücher über Fische herausgab, teils mit besonders schönen Zeichnungen. Und dann hatte er auch noch eine Motorradfabrik, er war selbst begeisterter Motorradfahrer und beteiligte sich auch an Rennen.

„Mein Vater“, sagt Erich Rühmer, „war verwegen“, gut möglich, dass er die Umtriebigkeit von ihm geerbt hat. Immer wieder springt er auf während des Gesprächs, um etwas zu holen, was er einem zeigen will. Mal eins der Bücher, die der Vater gemacht hat, mal ein Wahlplakat aus seinem allerersten Wahlkampf.

Aber erstmal konnte die Familie nicht bleiben, wo sie war. 1944, im eigentlich letzten Kriegsjahr, wurde in Ulm der Fischzuchtmeister noch eingezogen – und Karl Rühmer musste sich selbst um die Teiche dort kümmern. Frau und Kinder kamen freilich mit. „Meine Schwester und ich mussten viel mithelfen, die Gitter putzen, den Forellen die Eier rausstreichen, jeden Abend die Brutkästen kontrollieren.“ Und die faulen Eier, falls man welche darin fand, vorsichtig mit einer Pinzette rausnehmen. Erich Rühmer war damals sechs Jahre alt.

Eigentlich sollte er die Fischzucht des Vaters übernehmen

Eigentlich war es in der Familie eine klare Sache gewesen: dass er nach der Schule mal die Geschäfte des Vaters weiterführen würde. Und die Ausbildung zum Fischereisachverständigen fing er dann ja auch an. Aber dann trat in Schäftlarn der parteifreie Bürgermeister Franz Illsung vor Ablauf der Legislaturperiode zurück, krankheitsbedingt. Und die Freien Wähler fragten jetzt eben Erich Rühmer, ob er nicht Lust habe, für den Rathaus-Chefposten zu kandidieren? Rühmer sagt, er sei bis dahin nicht besonders interessiert gewesen an Politik. Aber im Lokalen kannte er sich einigermaßen aus, er arbeitete nebenher als Journalist und Fotograf für den „Isar-Loisachboten“. Und weil sich abzeichnete, dass es nicht einfach wäre, den väterlichen Verlag im nötigen Maß zu modernisieren, weil der Vater eine Modernisierung eigentlich gar nicht wollte, sagte er zu.

1974 war das, die Gemeinde damals: ziemlich gebeutelt nach der Dauer-Diskussion um die Wohnanlage, die anstelle einer alten Villa, der Quisisana in Ebenhausen, auf ein Riesengrundstück gepflanzt worden war. Sowas hatte der idyllische Ort noch nicht gesehen, und es ist ja auch nie wieder ein Wohnprojekt dieser Größenordnung umgesetzt worden. Rühmer hatte damit nichts mehr zu tun, aber der Wahlkampf war noch von der kämpferischen Stimmung geprägt. „Wählt Sachlichkeit und Fairneß!“ ließ er in knallorangenen Buchstaben auf eines seiner Plakate drucken. Letztlich musste er dann in die Stichwahl gegen Josef Blobner von der CSU – die er gewann.

Nach Eberhard Reichert aus Gräfelfing, der 30 Jahre die Geschicke seiner Gemeinde gelenkt hat, ist Erich Rühmer der Bürgermeister im Landkreis, der am Zweitlängsten von allen im Amt war. Unter ihm hat Schäftlarn den Spagat geschafft, einerseits den Anschluss an die Gegenwart nicht zu verpassen, andererseits aber deshalb nicht die bäuerliche Prägung einzubüßen. Kanalisation und Wasserversorgung, außerdem die Ertüchtigung der wichtigsten Verkehrsstraßen: die Projekte, die Rühmer in den ersten fünf Jahren komplett in Anspruch nahmen.

Sein Herz schlägt schon immer für den Umweltschutz

Dann konnte er, sagt er, sich dem Thema zuwenden, das ihm immer schon am Herzen gelegen war: dem Umweltschutz. Er führte einen „Tag des Baumes“ ein, pflanzte Feldhecken mit Freiwilligen, die Gemeinde kaufte Grundstücke, wo es nur ging. Ein Umweltamt wurde eingerichtet im Rathaus, Schäftlarn bekam die erste gemeindliche Kompostieranlage weit und breit, die damals, was heute nicht mehr der Fall ist, die Gartenabfälle, die die Leute brachten, selbst verwertete. Geschrieben wurde in der Verwaltung sowieso nur auf umweltfreundlichem Papier. Einen Geschirrverleih gab es im Rathaus auch.

Im Mai 2002, nach viereinhalb Legislaturperioden, hätte Erich Rühmer eigentlich nochmal antreten können, seine Fraktion wollte das, und er war ja damals auch erst 64. „Aber ich hab gesagt, jetzt langt’s, ich wollte ja noch meinen Ruhestand genießen, mit den Kindern.“ Am 30. April war sein letzter Arbeitstag.

Lange hielt er es im Ruhestand nicht aus

Ein Jahr hielt Erich Rühmer, der nebenher auch noch immer als Jugendtrainer beim TSV aktiv war, es aus als Rentner zuhause. Dann ließ er sich im Isartalverein, dem er ohnehin schon angehört hatte, zum Vorsitzenden wählen. Die Tätigkeit, die er sich damit aufgehalst hat, das erzählt er immer wieder, kommt einem Vollzeit-Job gleich. Unter Erich Rühmer hat der Verein seinen Grundbesitz entscheidend vergrößern können.

Mitte Dezember wird der zweifache Familienvater 82 Jahre alt. Er sagt, jetzt will er endgültig bald kürzer treten. Um mal seine Hobbys zu pflegen: „Im Wald arbeiten und reisen..

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