Schleißheimer wollen alten Bahnhof retten

Oberschleißheim - „Vabosh“ nennt sich die Initiative, die den „verrückten alten Bahnhof Oberschleißheim“ (Vabosh) retten will. Sechs Schleißheimer, darunter namhafte Persönlichkeiten, haben sich zusammen geschlossen, um die Deutsche Bahn AG doch noch umzustimmen. Der Gewerbeverband Oberschleißheim unterstützt das Anliegen.

An Ideen fehlt es wirklich nicht. Walter Klar, Inhaber des Fachgeschäfts „Eisenbahnparadies“, Ute Wagatha, Künstlerin und Logopädin sowie die Architektin und Gemeinderätin Anke Schuster (SPD), die Vabosh 2008 gemeinsam aus der Taufe hoben, setzen auf eine sozi-kulturelle Nutzung. Ob als Vereinshaus, Ortsmuseum oder als Café mit Live-Musik und Ausstellungen. „Die Einrichtung sollte sich nach Möglichkeit selbst tragen“, findet Walter Klar. Doch einen Verkauf lehnte die Bahn bisher rigoros ab.

Der „Schleißheimer Bahnhof“ wurde an der heutigen Schönleutnerstraße am 3. November 1858 zusammen mit der 73 Kilometer langen Strecke München-Landshut eingeweiht. 1898 versetzte eine Spezialfirma den verrückten Bahnhof auf Rädern um sechs Meter, weil mit dem Streckenausbau ein zweites Gleis dazu kam.

Bis zur Einführung des S-Bahnverkehrs 1972 wurde der Bahnhof noch als Haltestelle genutzt. Anschließend stand er leer.

Der mögliche Ausbau der S-Bahnstrecke und häufig wechselnde Besitzverhältnisse standen einer Nutzung im Wege. Jetzt befürchtet die Initiative Vabosh, dass ein baldiger Abriss nicht mehr auszuschließen ist.

Nach jahrelangen, im Grunde meist einseitig geführten, Verkaufsverhandlungen verstärkte sich Vabosh um drei weitere Mitglieder. Neben Schusters Vorgängerin im Gemeinderat, Karin Schulze, und Gemeinderätin Irene Beck (FDP), gesellte sich SPD-Vorsitzender Andreas Hofmann dazu, ein Historiker. Und Klar kündigt an: „Die Vereinsgründung wird soeben vorbereitet.“

Besonders Hofmann als Historiker und Vabosh-Sprecher gelingt es immer wieder, das Thema durch originelle Beiträge auch im Internet zu befeuern. Jetzt hat die Initiative eine Online-Petition gestartet, die an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG gerichtet ist, um bei der Bahn zusätzlich Druck aufzubauen. Die Initiatoren wollen, dass sich die Deutsche Bahn AG zum Erhalt des alten Gebäudes bekennt und seine Renovierung und Nutzung ermöglicht.

Die Initiative hat es bereits auf 277 Unterschriften gebracht. Davon leben übrigens nur 166 Unterstützer in Oberschleißheim. Interessant ist, dass Unterstützer aus Dachau stammen, aus Ismaning, Straubing, Berlin, aus Fürstenfeldbruck, Planegg und sogar aus Finning. Und beinah stündlich kommen zwei, drei neue Namen hinzu. Nett lesen sich im Übrigen auch die Kommentare, zu denen die Unterzeichner aufgefordert werden: „Ein altes Stück Oberschleißheim sollte erhalten bleiben“, steht da zu lesen: „Ich bin von dem Bahnhof viele Jahre mit dem Zug ins Gymnasium gefahren.“ Oder: „Ich liebe diesen Bahnhof seit meiner Kindheit, eine Einrichtung als Modelleisenbahnlandschaft wäre schön“, wie eine Dame aus Unterschleißheim vorschlägt. Und: „Oberschleißheims Schlösser werden mit erheblichem Aufwand erhalten.“ Der Bahnhof dagegen, beklagt sich ein ehemaliges Oberschleißheimer Gemeinderatsmitglied, „nähert sich dem Zustand, ein Schandfleck zu sein.“ Gerade diese Meinung würde Walter Klar sofort unterschreiben: „Dieses wundervolle Gelände verkommt total.“

Unterstützer gesucht:

Informationen zur Initiative „Verrückter alter Bahnhof Oberschleißheim“: www.vabosh.de oder www.alterbahnhof-schleissheim.de, hier gibt es auch die Möglichkeit, sich in die Online-Petition einzutragen.

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