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Die Bagger graben schon an der Sonnenstraße in Oberschleißheim. Hier wird der Campus der Ludwig-Maximilians-Universität erweitert. Doch nicht alle Vorgaben der Bauleitplanung werden eingehalten, beklagen die Gemeinderäte.

Schon vor dem Umzug gibt es Ärger

Eigentlich eine tolle Sache: Die LMU will mit ihrer Mikrobiologie und der Pferdeklinik von München nach Oberschleißheim ziehen. Doch die Gemeinderäte beklagen, dass sich die Bauherren nicht an die Bebauungspläne halten.

von Andreas Sachse

Oberschleißheim– Die Universität setzt den Ausbau des Campus an der Sonnenstraße in Oberschleißheim fort. Mikrobiologie und Pferdeklinik stehen im Frühjahr auf dem Plan. Der Umzug der Tierärztlichen Fakultät nach Oberschleißheim ist als Teil der mit dem Freistaat ausgehandelten Zielvereinbarung beschlossene Sache. Dass die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) Vorgaben der Bauleitplanung schon jetzt missachtet, gefällt nicht jedem im Gemeinderat.

So missfällt SPD-Fraktionschef Florian Spirkl nicht nur, dass die zur Sonnenstraße weisende Gebäudeseite der Mikrobiologie mit über 17 Metern mehr als doppelt so hoch ausfallen soll, wie ausgemacht. Entlang der Staatsstraße aus Richtung München zieht sich gemäß den Plänen des Staatlichen Bauamts ein langer Schlauch von Parkplätzen. Der in früheren Entwürfen zugesagte, begrünte Lärmschutzwall entfällt.

Am südlichen Beginn der Sonnenstraße hätte der Wall weniger vor Lärm schützen, als einen grünen Sichtschutz darstellen sollen. Der erste Eindruck definiert zumeist das Bild, das man sich von einem Menschen macht – und von einer Gemeinde, monierte Spirkl im Bauausschuss. Dass der Stellplatzschlauch großzügig mit Bäumen bepflanzt werden soll, hält Spirkl lediglich für eine kosmetische Korrektur.

Spirkl sieht sich und die Gemeinde übertölpelt. Es sei genügend Zeit gewesen, Korrekturen zu besprechen. Den Bauausschuss kurz vor knapp mit neuen Plänen zu konfrontieren, dabei aufs Tempo zu drücken, man würde sonst nicht fertig – das sei nicht redlich. Zwar ist der Parkplatz erst im oberen Teil des Campus als Schlauch vorgesehen. Die zukünftige Gestaltung im Süden wäre aber vorgegeben. Ein schwacher Trost mag Spirkl sein, dass zumindest ein Teil der Parkplätze öffentlich genutzt werden können. Spirkl machte klar, kein Gegner des Campus zu sein.

Wie Irene Beck (FDP), die ebenfalls Bedenken gegen die Pläne anmeldete, steht Spirkl hinter dem prestigeträchtigem Umzug der Tierärztlichen Fakultät. Am Ende eines Deals, der auf Gegenseitigkeit beruht, sollten aber alle Beteiligten zufriedengestellt sein, findet er.

Von der Zielvereinbarung aber profitiere vor allem der Freistaat. Das belegt nicht zuletzt die in der Gemeinde neu aufgebrochene Debatte um Gewebegebiete (wir berichteten). Die Vereinbarung unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt zu haben, hat sich als Fehler erwiesen. Gemeinderat und Rathaus beraubten sich der Chance, von Anregungen Dritter zu profitieren.

Auf dem Campus im Bau befinden sich zentrale Einrichtungen wie der große Hörsaal, Caféteria, Werkstätten. Im Frühjahr soll mit dem Bau der Mikrobiologie, einem quadratischen Gebäude an der Sonnenstraße, und der Pferdeklinik begonnen werden. In der Mikrobiologie geht es um die Erforschung von Krankheiten wie der Vogelgrippe. Die Pferdeklinik ist zur stationären Betreuung von 790 Tieren ausgelegt. Bis zu 390 Pferde sollen ambulant betreut werden können.

Das Staatliche Bauamt konstatiert einen sportlichen Terminplan: Beide Gebäude sollen 2020 bezugsfertig sein. Dahinter stünde nicht nur die LMU. Der Freistaat macht Druck. Die Bauten in München sind zu klein und baufällig. Als ähnlich marode wird die Pferdeklinik am Englischen Garten beschrieben. Geld würde in keinem Fall mehr investiert.

Als interessant in diesem Zusammenhang bezeichnen Kritiker der neuen Pläne, dass der Freistaat Geld für eine Tiefgarage am Campus grundsätzlich verweigert. Nach Aussage des Staatlichen Bauamts gilt das auch für Standorte wie Martinsried. Für kommende Auseinandersetzungen sieht sich Oberscheißheims Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) dennoch gewappnet: „Wir haben den Daumen noch drauf.“

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