Gasthof zur Post in Ebenhausen
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Der Gasthof zur Post in Ebenhausen: Das inzwischen denkmalgeschützte Gebäude mit dem zwei Vollgeschosse umfassenden Dachstuhl ist seit 1803 in Familienbesitz, seit 1860 wurde es als Wirtshaus geführt.

Rundgang durch Schäftlarn

Zwischen Leerstand und Wohnungsnot

  • vonAndrea Kästle
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Wenn man durch Schäftlarn geht, hat man das Gefühl, dass viele Häuser leer stehen. „Hier würde ich gern wohnen“, denkt sich sicher so mancher. Ein Rundgang mit Bürgermeister Christian Fürst (CSU) zeigt allerdings: So einfach ist das nicht.

Schäftlarn - Das Hotel Hubertus etwa an der B11 wird, weiß der Rathauschef, durchaus noch betrieben, 1899 wurde das „ortsprägende Anwesen“ errichtet. Im Hoteltrakt sind momentan vorwiegend Dauermieter einquartiert, und mittelfristig soll das Gebäude auch, sagt Fürst, zu Wohnzwecken umgerüstet werden.

Platz vor dem Gasthof zur Post wird saniert

Weiter Richtung Schäftlarn liegt dann der Gasthof zur Post. Fürst sagt, die Eigentümer, die Familie Widmann, würden den Komplex gern selbst herrichten, große Hürde: die Kosten, die man mit Sicherheit in zweistelliger Millionenhöhe ansiedeln darf. Wenigstens der Platz vor dem Gasthaus, in dem vor einigen Jahren noch Ostertanz und Maifeier stattgefunden haben, wird jetzt saniert.

Tolles Konzept nie umgesetzt

Nächstes Objekt, über das man sich immer mal wieder den Kopf zerbricht: das Honeywell-Anwesen in der Benediktstraße. Vor etwa zehn Jahren ist es verkauft worden an eine GmbH, seither ist nichts passiert. „Ich verstehe das überhaupt nicht“, sagt Christian Fürst, vor einiger Zeit hatten die Eigentümer dem Gemeinderat mal ein „tolles Konzept“ für eine Mischnutzung aus Wohnen und Gewerbe vorgelegt, damals war der Plan gewesen, das Gebäude auch noch aufzustocken. Der Plan wurde genehmigt, aber leider nie umgesetzt. „Es geht den Eigentümern wahrscheinlich um Profitmaximierung“, meint der Rathauschef. Vor einiger Zeit seien die Eigentümer von der Verwaltung auch mal angeschrieben worden. „Es ist nicht mal eine Antwort gekommen.“

Wohnraum schaffen - aber Orts-Charakter erhalten

Damit wäre man schon bei einem wichtigen Aspekt der ganzen Wohnungsmisere angekommen: Es ist in Bayern nicht verboten, Wohnraum leer stehen zu lassen. Entsprechend hat auch die Gemeinde überhaupt keine Handhabe, um Privatleute dazu zu bewegen, dass sie die Immobilien, die ihnen gehören, unbedingt doch auch vermieten.

Schon vor langer Zeit hat die Gemeinde aber damit begonnen, den steigenden Miet- und Grundstückspreisen etwas entgegenzusetzen – und beständig günstigen Wohnraum geschaffen. 45 kommunal geförderte Wohnungen gibt es momentan in der Gemeinde, auf der Liste der potenziellen Interessenten stehen allerdings noch weitere 50 Leute. Letztes Projekt waren acht Wohnungen, die die Gemeinde am Stehbründlweg, dem ersten Baugebiet, das seit 2003 wieder ausgewiesen worden ist, selbst errichtet hat. Sie wurden im Dezember bezogen. Außerdem werden gerade sieben Gemeinde-Wohnungen in der Auenstraße neu hochgezogen. Eine weitere Möglichkeit, um bezahlbare Wohnungen zu schaffen, sagt Fürst, sieht er auf dem Grundstück Georgstraße 8. Dort steht jetzt ein Gemeindehaus mit vier Wohnungen, wenn man anders, geschickter bauen würde, hätte das Doppelte dort Platz.

Viele Ideen, aber schwierige Umsetzung

Ansonsten wird Altbestand, wenn er vererbt wurde und keiner der Erben die anderen auszahlen kann, verkauft, und von den neuen Besitzern durch ein Einfamilienhaus, ein Doppelhaus oder einen Dreispänner ersetzt. Auch im Tränkweg wurde gerade eins dieser kleinen Häuschen abgebrochen; gleichzeitig wird in immer mehr Gärten das unter Umständen vorhandene zweite Baufenster ausgenutzt. Fürst sagt, der Gemeinderat wolle inzwischen verhindern, dass der Ort weiter ausfranst – die Planungen für eine weitere Baureihe etwa auf der anderen, noch ganz freien Seite des Tränkwegs, vor einigen Jahren noch durchaus für möglich erachtet, habe man jetzt wieder aufgegeben. Fürst betont, man lege im Gremium großen Wert drauf, den Charakter der Gemeinde auch zu erhalten. Nicht überall könne man ein Einfamilienhaus durch ein Mehrfamilienhaus ersetzen. Zum anderen will auch er verhindern, dass die Gemeinde durch zu viele zu kleine Gebäude zu „Schachtelhausen“ verkommt.

„Wenn man nicht das Glück hat, geerbt zu haben, kommt man in Schäftlarn nicht an Eigentum“: Bürgermeister Christian Fürst vor dem Haus am Stehbründlweg, in dem die Gemeinde acht Wohnungen geschaffen hat. 

Im Wahlkampf hatte Fürst gemeint, er könne sich Nachverdichtung auch so vorstellen, dass man ältere Eigentümer größerer Häuser ermuntert, einen Teil des zu groß gewordenen Eigenheims doch unterzuvermieten – vielleicht auch im Rahmen des Projekts „Wohnen gegen Hilfe“. Gleichzeitig hatte er gesagt, er stünde einem genossenschaftlichen Wohnprojekt nicht ablehnend gegenüber. Jetzt erklärt er: „Im Wahlkampf war diese Idee, Leute zum Vermieten ihrer Immobilien zu ermuntern, natürlich leicht gesprochen. Wie ich das umsetzen könnte, weiß ich nicht, man müsste Anreize schaffen für Eigentümer. Aber das ist mit Sicherheit keine Möglichkeit, um die großen Probleme zu lösen.“ Ein Genossenschaftsprojekt prinzipiell würde er gutheißen, das Problem ist das geeignete Grundstück.

Grundstückspreise außer Kontrolle

Häuser, von denen man dachte, dass sie leer stehen – die aber, wie Fürst weiß, doch noch bewohnt werden, sind die viergeschossige Villa in der Zechstraße, erbaut vom Unternehmer Zech aus Leipzig und die Köllner-Villa nahe der S-Bahn Ebenhausen. Unbewohnt dagegen ist das denkmalgeschützte Bauernhaus im Gerhart-Hauptmann-Weg, das unlängst von den ursprünglichen Erben versteigert worden ist.

Christian Fürst, der selbst, wie er berichtet, in einer 50-Quadratmeter-Wohnung wohnt, sagt, er sei „auch desillusioniert“. Die Grundstückspreise, längst außer Kontrolle geraten, liegen bei meist über 1000 Euro pro Quadratmeter, der Bodenrichtwert beträgt im Moment 950 bis 1000 Euro. „Zuletzt ist in der Max-Rüttgers-Straße ein Grundstück für 1400 Euro pro Quadratmeter verkauft worden.“ Fürst sagt: „Ich gebe zu, dass hier noch ein Entwicklungsprozess stattfinden muss. Ein Patentrezept habe ich aber auch nicht.“

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