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Die Retter und der Gerettete: die First Responder Mathias Buck (l.), Stephan Jansen (2.v.l.) und Florian van Laak (r.) zusammen mit Albrecht Theß und seiner Tochter Magdalena.

1000. Einsatz für die First Responder Schäftlarn

Wiedersehen mit den Lebensrettern

Schäftlarn - Während einer Floßfahrt verliert Albrecht Theß (55) plötzlich das Bewusstsein. Der Münchner hat einen Kreislaufkollaps. Nahe der Dürnsteiner Brücke eilen ihm die First Responder aus Hohenschäftlarn zu Hilfe. Es ist ihr 1000. Einsatz seit ihrer Gründung vor fünf Jahren. Albert Theß und seine Retter trafen sich nun noch einmal am Ort des Geschehens.

Es war ein schöner sonniger Tag. An der Floßlände in Wolfratshausen warten die Gäste auf die Abfahrt der Flöße. Gut fünf, sechs Stunden soll die Fahrt mit dem 70 Tonnen schweren Gefährt bis nach München-Thalkirchen dauern. Die Stimmung ist ausgelassen, erste Witze werden gerissen. Unter den Fahrgästen ist auch Albrecht Theß aus München mit seiner Tochter Magdalena. „Wir haben uns auf einen tollen Tag gefreut“, sagt der 55-Jährige. Zusammen mit seinen Freunden vom Stammtisch „Giasinga Ledahos’n“ macht er seit vielen Jahren diese Tour. „Das hat bei uns schon Tradition“, erzählt der Justizvollzugsbeamte. Und auch das Wetter passt, die Sonne strahlt nur so vom Himmel. Weit über 30 Grad soll es an diesem Tag werden. Doch genau diese Hitze ist es, die dem Münchner mutmaßlich zum Verhängnis werden soll. „Etwa eineinhalb Stunden nach der Abfahrt wurde mir mulmig“, erinnert sich Theß. „Ich habe mich hingesetzt und schlagartig ist mir alles vor den Augen verschwommen.“ Der 55-Jährige verliert das Bewusstsein und hat dabei noch Glück im Unglück. „Ich hatte einen Platz am Rand des Floßes. Nicht auszudenken, wenn ich dabei ins Wasser gefallen wäre.“ Tochter Magdalena bekommt zuerst gar nicht mit, dass ihr Vater gesundheitliche Probleme hat. „Ich habe mich gerade unterhalten, als plötzlich hinter mir immer wieder ,Albrecht, Albrecht!’-Rufe laut wurden.“ Die 24-Jährige dreht sich um, und „da lag mein Vater auch schon rücklings auf dem Boden“. Freunde helfen ihm, sich wieder aufzusetzen. Doch Theß’ Kreislauf bricht erneut zusammen. Welches Drama sich auf ihrem Floß abspielt, bleibt auch den Flößern nicht verborgen. Kurzerhand wählen sie den Notfruf und bringen das Floß auf dem Kanal in Höhe des Gasthauses „Zum Bruckenfischer“, nahe der Dürnsteiner Brücke, zum Halten. Zur gleichen Zeit beenden ein paar Kilometer entfernt in Ebenhausen die beiden First Responder Mathias Buck und Florian van Laak einen Notfalleinsatz. „Die Patientin war eben dem Rettungsdienst übergeben worden, als der Piepser uns erneut alarmierte. Wir konnten also sofort los“, erinnert sich Buck. „Einen Einsatz auf dem Floß hatten wir noch nie“, sagt der 33-jährige van Laak. „Und um ehrlich zu sein, ich selbst stand auch noch nie auf einem solchen Ding.“ Minuten später erreichen die Retter den Einsatzort. Auf dem Parkplatz des Gasthofes unterhalb der Kanalmauer warten schon die Einweiser. „Die unten deuteten nach oben an das Ende der steilen Kanaltreppe. Dort wiederum stand Michael Angermeier, einer der Flößer, und zeigte hinter sich.“ Van Laak und Buck packen den Notfallrucksack und hetzen die Stufen hoch. Ihnen gelingt es, den Patienten zu stabilisieren, bis der Rettungswagen eintrifft. „Ich war richtig froh, als ich gesehen habe, wie sich die beiden um meinen Vater gekümmert haben“, bekräftigt Magdalena Theß. Und auch der Justizvollzugsbeamte ist voll des Lobes über die First Responder. „Es ist einem gar nicht bewusst, was hier Ehrenamtliche leisten. Erst wenn man selber in einer Notsituation ist, fängt man an, darüber nachzudenken“, sagt er und schüttelt van Laak und Buck noch einmal die Hand. Abhalten lassen wird sich Theß aber auch in Zukunft nicht vom Floßfahren, der nächste Termin ist bereits gesetzt. „Und wenn wieder mal etwas ist, weiß ich ja, auf wen ich mich verlassen kann“, sagt der 55-Jährige.

Sabine Hermsdorf

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