Schäftlarner enthüllen mit Antrag pikante Fehler

Schwarzbauten aufgedeckt

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Schäftlarn - Durch einen Bauantrag ist der Gemeinderat auf zwei Schwarzbauten gestoßen. Die sorgten für mächtig Unmut.

Der Antrag auf Errichtung von zwei Doppelhaushälften an der Käthe-Kruse-Straße in Schäftlarn hat eine Grundsatzdiskussion im Gemeinderat ausgelöst. Der Grund: Die Antragsteller, Angela und Andreas Mock – der Ehemann ist Bauunternehmer, Gemeinderat und sitzt als solcher im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss – baten um Befreiung von Festsetzungen im Bebauungsplan in drei Punkten. So weicht die Wandhöhe mit 6,90 Metern um 40 Zentimeter von der festgesetzten Höhe ab. Ebenso sieht die Planung einen Zwerchgiebel von 3,50 Meter Breite je Doppelhaushälfte vor, obwohl Dachaufbauten auf diesen Grundstücken ausgeschlossen sind. Und zu guter Letzt sollen je zwei Wohneinheiten pro Haushälfte errichtet werden statt nur einer. 

Das Pikante an dem Antrag: Mocks begründen ihre Bitte mit Gebäudebeispielen aus der nächsten Umgebung. „Die angrenzenden Häuser weisen eine Wandhöhe von 7,10 Metern auf, zudem hat ein Gebäude ebenfalls einen Zwerchgiebel und besteht aus drei Wohneinheiten“, legte Bauamtschef Stefan Jocher den Sachverhalt dar. 

Nur: „Diese beiden Gebäude wurden im Genehmigungsfreistellungsverfahren beantragt und errichtet, allerdings wurde dann offensichtlich abweichend von den Eingabeplänen und Festsetzungen des Bebauungsplanes gebaut.“ Ein Punkt, bei dem Philip von Hoyos (Grüne) auf die Barrikaden ging. „Das heißt also, das sich hier auf Schwarzbauten bezogen wird“, brachte er es auf den Punkt. „Auch wenn ich vom Menschlichen her zustimmen würde – schließlich braucht Schäftlarn kleinere Wohneinheiten und nicht nur Doppelhaushälften – habe ich hier Magenschmerzen.“ Das sah Hans-Jürgen Heinrich (SPD) genauso: „Wenn man Schwarzbauten nicht verfolgt, werden sie zu Bezugsfällen. Das kann es doch auch nicht sein.“ 

Doch die Ahndung von Vergehen obliegt dem Landratsamt als zuständiger Bauaufsichtbehörde. Die beiden Häuser an der Käthe-Kruse-Straße sind kein Einzelfall. Ulrich Stuke (Grüne) betonte: „Ich kenne einige Gebäude, die abweichend von der Planung gebaut wurden, bei denen es aber nie Konsequenzen gab.“ 

Maria Kötzner-Schmidt (GU) machte ihrem Unmut auch Luft: „Der Bauausschuss macht sich doch nicht völlig umsonst seine Gedanken. Ich bin froh, dass ich diesem nicht angehöre. So muss ich mich später nur einmal im Gemeinderat ärgern.“ Mit Blick auf den Antragsteller sagte sie: „Immerhin ist es gut, wenn jemand vorher um Befreiungen bittet und nicht einfach drauf losbaut.“ Letztlich stimmte der Gemeinderat mit einer Gegenstimme (von Hoyos) den Abweichungen zu.

Sabine Hermsdorf

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