Die Profis applaudieren: (v.l.) die Abgeordneten Tobias Thalhammer, Ernst Weidenbusch, Susanne Tausendfreund und Natascha Kohnen spielen Pressekonferenz mit Eline Buchner und Jasmin Geilfus. Foto: kmm

Schüler spielen Gesetzgeber

Pullach - Der Bayerische Landtag soll ein Gesetz zur Videoüberwachung verabschieden. Die Staatsregierung hat das Gesetz eingebracht. Es wird diskutiert. In Ausschüssen arbeiten die Abgeordneten die Einzelheiten aus.

Dann wird in der Plenarsitzung abgestimmt. Ganz normaler Politikalltag. Nur in diesem Fall sind die Abgeordneten Schüler der zehnten Jahrgangsstufe des staatlichen Gymnasiums Pullach.

Die Gymnasiasten nehmen an einem Planspiel teil. Das hat ihre Sozialkundelehrerin Christina Christ organisiert: „Damit die Schüler lebensnah verstehen, was Politik eigentlich ist. Und dass es dabei nicht nur trocken und langweilig zugeht.“ Die Planspiele werden von der Forschungsgruppe Jugend und Europa der Ludwig-Maximilian-Universität durchgeführt. Sie sind für die Schulen kostenlos.

Es macht den Schülern Spaß. Gespannt kommen die Abgeordneten von ihren Ausschüssen zurück, Parlamentspräsident Leopold Weber eröffnet die Sitzung: „Ich bitte um Ruhe.“ Die Redner der Fraktionen kommen schon ziemlich professionell rüber. Wenn der Grünen-Vertreter Jonathan Gebhardt alle Jugendlichen als potentielle Kriminelle bezeichnet, merkt man, dass die Partei schon tief in der bürgerlichen Mitte angekommen ist. Die FDP mit Simone Gschoß gibt sich überraschend realpolitisch: „Wir stimmen zu, wir wollen ja schließlich wiedergewählt werden.“

Nach der Abstimmung - das Gesetz wird nach einigen Änderungen mit breiter Mehrheit beschlossen - dürfen die echten Abgeordneten auf das Podium: Ernst Weidenbusch (CSU), Natascha Kohnen (SPD), Susanna Tausendfreund (Grüne) und der jüngste Abgeordnete des Landtags, Tobias Thalhammer (FDP), alle aus dem Landkreis München, stellen sich den Fragen der Presse - in dem Fall denen der Schülerinnen Eline Buchner und Jasmin Geilfus. „Das ist eine sehr wichtige Aufgabe für die beiden“, sagt Lehrerin Christ. „Sie müssen alles dokumentieren und die Podiumsdiskussion leiten.“

Wie es mit der Entscheidungsfreiheit aussehe, wollen die Schülerinnen wissen, die Abgeordneten müssten sich doch immer der Fraktionsdisziplin unterordnen. „Nein“, sagt Kohnen, „über jede Entscheidung wird fraktionsintern diskutiert und gestritten.“ Dem Mehrheitsbeschluss müsse man sich dann unterwerfen. „Es gibt auch Gewissensentscheidungen“, sagt Tausendfreund. „Da ist es jedem freigestellt.“

Weidenbusch ist für mehr Bescheidenheit unter den Abgeordneten: „Die meisten Bürger haben die Partei und nicht die Person gewählt.“ Dem solle der Abgeordnete Rechenschaft tragen, wenn er langfristig dabeibleiben möchte. Das sieht Kohnen anders: „Politik ist ein Job auf Zeit.“ Jedem Abgeordneten müsse klar sein, dass er nicht unbegrenzt wiedergewählt werde. „Das war die Überleitung zur FDP“, scherzt Thalhammer.

„Und was ist mit schwarz-grün in Bayern?“, möchte ein Schüler wissen. „Wir verstehen uns persönlich gut“, sagt Tausendfreund, aber grün-konservativ sei nicht gleich schwarz-konservativ. „Für mich ist es persönlich spannend, die Schüler so zu sehen“, sagt Konen nach der Veranstaltung. Die Jungen seien auch heute politisch organisiert, nur anders. „Wir waren eher die Revoluzzer.“

Bewerbung für Planspiele

Jede Schule kann sich für ein Planspiel formlos bewerben. Die Teilnahme wird komplett vom Bayerischen Landtag finanziert: Forschungsgruppe Jugend und Europa, Centrum für angewandte Politikforschung; Maria-Theresia-Str. 21; 81675 München; Tel.: 089 / 2180 1340; E-Mail: sekretariat@fgje.de kmm

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