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Stefan Abarbanell im Gespräch mit Sybille Krafft.

Stefan Abarbanell stellt Roman in Ebenhausen vor

Ein Spionage-Thriller mit Sprengkraft

Ebenhausen – Zwischen Liebe, dem Horror des Zweiten Weltkriegs und der Suche nach einem Agenten bewegt sich Autor Stefan Abarbanell in seinem Roman "Morgenland". Gespickt mit Orten aus der Region.

Sein erster Roman „Morgenland“ ist ein akribisch und stimmig recherchierter Liebes- und Spionage-Thriller: Stefan Abarbanell, Kulturchef des Radio Berlin-Brandenburg (RBB), tauchte jetzt in der Buchhandlung Isartal in Ebenhausen in die Geschichte ein.

Der 1957 in Braunschweig geborene und in Hamburg aufgewachsene Autor lebt seit langem in Berlin, aber in erster Linie führt er die Leser über weite Strecken ins Jahr 1946, über Palästina, London und München ins Lager Föhrenwald im Landkreis Bad-Tölz-Wolfratshausen und weiter nach Offenbach, Berlin und in die Lüneburger Heide. „Wenn man sowas schreibt, ist man immer noch im Stande der Unschuld“, bekannte der Autor schon zu Beginn. 

Er kennt Ebenhausen und Umgebung von Familienfesten sehr gut, und auf das Thema „Föhrenwald“ kam er durch die Begegnung mit einer polnischen Journalistin, die das Pogrom in der polnischen Stadt Kielce am 4. Juli 1946 mit 46 erschlagenen Juden, darunter auch Kindern, ansprach. Viele überlebende Juden retteten sich ins große und bekannte Lager Föhrenwald. „Dass ich Kloster Schäftlarn mit reinnahm ist eine kleine Referenz an meine Familie und auch an meinen Verleger, der hier wohnt.“ 

Die Abarbanells sind eine kleine, aber sehr alte spanisch-jüdische Familie, der Großvater des Autors war kaiserlicher Offizier. „Meine ganze Familie überlebte zum Glück die NS-Zeit körperlich unbeschadet, aber seelisch beschädigt“, bekannte er seiner Gesprächspartnerin Sybille Krafft. Die Vorsitzende des Historischen Vereins Wolfratshausen kam zwischen den Leseparts mit Stefan Abarbanell ins Gespräch über Hintergründe und Zeitbezüge. „Ihnen gelang ein spannendes, sauber recherchiertes und stimmiges Bild von Zeit und Situation“, lobte sie. Und zerstreute Ängste. 

Und so ganz nebenbei setzt Abarbanell dem großen jüdischen Literaten Gerschom Scholem im Roman ein Denkmal. Die Scholems übernehmen den Part der Familie des Autors, der nicht nur bei Walter Jens in Tübingen Allgemeine Rhetorik studierte, sondern auch Evangelische Theologie: „Ich wollte eigentlich Judaistik studieren, aber das war damals noch nicht möglich, also studierte ich Theologie, gleichsam als ,Studium Generale‘.“ Er lernte auch die ursprünglich stark sozialistisch geprägte Kibbuz- Bewegung in Israel kennen. „Aber davon ist wenig übrig geblieben, und heute erfüllt mich der israelische Staat mit großer Sorge.“ 

Vor sechs Jahren begannen die Vorarbeiten und Recherchen. „Anfangs war es mehr ein historisches Sachbuch, bis mir geraten wurde, alles Material zu Hause zu lassen, in die Ferien zu fahren und eine spannende Geschichte zu schreiben.“ Dies gelang um die zentrale Figur Lilya Wasserfall, die auf der Suche nach dem verschwundenen jüdischen Forscher (und Agenten) Raphael Lind ist. Der Roman ist aber auch eine rührende Liebesgeschichte. Ob es eine Fortsetzung gibt, weiß Abarbanell noch nicht. Und für eine Verfilmung des Stoffes bräuchte man „sehr viel Geld.  Das ist schon was für Hollywood“, meinte er am Ende verschmitzt. Den Lesern steht auf jeden Fall eine spannende Lektüre über das fast vergessene DP-Lager Föhrenwald und seine Schicksale bevor.

Dieter Klug

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