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Eine Frau zwischen den Kulturen: Arezo, wie sie sich selbst sieht. Sie fertigte das Bild als Abschlussarbeit eines Projekts an. Der Titel: „Ich bin, aber wie viele“.   

Afghanin erhält Stipendium

Vom Kriegsland aufs College: Arezos (16) Weg

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Arezo Gholami (16) kommt aus einer Kultur, in der sich Frauen unterordnen. Seit die Afghanin mit ihrer Familie im Landkreis lebt, geht sie einen völlig neuen Weg.

Sauerlach/Schäftlarn – Wie ein Damokles-Schwert hängt eine Entscheidung über der Familie: Bleiben oder gehen? „Momentan haben wir eine Aufenthaltsgenehmigung, die jeden sechsten Monat verlängert werden muss. Aber bald kriegen wir hoffentlich eine einjährige Genehmigung“, erzählt Arezo Gholami.

Die 16-jährige Afghanin, im Iran aufgewachsen und erst seit 2016 in Deutschland, spricht fließend Deutsch. Sie besucht die zehnte Klasse des Gymnasiums Oberhaching. Ihr Notenschnitt: 2,85. „Im Unterricht habe ich viel über Afrika und die Apartheit gelernt, das ist das Gleiche wie bei uns im Iran“, erzählt Arezo. 

Sie hat zwei Brüder und eine Schwester. „Ich bin dort zwar geboren, aber ich würde nie sagen, dass das meine Heimat ist“, betont sie. Über die Balkanroute kam die Familie nach Erding, lebte dann drei Wochen in der Traglufthalle in Taufkirchen. „Da durfte man die Tür nicht auflassen“, erzählt Arezo und kann heute darüber lachen. Einmal sei es den Kindern doch passiert. Sofort kam die Decke ein Stück weit herunter. Alle seien sehr erschrocken gewesen. Es gab Fernseher und Fahrräder, „das alles hatten wir Zuhause nicht“. Afrikaner, Iraner, Israeliten – so viele Nationen unter einem Dach. „Beim Freitagsgebet kamen alle zusammen“, obwohl es untereinander durchaus Vorurteile gab.

Die junge Arezo Gholami (16).

Das Landratsamt entschied, die Gholamis in Sauerlach unterzubringen. Ein Glücksfall. Gemeinsam mit einer anderen afghanischen Familie teilten sie sich ein Reihenhaus am Heuweg. Sieben Kinder, vier Erwachsene – kein leichtes Unterfangen. Einige Nachbarn protestierten gegen die Flüchtlinge und neuen Nachbarn. Mittlerweile ist Arezos Familie umgezogen nach Schäftlarn. „Der Helferkreis hat uns beigestanden und sehr geholfen, vieles war uns hier ja fremd“, erzählt Arezo.

Die 16-Jährige lernt Amelie von Borries (55) kennen, die sich seit der ersten Stunde für die Flüchtlinge in Sauerlach engagiert. Wie auch Herta Maria Gerigk (67). „Wir sind richtige Freundinnen geworden“, erzählt Arezo und strahlt. Beide Frauen kümmerten sich um sie – und öffneten Türen, die Arezo nicht mal erahnte. „Ich wusste nicht mal, dass es verschiedene Schulformen gibt“, sagt die Jugendliche.

Eine wichtige Station war für sie das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in Bogenhausen. Dort gibt es das Pilotprojekt „InGym – Integration am Gymnasium für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache“. Die Aufnahmeprüfung für das halbe Schuljahr schaffte Arezo auf Anhieb. „Der ganze Unterricht war auf Deutsch, da musste man sich ziemlich anstrengen.“ Mittlerweile schreibt Arezo für die Flüchtlingszeitung „Neuland“ und nahm am Projekt Youthnet 2017/18 teil (www.youthnet-muenchen.com). Ein interkulturelles Netzwerk des Vereins Lichterkette für Jugendliche in München, begleitet von professionellen Mentoren. Arezos Abschlussarbeit in der Fotoausstellung zeigt, wie sie sich heute sieht: Als junge, selbstbewusste Frau zwischen zwei Kulturen.

„Das Wichtigste ist, immer weitergehen zu können“, sagt Arezo. Das tut sie. Und sie gibt ihre Erfahrungen weiter: als Mentorin bei Youthnet, als Botschafterin junger Flüchtlinge. Der nächste Meilenstein ist für sie das UWC-Robert-Bosch-College in Freiburg, das sie nach Abschluss der zehnten Klasse besuchen wird. Die 16-Jährige hat dafür ein Vollstipendium und mit viel Eifer und festem Willen dafür gearbeitet. Die Idee hatte Amelie von Borries, eine ihrer Töchter besuchte diese Schule ebenfalls. „Dort wird auf nur auf Englisch unterrichtet“, erzählt Arezo. Davon lässt sie sich nicht schrecken, „Deutsch ist doch viel schwerer gewesen“, sagt sie und lacht.

Das bislang Erreichte hat Arezo Gholami selbstbewusster gemacht. Das sorgte im Elternhaus durchaus machnmal für Spannungen. Denn ein afghanisches Mädchen auf eigenen Wegen – das ist eine Ausnahme.

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