Belauern sich: Eine der drei Schiffbrüchigen soll sich opfern, damit die anderen überleben können. Simone Dirksen, Ulla Hoering und Jutta Roller spielen das sehr eindringlich. Foto: Dieter Michalek

Schiffbrüchige werden zu Menschenfressern im Garchinger Römerhoftheater

Garching - Drei Schiffbrüchige belauern sich auf einem Floß: Einer soll sich opfern, damit die anderen überleben können. Wer wird aufgegessen?

Im mit gut 100 Zuschauern ausverkauften Römerhoftheater Garching hat der Verein Zeitkind eine gelungene Premiere im zweifachen Sinne hingelegt . Zum einen zeigten die Schauspieler Glanzleistungen am ersten Theaterabend unter dem Motto „Aus.Weg.Los.“. Zum anderen war es das erste Mal, dass der fürs Musiktheater bekannte Garchinger Verein reines Sprechtheater bot.

Die Idee wurde bei einm Workshop geboren, sagt Regisseur Werner Högel. „Wichtig war uns, dass die Besetzung aus dem Team bestand, das beim Workshop trainiert hatte.“ Angesichts des Männermangels im Team entschied „Zeitkind“ sich für „Auf hoher See“ von Slawomir Mrozek mit einer Männerrolle, und bei „Herren“ von Jan Ericson wurde aus einer Herrentoilette kurzerhand eine gemischte Personaltoilette, damit man mit den einzigen beiden Männern auskam.

Insgesamt war Werner Högel mit den Leistungen der Schauspieler zufrieden. Sei Fazit: „Das Sprechthetater war für alle eine ganz neue Erfahrung und hat allen gut getan.“ Gut getan hat es auch dem Publikum, das nun mit beachtlicher Sprechtheater-Leistung verwöhnt wurde. Anfangs war allerdings gespanntes Warten angesagt, denn zwischen Koffern und auf Floßbrettern herrschte erst mal minutenlanges Schweigen und der Horizont - also das Publikum - wurde stumm mit intensiven Blicken bedacht. Und plötzlich der erste Satz: „Ich habe Hunger.“ Damit war man mittendrin in der ausweglosen Situation auf hoher See: Eine von drei schiffbrüchigen Damen (Simone Dirksen, Ulla Hoering, Jutta Roller) soll aufgegessen werden, damit die beiden anderen überleben können. Weil der Briefträger (Hannsjörg Zeus) freiwillig zurück ins Wasser flüchtet, bevor er auf dem Teller landet und die Zofe (Elke Zimmermann) ertrinkt, muss eben eine Dame dran glauben - und jede hat andere Ausreden, Phrasen und Tricks parat, um dem Schicksal zu entkommen und die anderen dazu zu bringen, ihr Leben für die gute Sache zu opfern.

Eine ausweglose Situation kann auch auf der Toilette eines Kaufhauses entstehen. Wer denkt, es sei nicht schlecht, am Weihnachtsabend im Kaufhaus eingeschlossen zu werden, der irrt. Zu dritt werden der Geschäftsführer und seine Mitarbeiterinnen (Karl-Heinz Bruns, Karin Gordon, Marion Zander) eingesperrt und bis der Putzmann (Hannsjörg Zeus) kommt, dauert’s. Ohne Kontakt zur Außenwelt, weil die Handys nicht funktionieren, prallen Schwächen, Ängste und Konflikte aufeinander. Gesellschaftskritisch und dennoch mit Humor nahm sich das Ensemble menschlicher Verhaltensweisen an, die erst unter Extrembedingungen offenbar werden. Mit viel Spielfreude und Können hat Zeitkind das Sprechtheater erobert. mf

Weitere Aufführungen

am 7. und 8. November um 20 Uhr im Römerhof-Theater.

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