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In Josef Fencls Haus wohnen inzwischen zwei ehemals obdachlose Männer. 

Schäftlarner vermacht dem Verein „BISS“ sein Haus

Ein Erbe, das anderen Hoffnung gibt

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Der Hohenschäftlarner Josef Fencl hatte ein großes Herz. Als er 2016 im Alter von 85 Jahren starb, vermachte er sein Haus an der Schorner Straße dem Münchner Verein „BISS“, der vor allem obdachlosen Menschen hilft. Ein Glücksfall für den Verein und für die Betroffenen.

Schäftlarn – Karin Lohr, Geschäftsführerin von BISS, wollte zuerst nicht glauben, welche gute Nachricht ihr da überreicht wurde: Der Verein, der mit dem Verkauf von Straßenzeitungen obdachlosen Menschen Arbeit und ein kleines Einkommen verschafft, sollte ein Haus in Hohenschäftlarn erben. „Es war wie im Märchen“, sagt Lohr. „Zumal wir den Erblasser gar nicht kannten.“

Josef Fencl wurde 1931 in der Tschechei geboren, so viel weiß Lohr. „Ich denke, dass er selbst flüchten musste“, sagt sie, „Er wusste also, wie es ist, kein Zuhause, kein Dach über dem Kopf zu haben.“ Lange Jahre wohnte Fencl, der sich sehr im Trachtenverein engagierte, mit seiner Familie in Hohenschäftlarn, wo er ein Häuschen sein Eigen nennen durfte. 1993 starb seine Frau, die Tochter folgte ihrer Mutter 2013. Als Josef Fencl vor zwei Jahren starb, stand das Haus zunächst leer. „Der Nachlass musste erst geregelt werden.“ Zu dem Gebäude gehört auch ein Garten – mit Apfel-, Quitten- und Birnbäumen. Noch vor Einbruch des Winters wurden hier kleine Arbeiten verrichtet. Seit drei Monaten ist auch in das Haus selbst wieder Leben eingezogen: Nachdem die Wände gestrichen, die Böden erneuert, sowie für eine funktionstüchtige Küche gesorgt wurde, sowie die Möbel noch nach verwendbaren Stücken gesichtet worden sind, war der Weg frei für die ersten Mieter.

Trachtenliebhaber mit großem Herz: Josef Fencl

Mittlerweile wird der Souterrain-Bereich von zwei Herren im Alter von über 50 Jahren bewohnt, die lange auf der Straße gelebt hatten. Nun hat hier jeder ein Zimmer, Küche und Bad teilen sie sich. „Beide sind bei uns festangestellte Verkäufer“, berichtet Lohr weiter. In ein paar Wochen sollen weitere Sanierungsarbeiten folgen. Im oberen Bereich des Hauses könnte beispielsweise eine Familie untergebracht werden. „Das wäre ideal, auch von der Umgebung her.“

Mit den Nachbarn hat die Geschäftsführerin bereits Kontakt aufgenommen. „Super nette Leute sind das. Wir freuen uns darauf, diese Freundlichkeit zurückgeben zu können.“ Und noch etwas ist dem Team von BISS ein großes Anliegen: „Wir möchten eine Tafel an der Außenwand des Hauses anbringen, die auf die großzügige Geste von Josef Fencl hinweist.“

Dass der Verein sich auch um die Grabpflege ihres Gönners kümmern wird, ist für Karin Lohr selbstverständlich. „So können wir einem Menschen, den wir nicht kannten, der uns aber so viel Gutes getan hat, ein kleines bisschen danken.“

Der Verein „BISS“

Biss wurde 1993 in München gegründet. Ziel ist es, Menschen in sozialen Schwierigkeiten eine Beschäftigung zu geben. Das geschieht durch die Herausgabe und den Verkauf der Straßenzeitung BISS, die einmal monatlich mit einer durchschnittlichen Auflage von 38 000 Exemplaren erscheint. Vom Verkaufspreis in Höhe von 2,20 Euro geht die Hälfte an den Verkäufer. Diese sind zum Teil sogar fest angestellt und verkaufen in München und im Umland die Zeitschrift. „Derzeit haben wir 46 feste Mitarbeiter, die über uns auch sozialversichert sind“, sagt BISS-Geschäftsführerin Karin Lohr. BISS finanziert sich über den Verkauf, von Spenden und Bußgeldern, die der Organisation per Gericht zugesprochen werden. Der Verein versucht in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. „Der Verkauf sorgt für neue Kontakte mit Menschen.“

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