Christian Fürst, Bürgermeister von Schäftlarn
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Gerne in seiner Gemeinde unterwegs ist Christian Fürst. Die ersten Wochen im neuen Amt hat der neue Bürgermeister von Schäftlarn entspannt gemeistert. Foto: sh

Trassen, Trauungen und TV-Kameras

Bürgermeister Christian Fürst 100 Tage im Amt

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Seit 100 Tagen ist Christian Fürst (CSU) Bürgermeister von Schäftlarn. Sozusagen ein Seitenwechsel, da der Zeller vorher 18 Jahre lang unter seinem Vorgänger Matthias Ruhdorfer im Gemeinderat einen Platz innehatte. Ein Besuch im Rathaus.

  • Am Samstag, 8. August, ist Schäftlarns Bürgermeister Christian Fürst 100 Tage im Amt.
  • Wichtigstes Schäftlarner Thema: der Bau einer Umgehungsstraße.
  • Aber erst ist mal die Bahnhofstraße dran.

Schäftlarn – Der Schreibtisch im Amtszimmer ist aufgeräumt, die aktuellen Tageszeitungen liegen griffbereit, daneben ein roter Apfel. Verändert hat „der Neue“ im Büro bisher noch nichts. „Die Schrankwand stammt noch aus Zeiten, als das Rathaus umgebaut wurde. Der Schreibtisch und der Besprechungstisch sind auch gut. Warum sollte ich also?“ Fürst schaut sich um und deutet auf die limettengrüne Wandfarbe. „Über die Farbgebung könnte man reden – ich bin eher ein Fan von weißen Wänden.“

Genau drei persönliche Dinge stehen im Büro

An persönlichen Sachen hat Fürst genau drei Dinge aufgestellt, die jetzt zwischen Pokalen und Bierseideln der Gemeinde stehen: Eine Fotocollage der ersten Trauung, die er gehalten hat, die Bestellungsurkunde zum Standesbeamten auf Zeit und ein Holzbrett mit der Schrift „Willkommen im FÜRSTentum Schäftlarn.“ Das sei „ein Geschenk von Thomas Gebauer, einem guten Freund von mir“, sagt er.

Am ersten Tag schon eine Unterschrift unter eine Buchung von einer Million Euro

Der erste Tag als Bürgermeister verlief eher unspektakulär – bis auf eine Sache: Nachdem Fürst die Mitarbeiter begrüßt hatte, klopfte es an der Tür des Amtszimmers. „Draußen stand unser Kämmerer, der eine Unterschrift von mir haben wollte.“ Ein sehr großer Betrag – „etwas über eine Million Euro“ – sollte zur Vermeidung von Strafzinsen umgebucht werden. „Im Prinzip war das meine erste große Amtshandlung.“

Umgehungsstraße ist Thema Nummer eins

Während er erzählt, donnert draußen ein Lkw vorbei – für Fürst die Überleitung zu einem der Themen, die die Schäftlarner Bürger am meisten bewegt: Der Bau der Umgehungsstraße. „Ich habe vollstes Verständnis, dass hier etwas gemacht werden muss“, sagt er. Derzeit läuft das Artenschutzrechtliche Gutachten, das im Anschluss geprüft wird. Doch bis das Planfeststellungsverfahren in die Wege geleitet, die Trasse festgelegt wird und in die Grundstücksverhandlungen eingestiegen werden kann, könnten durchaus noch sechs Jahre vergehen.

Ärgerliches Parkplatz-Provisorium

Bis dahin gibt es andere Themen. Fürst hat sich etwa der Bahnhofstraße angenommen. „Es kann nicht sein, dass das Parkplatzprovisorium vier Jahre nach Bauende immer noch existiert.“ Nun wurde eine Bank aufgestellt, ein neues Holzgeländer statt der Absperrketten errichtet, Baumpflegemaßnahmen sollen folgen. Mit dem Bürgerplatz soll es weiter gehen. „Doch solange die Bahn nicht die Schranke erneuert hat, können wir nicht anfangen.“

Fast ins Fernsehen geschafft

Trotz der kurzen Amtszeit hätte es der 44-Jährige bereits fast ins Fernsehen geschafft. Als der Bundesrat anregte, zur Lärmreduzierung ein Motorrad-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen auszusprechen, meldete sich der Fernsehsender RTL bei Gerd Zattler. Der Grünen-Gemeinderat setzt sich bereits seit Jahren für die Anwohner am Klosterberg ein, die unter dem Motorenlärm leiden. „Also wollten sie nun einen Beitrag über den Klosterberg machen – und haben uns rund drei Stunden an der Strecke und bei Zattlers im Garten beschäftigt. Es war ein netter Nachmittag, aber das Ergebnis war eher unerwartet.“ Fürst lacht herzlich. „Herr Zattler war 25 Sekunden zu sehen, ich gar nicht – und das Ganze lief um 6.15 Uhr in der früh.“ Dennoch hat der neue Bürgermeister das zum Anlass genommen, mit dem Landratsamt Kontakt aufzunehmen. „Ich hoffe auf einen Ortstermin, um zu überlegen, ob es vielleicht nicht doch eine Lösung gibt.“

Freiräume für Hobbys und Familie

Fürsts Fazit: „Ich bereue meine Aufstellung und Wahl nicht.“ Und trotz großen Arbeitspensums schafft er es, sich Freiräume für Hobbys und Familie zu schaffen. „Denn sich einfach mal zurückziehen, um Kraft zu schöpfen und durchzuatmen, das ist genauso wichtig.“

Drei Fragen an Christian Fürst

Herr Fürst, als Standesbeamter auf Zeit dürfen Sie auch Trauungen vornehmen. Wer war bei Ihrer ersten Trauung aufgeregter – die Braut oder Sie?

(lacht) Gute Frage. Bei der ersten war ich schon aufgeregt, aber nicht so wie das Brautpaar selbst. Bei der zweiten war ich dann schon entspannter. Zudem hatte ich mir Unterstützung aus dem Standesamt mitgenommen. Denn außer der Traurede und der berühmten Frage „Wollen Sie...?“ gibt es ja auch noch eine ganze Liste an Formalien, die man einhalten muss. Zum Beispiel hat das Vorlesen des Protokolls dann die Kollegin übernommen.

Können Sie noch in Ruhe einkaufen gehen oder werden Sie ständig von Bürgern angesprochen?

Es gehört einfach zum Bürgermeistersein in so einer kleinen Gemeinde mit 5800 Einwohnern dazu, dass man auch außerhalb der Dienstzeiten ansprechbar ist. So einen Klassiker hatte ich an einem Samstag. Ich wollte meine Eltern besuchen und davor noch schnell zum Bankautomaten und zur Apotheke. Beim Bankautomaten hieß es „Ach, Christian, weil ich dich gerade sehe...“. Und als ich aus der Apotheke raus bin, „Ach, Herr Fürst, weil ich Sie gerade sehe...“. Da wurde es mit dem Besuch eben später. Aber das ist in Ordnung. Je nach Thema mache ich mir eine Notiz und gebe es am Montag weiter oder bitte um einen Gesprächstermin.

Sie waren 18 Jahre lang Gemeinderat. Nun sitzen Sie auf dem Stuhl des Bürgermeisters – schräg gegenüber von ihrem Vorgänger Matthias Ruhdorfer, der nun Gemeinderat ist. Wie ist es für Sie, die Sitzungen selbst zu leiten?

Das ist schon etwas ungewohnt. Als Gemeinderat hast du dich gemeldet und was gesagt – oder auch mal reingerufen – und warst auch mit den Kollegen nicht immer einer Meinung. Als Bürgermeister musst du eher darauf achten, wer sich eigentlich gemeldet hat. Man moderiert die Diskussion sozusagen – und vergisst manchmal, dass man selber eine Meinung hat und diese auch sagen sollte. Was Dr. Ruhdorfer betrifft: Ich finde, er bringt sich als Gemeinderat gut ein. Ob man uns vergleicht, kann ich nicht sagen. Wir sind beide grundverschieden, jeder hat seinen eigenen Stil und vielleicht auch eine andere Herangehensweise.

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