Historische Dokumente haben der Fotograf Matthias Hundt (Foto) und Hobbyhistoriker Norbert Loy zum Schattenflugplatz in Brunnthal zusammengetragen. Foto: Jürgen Bollig

Im Schatten der letzten Kriegstage

Brunnthal - Die Geschichte Brunnthals muss um ein wichtiges Detail ergänzt werden: Die Nazis haben 1944 in einem Waldstück in der Nähe einen Schattenflugplatz eingerichtet.

In Brunnthal ist eine historische Wissenslücke geschlossen worden – dank der akribischen Arbeit von Norbert Loy, der hauptberuflich Versicherungsfachmann ist und in seiner Freizeit das Gemeindearchiv pflegt, sowie Fotograf Matthias Hundt. Wie Loy in dreijähriger akribischer Forschungsarbeit herausgefunden hat, haben die Nazis 1944 in einem Waldstück östlich der heutigen A8 einen Feldflugplatz mit Abwehrstellungen eingerichtet. Gerüchte um diesen Ort haben immer kursiert, doch nie waren die Daten zusammengetragen, geschweige denn ausgewertet worden.

Das Ergebnis von Loys Arbeit ist derzeit im Feuerwehrgerätehaus zu bestaunen: Die Ausstellung „Feldflugplatz Brunnthal – Ausweich- und Schattenplatz im Landkreis München 1944–1945“ gibt faszinierende Einblicke in die Situation der südöstlichen Landkreis-Gemeinde unmittelbar vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Als die Landeshauptstadt München 1944 von alliierten Bombern in Schutt und Asche gelegt und auch die Militärflughäfen in München-Riem, Oberschleißheim und Neubiberg angegriffen wurden, veranlassten die Nazis, einen Sammelplatz für beschädigte oder noch intakte Flugplätze einzurichten, um sie dort wieder funktionsfähig zu machen. Dass der perfekt durch Bäume getarnte Sammelplatz überhaupt entdeckt wurde, ist einem Zufall zu verdanken: Nach einem Bombenabwurf über München hat ein US-Pilot beim Rückflug zufällig gesehen, wie der Rumpf eines Fliegers in einem Waldstück nahe Brunnthal verschwand.

Am 9. April 1945 war die Stelle dem Erdboden gleichgemacht worden, 100 Maschinen konnten entdeckt werden. Nach 1945 diente der Ort als Sammelplatz von Fliegerschrott. Anhand der Auswertung von Fotos haben Loy und der Fotograf Matthias Hundt 55 Flugzeuge nicht nur ausmachen, sondern genauestens identifizieren können.

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