„Und es ist Krieg!“ Neun Darsteller spielen die Mutter Courage. Foto: sab

Schüler zeigen: So aktuell ist Brechts "Mutter Courage"

Haar - Mit „Courage, Kattrin!" boten die 27 Akteure des Oberstufentheaters Q11 und Q12 des Ernst-Mach-Gymnasiums Haar dem Publikum ein emotional aufwühlendes Stück; ideenreich inszeniert, textsicher und mit viel Leidenschaft gespielt. Die Schüler gingen in ihrer Spielkunst dabei weit über ein gewöhnliches Schultheater hinaus.

Auf die Leistung seiner Theatertruppe kann Leiter Thomas Ritter stolz sein. In „Courage, Kattrin!“ wird das Stück „Mutter Courage“ von Bertolt Brecht aus der Sicht der stummen Tochter Kattrin erzählt. Bei einer Schüler-Reise ins Burgtheater Wien kamen die Schüler als Zuschauer mit dem Stück in Berührung. „Zu konventionell jedoch sei die Inszenierung gewesen, so dass sie ganz viele Ideen für eine andere, modernere Inszenierung umsetzen wollten“, sagt Thomas Ritter, der seit vier Jahren die Gruppe leitet. Und obwohl viele mitten in den Abiturvorbereitungen stecken, waren die Proben ab November und auch die Wochenenden nie zuviel.

„Nein, Belastung ist das keine, dafür macht es viel zu viel Spaß. Nur beim Schauspielen kann man aus sich herausgehen und Grenzen überschreiten. Nirgendwo fühlt man sich so frei“, sagt die 17-jährige Nina Fackler, eine Darstellerin der Mutter Courage. Insgesamt waren es neun Schüler, die in deren Rolle schlüpften, in Jeans und weißem T-Shirt, die Gesichter fahl geschminkt.

Die Thematik des Stücks, das vom Nährboden des Krieges, seinen Opfern, aber auch den vielen seelischen Narben und Verderbtheiten erzählt, mussten die Schüler zum Glück nicht erleben. Die Botschaft jedoch haben sie eindrucksvoll nicht nur mit ihrer Stimme, Mimik und Gestik, sondern auch in der Licht- und Bühnentechnik umgesetzt. Gerade das Bühnenbild war minimalistisch, Mutter Courages Marketender-Wagen ein aus wenigen Latten gezimmertes fahrbares Holzgestell.

Mit aus dem Turnunterricht entliehenen Holzstöcken trommelten die Darsteller, ein Stück Fleisch am Haken fungierte als Symbol des Hungers. „Ganz viele Szenen entstanden, indem wir uns Fotos und Bilder von anderen Inszenierungen angeschaut haben“, sagt Ritter.

Andreas Gebhard hatte einen großen Anteil an der Inszenierung. Der 17-jährige Schüler der Q12 war für die Sprechpositionen und einen Großteil der allgemeinen Bühnensituation verantwortlich. Ab März kommenden Jahres möchte er an der Hochschule für Musik und Theater Bühnenregie studieren: „Da will ich hin!“ Mit dem Durchwechseln der Rollen etwa von Mutter Courage, Eilif oder dem Koch gab es keine Unterteilung in Haupt- oder Statistenrollen, die Theatergruppe agierte als Team, bei dem auch die fünfköpfige Band mit Schlagzeug, Horn, Fagott, E-Gitarre und E-Bass einen gewichtigen Anteil für die Dramaturgie hatte.

Den Bogen für das Stücks, dessen Handlung im Dreißigjährigen Krieg spielt, spannten die Schüler mit dem Verlesen von aktuellen Zeitungsartikeln über Boko Haram in Nigeria, IS-Anschlägen sowie den russisch-ukrainischen Auseinandersetzungen. Von den Zuschauern verabschiedeten sie sich mit der Botschaft: „Und es ist Krieg!“ sab

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